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Herzinfarkt: Frauen mit anderen Symptomen

Frau mit grauen Haaren sitzt auf der Couch und liestEin Herzinfarkt wird bei Frauen oft unterschätzt. Die falsche Deutung der Warnsignale kann dramatische Folgen haben. Der Herzinfarkt äußert sich bei Frauen häufig mit anderen Symptomen als bei Männern.

 

Wenn Frauen an mögliche Gefahren für ihre Gesundheit denken, steht der Brustkrebs an erster Stelle. Vielen ist nicht bewusst, dass das Herz eine weitaus größere Bedrohung darstellt. Ab dem 55. Lebensjahr sterben deutlich mehr Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an einem Mammakarzinom. Herzleiden sind in Österreich auch beim weiblichen Geschlecht die Todesursache Nummer eins. Die Tendenz ist steigend und zunehmend trifft es auch jüngere Frauen um die 40.

 

Die typische Herzinfarktkandidatin gibt es nicht, aber es gibt einige Faktoren, die einen akuten Myokardinfarkt wahrscheinlicher machen. In jüngeren Jahren geht es vor allem um die Kombination von Rauchen plus der Einnahme der Pille. „So gut wie alle Frauen, die vor der Menopause einen Herzinfarkt erleiden, rauchen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Uta Hoppe, Primaria an der Salzburger Universitätsklinik für Innere Medizin II.

 

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Ab 50 steigt das Risiko

Weitere Risikofaktoren für eine Herzkrankheit sind hoher Blutdruck und die „Zuckerkrankheit“. Diabetikerinnen tragen ein drei- bis siebenfach höheres Erkrankungsrisiko, während männliche Diabetiker „nur“ um das Zwei- bis Dreifache stärker gefährdet sind. Auch hohe Blutfettwerte, Übergewicht, chronischer Stress und mangelnde soziale Unterstützung machen eine Erkrankung wahrscheinlicher. Herzinfarkt-Kandidatinnen sind zudem oft Bewegungsmuffel. Sie essen zu viel tierische Fette und zu selten Obst und Gemüse. Wer mehrere dieser Faktoren aufweist, sollte unbedingt regelmäßig zum Risiko-Check, selbst dann, wenn frau sich gesund fühlt. Ein Belastungs-EKG zeigt, wie es um die Gesundheit des Herzmuskels bestellt ist.

 

Besonders wichtig ist das für Frauen nach der Menopause: „Ab 50 muss man als Frau mit einem höheren Herzinfarktrisiko rechnen, da die herzschützende Wirkung der weiblichen Hormone nachlässt“, erklärt die Kardiologin Dr. Hoppe. Auch eine genetische Vorbelastung kann bei der Entstehung von Herzerkrankungen eine Rolle spielen. Eine derartige Belastung und das Lebensalter sind Faktoren, die frau nicht beeinflussen kann. Der Lebensstil lässt sich aber bewusst herzfreundlich gestalten: durch körperliche Aktivität (schon ein halbstündiger Spaziergang täglich tut dem Herzen gut), durch mehr Obst und Gemüse (auch ein einziger Apfel täglich hilft) und durch weniger Fleisch und Wurst auf dem Speisezettel (bereits hundert Gramm weniger pro Tag senken das Risiko deutlich).

 

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Frauenherzen leiden anders

Frauen und Männer erleben einen Herzinfarkt oft unterschiedlich. Bei Männern geht er häufig mit Brustschmerzen einher, die in den Kiefer oder den Arm ausstrahlen können, und mit einem Engegefühl hinter der Brust. „Frauen haben oft ganz andere, atypische Beschwerden“, weiß Primaria Uta Hoppe. „Häufig kommt es zu Atemnot, auch Übelkeit und Bauchschmerzen können sich zeigen.“ Außerdem klagen Frauen bei einem Herzinfarkt vermehrt über Müdigkeit, Schweißausbrüche und Rückenschmerzen. Fatalerweise werden diese Beschwerden oft nicht richtig ernst genommen und auch in der öffentlichen Meinung nicht als typische Herzinfarktsymptome wahrgenommen: „Frauen neigen dazu, diese Symptome auf die Seite zu schieben, oder sie schließen auf Probleme mit anderen Organen“, warnt Dr. Hoppe. Die Diagnose ist bei Frauen oft schwieriger und das wirkt sich dramatisch auf die Sterberate aus. Während bei den Männern jeder zwölfte Patient stirbt, endet der Herzinfarkt bei jeder fünften Frau tödlich.

 

Bei einem Herzinfarkt verstopft ein Blutgerinnsel plötzlich eine bereits verengte Arterie. Dadurch kann ein Teil des Herzens nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und das davon betroffene Gewebe stirbt ab. Um das zu verhindern, ist schnelles Handeln das Gebot der Stunde. Jede Minute, die ohne eine entsprechende Behandlung vergeht, verringert die Überlebenschancen. Auch Spätfolgen werden wahrscheinlicher, erklärt Professorin Hoppe: „Je mehr Bereiche des Herzmuskels untergehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich später eine Herzschwäche entwickelt.“

 

Die Herzspezialistin warnt daher eindringlich davor, Symptome zu ignorieren, und rät, im Zweifelsfall lieber einmal zu oft als einmal zu wenig Hilfe zu holen. Einfach abzuwarten, sich einen Tee zu kochen oder sich ins Bett zu legen, sind Strategien, die im schlimmsten Fall tödlich enden können! Auch die Angehörigen sind gefordert, da Frauen dazu neigen, ihre Beschwerden herunterzuspielen. Selbst wenn die Symptome – was häufig der Fall ist – nachts oder frühmorgens auftreten, sollte man keinesfalls zögern. Nicht abwarten, bis sich die Beschwerden bessern, sondern unverzüglich den Notarzt oder die Rettung (Telefonnummer 144) rufen! Der Hausarzt ist in einem solchen Notfall nicht der richtige Ansprechpartner.

 

Dr. Regina Sailer

Juni 2014


Foto: mauritius, privat

 

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Kommentar

Kommentarbild Univ.Prof.Hoppe; Herzinfarkt: Frauen mit anderen Symptomen; M/KH; Print 1/2014„Ich rate Frauen dringend, nicht zu rauchen. Gerade in jüngeren Jahren und in Kombination mit der Pille steigt dadurch die Gefahr eines Herzinfarktes deutlich an. Dieser kann sich bei Frauen auch in atypischen Symptomen wie Atemnot oder Übelkeit zeigen.“
Univ.-Prof. Dr. Uta C. Hoppe

Leiterin der Salzburger Universitätsklinik für Innere Medizin II

Zuletzt aktualisiert am 12. März 2015