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Rippenfellentzündung: Schmerzhafte Erkrankung im Brustraum

Frau hat die Hand am Brustkorb Eine Rippenfellentzündung ist von stechenden Schmerzen im Brustraum gekennzeichnet. Sie ist zumeist eine Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung und sollte unbedingt behandelt werden, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Ohne Behandlung besteht in schweren Fällen Lebensgefahr.

 

Das Rippenfell umspannt die Lunge und kleidet die Brusthöhle von innen aus. Es ist Teil der Atmungsorgane. Mit seiner feuchten Haut ermöglicht das Rippenfell der Lunge, sich möglichst reibungslos im Rhythmus der Atmung zu bewegen. Bei einer Rippenfellentzündung (Pleuritis) ist diese dünne und empfindliche Haut zwischen der Rippeninnenseite und dem Lungengewebe entzündet.

Betroffen von dieser schmerzhaften Erkrankung sind meist ältere Menschen und Kinder, Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen.

 

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Symptome

 

Rippenfellentzündungen sind geprägt von scharfen, stechenden Schmerzen im Brustraum. Die Schmerzen bewirken, dass man möglichst flach atmet, sowie Husten und Niesen möglichst vermeidet, um die Reibung und damit die Schmerzen zu reduzieren.

Zu den Schmerzen treten häufig folgende Symptome:

  • Atemnot
  • trockener Husten
  • Druckgefühl in der Brust
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • Da eine Rippenfellentzündung meist eine Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung ist, treten zusätzlich die Beschwerden der auslösenden Grunderkrankung auf.

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Trockene und feuchte Form

 

Man unterscheidet eine trockene und eine feuchte Form der Rippenfellentzündung. Die trockene Pleuritis mit ihren typischen Schmerzen beim Atmen kann in eine feuchte Form übergehen. Eine feuchte Pleuritis entsteht, wenn sich zwischen Rippen- und Brustfell vermehrt Flüssigkeit ansammelt (Pleuraerguss) und die typischen Symptome (Atemnot, Husten) auslöst. Dringen Keime in die Flüssigkeit ein, kann es zu einer Eiterbildung kommen.

 

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Ursachen

 

Es gibt viele Ursachen, die eine Rippenfellentzündung hervorrufen können. In den meisten Fällen verursachen Bakterien die Entzündung, etwa infolge einer Lungenentzündung. Ungefähr 50 Prozent der bakteriellen Infektionen werden durch Streptokokken, wie zum Beispiel Pneumokokken ausgelöst. Auch Mischinfektionen sind häufig.

Die Keimausbreitung kann auch auf dem Blutweg im Rahmen einer Blutvergiftung (Sepsis) erfolgen.

20 Prozent der Betroffenen sind Diabetiker. Andere Faktoren, die eine Pleuritis begünstigen sind:

  • Immunsuppression: Ein Vorgang, der immunologische Prozesse unterdrückt, wie es zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen, nach Gewebs- oder Organtransplantationen oder bei starken allergischen Reaktionen der Fall sein kann.
  • Aspiration: Eindringen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege.
  • Folge chirurgischer Eingriffe im Brustbereich oder am Herzen (z.B. Bypass-Operationen).
  • Verletzung des Brustkorbs (Thoraxtrauma): Z.B. Rippenbruch oder Organverletzung durch Gewalteinwirkung.
  • Die früher sehr häufige von Tuberkulose verursachte Rippenfellentzündung ist heute selten geworden. Sie entsteht etwa sechs bis zwölf Monate nach der Tuberkuloseinfektion.

Folgende Erkrankungen stehen häufig mit einer Rippenfellentzündung im Zusammenhang und können eine verursachen: Erkrankungen der Atmungsorgane, Lungeninfarkt, Lungenembolie, Virusinfektionen (z.B. Grippe, Herpes), Infektionen durch Pilze oder Parasiten, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Abszesse in Leber und Nieren, Tumore in Lunge, Rippenfell oder Brust, rheumatische Erkrankungen.

 

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Diagnose

 

Bei Verdacht auf eine Rippenfellentzündung stehen zur Abklärung der Beschwerden folgende Diagnosemittel zur Verfügung:

  • Anamnese (Patientengespräch über die Beschwerden und die Krankheitsgeschichte)
  • Klinische (körperliche) Untersuchung
  • Radiologische Verfahren: Röntgen, Ultraschall, Computer-Tomografie (CT) und Magnetresonanz-Tomografie (MRT)
  • Laboruntersuchungen (das Blutbild gibt Aufschluss über Entzündungen)
  • Punktion (Gewebsentnahme mittels einer Nadel) des Rippenfells: Bei Verdacht auf einen Pleuraerguss (feuchte Form der Rippenfellentzündung) kann zu Diagnosezwecken eine Punktion nötig sein, um die Flüssigkeitsansammlung zu untersuchen.
  • Bei Verdacht auf Krebs als Auslöser der Rippenfellentzündung (vor allem Brustkrebs und Bronchialkarzinome kommen in Betracht) wird eine Gewebsentnahme (Biopsie) durchgeführt.

Da Rippenfellentzündungen zumeist Manifestationen oder Komplikationen anderer Erkrankungen sind, ist die Diagnose oft schwierig und aufwendig. „Die richtige Diagnose und die richtige Therapie ist eine Herausforderung, die auf einer guten interdisziplinären Zusammenarbeit beruht“, erklärt Prim. Dr. Josef Bolitschek, Leiter der Abteilung für Lungenheilkunde am Landes-Krankenhaus Steyr und am Krankenhaus der. Elisabethinen Linz.

 

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Therapie

 

Bleibt eine Rippenfellentzündung ohne Behandlung, kann dies zu dauerhaften Schäden führen (z.B. kann sich das Atemvolumen reduzieren), im Falle eines unbehandelten eitrigen Ergusses besteht sogar Lebensgefahr. Da eine Rippenfellentzündung meist durch eine andere Erkrankung verursacht wird, muss auch die Grunderkrankung behandelt werden. Die Pleuritis selbst ist nicht ansteckend.

Für die Therapie stehen Antibiotika, Schmerzmittel, hustenstillende Mittel und Atemübungen zur Verfügung.

Punktion: Falls erforderlich, müssen Flüssigkeitsansammlungen zwischen dem Lungenfell und dem Brustfell mittels Punktion entfernt werden. Eine Punktion des Rippenfells kann also nicht nur für die Diagnose, sondern auch als Therapie eingesetzt werden, um den Patienten von der Flüssigkeitsansammlung, die z.B. Atemnot hervorrufen kann, zu befreien. Das Ablassen eines Ergusses durch eine Punktion ist sinnvoll, wenn der Erguss so groß ist, dass die Lunge bedrängt wird und die Atmung nicht mehr richtig funktioniert.

Findet man Eiter im Punktat, muss eine Drainage gelegt werden. „Freier Eiter im Lungenraum ist eine lebensbedrohliche Erkrankung und muss mittels Breitbandantibiotika, einer Drainage und – bei fehlender Besserung – chirurgisch behandelt werden. Letzteres betrifft 15 bis 20 Prozent der Fälle, in denen Eiter gefunden wurde“, erklärt Bolitschek.

In Kombination mit antibiotischer Therapie können fibrinolytische Substanzen (sie führen zu einer Verflüssigung des Pleuraergusses) zu einem rascheren Behandlungserfolg führen oder die Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention verringern.

 

Wird die Brustfellentzündung korrekt und frühzeitig behandelt, heilt sie in den meisten Fällen ohne Komplikationen wieder aus. Patienten sollten sich schonen und keine anstrengenden Tätigkeiten ausführen, bis die Entzündung vollständig ausgeheilt ist. Durch regelmäßige Untersuchungen des Blutes lässt sich der Heilungsverlauf kontrollieren. Zudem zeigen Kontrolluntersuchungen mögliche Komplikationen auf.

 

Dr. Thomas Hartl

April 2014

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015