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Fazialisparese: Das Gesicht streikt

Frau greift sich ins GesichtDie Lähmung des Gesichtsnervs, die Fazialisparese, ist eine der häufigsten Nervenverletzungen, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Sie kann jeden Menschen treffen und tritt plötzlich auf. Da einige Symptome einem Schlaganfall ähneln, sollten Betroffene rasch in der Klinik untersucht werden.

Der Gesichtsnerv (Nervus facialis) ist der siebte von zwölf Hirnnerven und für die mimische Muskulatur zuständig. Er versorgt einen Teil der Speicheldrüsen sowie die Tränendrüsen. Darüber hinaus versorgt er vor allem den vorderen Bereich der Zunge und deren Geschmacksknospen. Ist der Nerv geschädigt, funktioniert all das nicht mehr oder fällt zum Teil aus.

Unterschiedliche Lähmungen

Unterschieden wird die Fazialisparese in eine zentrale, periphere und eine idiopathische Lähmung, so die dpa.

Die zentrale Parese entsteht durch eine Verletzung im Gehirn. „Grund kann ein Schlaganfall sein, aber auch eine Schädelverletzung, ebenso Tumore oder Entzündungen im Gehirn“, nennt OA Dr. Günther Thayssen, Neurologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, einige Beispiele.

Bei der peripheren Parese ist ein Teil des Nervs betroffen.

Von einer idiopathischen Parese sprechen die Mediziner, wenn sich keine Ursache finden lässt. Das ist bei etwa zwei Drittel der Erkrankungen der Fall. Sie kommt meist aus heiterem Himmel und kann jeden Menschen treffen.

Ähnliche Symptome wie beim Schlaganfall

Dass viele Betroffene sofort an einen Schlaganfall denken, ist kein Wunder. Meist tritt die Lähmung einseitig auf: Stirnrunzeln oder Naserümpfen ist kaum möglich, das Augenlid kann nicht geschlossen werden und der Mundwinkel hängt herab. „Manch einer hat Missempfindungen an der Wange oder ein Druckgefühl am Ohr“, berichtet Prof. Josef G. Heckmann von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin der dpa. Wer diese Symptome feststellt, sollte umgehend den Notarzt rufen.

Ausschlussdiagnose

Ärzte untersuchen zuerst, ob der Patient einen Schlaganfall hatte. Ist das nicht der Fall, werden etwaige Verletzungen, Tumore oder Blutungen im Hirn gesucht. Dazu wird der Patient einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) unterzogen. Es werden unter anderem Muskeln getestet, ein Blutbild gemacht, Nerven auf ihre Erregbarkeit getestet und nach Störungen im Ohr geforscht.

„Ebenso wird Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit bei einer Lumbalpunktion entnommen und untersucht“, erklärt Heckmann. So könne man Bakterien, Tumorzellen oder Entzündungen auf die Spur kommen. Die Lähmung kann Folge einer Borreliose oder einer Infektion mit dem Herpes-zoster-Virus wie bei einer Gürtelrose sein.

Wird nichts gefunden, heißt das noch lange nicht, dass die Parese keinen Grund hat. „Es wird unter Experten diskutiert, ob ein reaktiviertes Herpes-simplex-Virus die Lähmung auslösen kann“, sagt Heckmann. Wahrscheinliche Ursache sei eine Entzündung in einem Teil des Nervs, die zu einem Ödem im Nervenkanal führt.

Behandlung erforderlich

Die Fazialisparese muss behandelt werden: Kann das Lid nämlich nicht geschlossen werden, trocknet die Hornhaut des Auges aus und kann sich entzünden. Über Nacht werde das Auge durch einen Uhrglasverband geschützt, sagt Heckmann. Überdies müssen etwa zehn Tage lang Kortisonmedikamente eingenommen werden, wobei die Dosis mit zweimal 25 Milligramm am Tag laut Heckmann recht gering ist. „80 Prozent der idiopathischen Fazialisparese bilden sich binnen einiger Wochen vollständig zurück“, sagt Thayssen.


Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Foto: APA

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020