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Schleimbeutelentzündung: Pufferzone

Studentin stützt sich mit den Ellenbogen beim Lernen am Tisch abEgal, ob man sie medizinisch Bursitis oder umgangssprachlich „Studentenellenbogen“ nennt: Eine Schleimbeutelentzündung entsteht durch zu viel Druck oder Verletzungen, schmerzt, ist aber gut behandelbar. Am besten ist natürlich, man lässt es gar nicht erst so weit kommen.

 

Ein Schleimbeutel ist ein mit Flüssigkeit gefülltes Säckchen. Wozu der Mensch ihn braucht, erklärt Dr. Klaus Kirschbichler, Oberarzt an der orthopädischen Abteilung am Landeskrankenhaus Gmunden: „Schleimbeutel gibt es dort, wo Gewebe aneinandergeraten und hoher Druck oder Belastung entsteht, etwa in den großen Gelenken. Schleimbeutel haben eine Gleit-, Puffer- und Schutzfunktion. In der Schulter etwa schützen sie Muskeln und Knochen, damit diese nicht aneinander reiben, und reduzieren die Stoßwirkung. Im Knie sorgen sie dafür, dass Sehnen darüber gleiten können und es darunter zu vermindertem Druck kommt.“

 

Mehr als 25 Schleimbeutel hat der Mensch von Geburt an in seinem Körper. Im Lauf des Lebens kann er einen Schleimbeutel „erwerben“. Und zwar dort, wo zusätzliche Belastungen entstehen, etwa wenn man sich permanent mit dem Unterarm auf eine Tischkante lehnt. Auf Verletzungen, erhöhten Druck oder Dauerbelastung reagiert der Schleimbeutel mit einer Entzündung – der Bursitis. Dazu Dr. Kirschbichler: „Eine Schleimbeutelentzündung im Knie zum Beispiel entsteht durch Überlastung beim Sport. Treffen kann es etwa Fußballer oder Ringer, die wiederholt Schläge auf die Kniescheibe erhalten.“ Die Entzündung macht sich zuerst als brennendes reibendes Gefühl bemerkbar, dann kommen Schmerzen, Rötung, eine Schwellung des Knies und Überwärmung dazu.

 

„Typisch für einen entzündeten Schleimbeutel in der Schulter sind schnell zunehmende Schmerzen vor allem in der Nacht“. Und im Ellenbogen kann eine Bursitis dann auftreten, wenn man sich ständig aufstützt und – zum Beispiel zur besseren Konzentration während Vorlesungen an der Uni – die Hände als Kopfablage nutzt. Das erklärt auch, warum diese Schleimbeutelentzündung „Studentenellenbogen“ genannt wird. Eine Bursitis können aber nicht nur Sportler oder Studierende bekommen. „Gefährdet sind auch Menschen, die anstrengende manuelle Tätigkeiten wie Schaufeln, Gärtnern oder Fliesenlegen verrichten“, sagt der Experte. Seltener entsteht eine Bursitis durch eine Infektion. „Bei einer Verletzung dringen Bakterien in den Schleimbeutel ein, der sich dann entzünden kann. Im Gegensatz zu einer Bursitis, die durch Überlastung entstanden ist, kommt es bei einer bakteriellen Entzündung schneller zu einer Schmerzsymptomatik mit Schwellung, Rötung und Überwärmung“, erklärt der Orthopäde.

 

Kühlen und schonen

Behandelt wird eine Schleimbeutelentzündung zunächst einmal, indem man die schmerzende Stelle kühlt, schont und gegebenenfalls entzündungshemmende Medikamente einnimmt. „Allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum“, betont Dr. Kirschbichler. „Tritt keine Besserung ein, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dann kann eine Bursitis mit Laser, Ultraschall, Infiltrationen oder – wenn Bakterien die Ursache waren – auch mit einem Antibiotikum geheilt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Gelenk versteift, da es ja zu wenig bewegt wird.“

 

Die gute Nachricht am Schluss: Einer Schleimbeutelentzündung kann sehr gut vorgebeugt werden. Oberarzt Kirschbichler: „Beim Sport sollte so trainiert werden, dass eine Überlastung vermieden wird. Zudem können spezielle Bandagen oder Einlagen verwendet werden. Menschen, die oft körperlich schwere Arbeiten verrichten, sollten Knie- oder Ellenbogenschützer tragen. Und bei Verletzungen sollte die Wunde desinfiziert und verbunden werden. Damit haben Bakterien keine Chance, in den Schleimbeutel vorzudringen.“

 

Cornelia Schobesberger

Juni 2014

 

Foto: shutterstock, privat

 

Kommentar

Kommentarbild von Dr. Klaus Kirschbichler zum Printartikel „Zu den Ursachen einer Schleimbeutelentzündung zählen in den meisten Fällen Überlastungen, selten ist eine Infektion daran schuld. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sie sich fast immer verhindern.“
Dr. Klaus Kirschbichler
Oberarzt an der Abteilung Orthopädie am LKH Gmunden

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020