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Meniskus-Verletzungen durch Sport und Abnützung

Frau hält sich das KnieDer Meniskusschaden ist eine der häufigsten Verletzungen beim Sport. Aber auch der bloße Verschleiß kann mit den Jahren Beschwerden mit sich bringen. Operationen erfolgen nur bei symptomatischen Rissen, wobei versucht wird, soviel Meniskus wie möglich zu erhalten.

 

Am inneren und äußeren Rand des Knies befindet sich jeweils ein Meniskus. Beide bestehen aus festem Faserknorpel und sind wie der Buchstabe C geformt. Menisken befinden sich zwischen Schienbeinknochen und Oberschenkelknochen. Der Innenmeniskus ist mit dem Innenband verwachsen und anfälliger für Verletzungen.

 

Funktion

 

Die Menisken verhindern, dass der Oberschenkelknochen direkt auf den Unterschenkelknochen trifft und schaffen eine Art schützende Polsterung. Sie sind Stoßdämpfer gegenüber den Kräften, die auf das Knie wirken. Sie übertragen die Last vom Ober- auf den Unterschenkel, verteilen Druck auf den Gelenkoberflächen und federn Stöße ab. Zudem stabilisieren sie das Knie während der Bewegung. Die Menisken wandern bei der Beugung des Knies nach hinten und bei der Streckung des Knies nach vorne. Sie bewegen sich dabei  rund einen Zentimeter vor und zurück.

„Den Menisken ist es zu verdanken, dass die Kniegelenke enorme Belastungen vertragen, ohne dass es dabei gleich zu Verletzungen kommt. Zu Schädigungen kommt es jedoch oft dann, wenn die Krafteinwirkungen schräg oder verdreht erfolgen, dann können schon kleine Belastungen zu Meniskusverletzungen führen“, erklärt Dr. Markus Wipplinger, Facharzt für Unfallchirurgie und Sportarzt in der Klinik Diakonissen in Linz.

 

Symptome

 

Schmerzen sind das Leitsymptom bei einem Meniskusschaden. Sie treten vor allem bei Drehbewegungen und beim Beugen an der Innen- und Außenseite des Knies auf. Ist der Meniskus gerissen, tritt meist ein plötzlicher starker Schmerz auf. Manchmal werden die Schmerzen aber auch anfangs nur unbestimmt als unangenehm wahrgenommen. Schmerzen im Knie müssen jedoch nicht vom Meniskus stammen, auch andere Verletzungen (z.B. Bänderriss) sind möglich.

Folgende Symptome können zusätzlich auftreten:

  • Häufig kommt es auch zu Schwellungen und Überwärmungen im Kniebereich.
  • Besteht ein frischer Riss, kommt es zu einer Blutung im Knie, zu erkennen an Blutergüssen.
  • Blockierung des Kniegelenks: Das Bein lässt sich nicht mehr komplett ausstrecken. Läufer mit Verletzungen am Meniskus spüren mitunter ein schmerzhaftes Durchsacken beim Auftreten und ein Gefühl des Eingeklemmt-Seins im Kniegelenk, also eine Gelenkblockade.
  • eine Meniskusverletzung kann durch ein „Knacksen“ im Knie hörbar sein.


Diese Beschwerden können je nach Art und Ausmaß der Verletzung manchmal stärker, manchmal schwächer ausgeprägt sein. Bei leichteren, unkomplizierten Verletzungen treten mitunter auch gar keine Beschwerden auf.

 

Ursachen

 

Eine Verletzung des Meniskus ereignet sich häufig beim Sport. Es kann jedoch bei jeder Bewegung passieren, dass der Meniskus gequetscht wird, einreißt oder ganz abreißt. Auslöser ist meist eine Kombination von Rotationsbewegung und Beugebewegung. Gefährlich ist also eine Drehbewegung des Körpers bei feststehendem Fuß und gebeugtem Kniegelenk. Erfolgt eine plötzliche Drehbewegung mit abruptem Bewegungsstopp, ist die Druckbelastung für die Menisken oft so groß, dass daraus eine Verletzung resultiert.

 

  • Alterungsprozess: Der Meniskus nützt sich mit den Jahren ab, Degenerationserscheinungen treten auf. Egal ob Treppensteigen oder Joggen, der Meniskus wird bei jedem Schritt beansprucht und verschleißt mit der Zeit, meist unmerklich, aber stetig. Manchmal genügt dann bereits eine alltägliche Bewegung, etwa das Aufstehen aus einem tiefen Sofa oder aus der Hocke, um eine Verletzung auszulösen. Manchmal verursachen Abnützungsschäden keine Beschwerden, es kann jedoch auch nötig sein, diese zu behandeln und manchmal auch zu operieren.
    „Liegt ein degenerativer Meniskus-Schaden vor, sollte man ihn nicht leichtfertig übergehen. Behandelt man ihn gar nicht, steigt die Gefahr, dass er seine Funktion als Stoßdämpfer verliert und dass eine Kniearthrose eintritt“, sagt Wipplinger.
  • Sport: Alle Sportarten, die das Knie mit schnellen Bewegungen belasten, stellen ein Risiko dar. Generell sind alle Ballsportarten in diesem Sinn gefährlich, da sie ruckartige Stopp-and-Go-Bewegungen erfordern. Auch Skifahren belastet den Meniskus, da hier erhebliche Kräfte freiwerden und auf das Knie einwirken.
  • Begleitverletzung: Häufig ist ein Meniskusriss auch Folge einer anderen Verletzung. Reißt beim Skifahren oder Fußballspielen das Kreuzband, wirkt auf den Meniskus ein Überdruck, der diesen verletzt.
  • Angeborene Fehlformen der Menisken, aus denen Verletzungen resultieren könnten, sind sehr selten.


Diagnose

 

Sind Schmerzen im Knie vorhanden, sollte abgeklärt werden, woher die Schmerzen stammen und ob eine Behandlung nötig ist. Das kann bei Orthopäden, Sportärzten und Unfallchirurgen durchgeführt werden. „Der Patient selbst kann nicht herausfinden, ob eine Operation nötig ist oder nicht, da bedarf es eines Fachmannes“, so Wipplinger.

Die Diagnose erfolgt in der Regel aufgrund eines klinischen Rotationstests: Bei Bewegung und Rotation des Unterschenkels macht sich ein verletzter Meniskus schmerzhaft bemerkbar. „Durch eine Magnetresonanztomografie lässt sich die Art des Meniskusschadens exakt darstellen. Ein Röntgen kann den Meniscus nicht darstellen“, so Wipplinger. Eine Arthroskopie (Kniespiegelung: eine kleine Kamera wird dabei unter die Haut gebracht) erlaubt einen Blick ins Innere des Kniegelenks und ermöglicht zusätzlich einen sofortigen therapeutischen Eingriff.

 

Behandlung

 

Bei akutem Meniskusschaden lindert eine schnelle Kühlung (mit Eispackungen) Schmerz und Schwellung. Kniebandagen stabilisieren den verletzten Bereich. Meist werden auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente und Salben verabreicht.

Meniskusprobleme können konservativ oder chirurgisch therapiert werden. Konservativ bedeutet, dass Einrisse oder stabile Risse zuerst durch Abschwellung des Beines/Knies und später durch Training und Schulung beim Physiotherapeuten stabilisiert werden. In diesen Fällen wird auf funktionelles Muskeltraining Wert gelegt, das Gangbild wird analysiert, das Gleichgewicht geschult und Blockaden gelöst.

Meniskusrisse werden in bestimmten Fällen operiert, in anderen wiederum nicht. „Das kommt auf die Art des Risses an. Kleine, stabile Risse müssen nicht operiert werden. Ist der Riss dagegen komplex, reißt er zum Beispiel in Lappenform ein, dann verliert er seine Funktion und er zwickt im Gelenk ein. Solche Risse sollte man operieren“, sagt der Linzer Chirurg.

Bei jeder Operation wird versucht, den Meniskus so weit wie möglich zu erhalten. In vielen Fällen ist dies auch möglich. Der Chirurg näht in diesen Fällen den verletzten Meniskusteil wieder an die Meniskusbasis an, wobei er ein spezielles Nahtsystem benützt.

Ist der Meniskus komplex gerissen und ein Nähen dadurch nicht möglich, wird er zum Teil entfernt. Ziel ist es, möglichst viel Meniskusgewebe zu erhalten. Der Nachteil einer gänzlichen Entfernung: Ohne den dämpfenden Meniskus wird künftig ein größerer Druck auf das Knie herrschen und es wird schneller altern als mit funktionierendem Meniskus.

 

Implantate

 

Wird ein Meniskus entfernt, besteht die Möglichkeit eines Implantates. Dieses kann ein menschlicher Meniskus sein, der transplantiert wird, oder ein künstlicher Meniskusersatz. „Diese Möglichkeiten sind allerdings begrenzt, sie sind nicht für jedermann geeignet“, sagt Wipplinger. Für aktive Leistungssportler eignet sich ein Implantat nicht, da Maximalbelastungen des Knies nach so einer Operation nicht mehr möglich sind.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2014

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020