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Hexenschuss und Ischias

Mann hält sich den RückenWenn der Rücken schmerzt, kann das viele verschiedene Ursachen haben. Häufige Schmerzauslöser sind der sogenannte Hexenschuss und der Ischias-Nerv. Beide ähneln sich, doch anders als der Hexenschuss schießt der Ischiasschmerz ins Bein und in den Fuß.

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen. „Je nach Studie haben 25 bis 40 Prozent aller Menschen aktuell Rückenschmerzen. Das ist eine ungeheuer große Zahl. Fast jeder zweite oder dritte Mensch, der einem auf der Straße begegnet, hat also Schmerzen“, sagt Primar Dr. Peter Pauly, Leiter des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am LKH Vöcklabruck

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Hexenschuss

Darunter versteht man einen Schmerz, der manchmal wie aus heiterem Himmel einfährt. Er wird ausgelöst, indem eines (oder mehrere) der kleinen Gelenke zwischen den Wirbeln (Facettengelenke) hängen bleibt. Die blockieren dann, wodurch sich die Muskeln zusammenziehen und damit einen Nerv bedrängen oder einklemmen. Betroffen von der Gelenksblockade ist meist die Lendenwirbelsäule, also der untere Rücken. Auch die Halswirbelsäule ist häufig betroffen, die Brustwirbelsäule dagegen seltener.

Durch die Schmerzen spannen sich die Muskeln noch weiter an, wodurch die Schmerzen wiederum andauern und stärker werden. Löst sich die Situation nicht auf (entweder geschieht das durch Therapie oder auch von selbst), beginnt häufig ein Teufelskreis, der zu chronischen Schmerzen führen kann.

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Symptome

Beschwerden sind: Massive, einschießende Schmerzen, daraus folgend Muskelhartspann, verminderte Beweglichkeit (oft kann man sich kaum bewegen, vor allem das Aufrichten fällt schwer). Ziehen sich die Muskeln sehr stark zusammen, kann das auf Nervenwurzeln drücken, was wiederum starke Schmerzen verursachen und auch Nervenwurzeln schädigen kann.

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Ursachen

Einerseits ist die Wirbelsäule einem natürlichen Alterungsprozess unterworfen, wodurch es infolge von Abnützung zu Gelenksblockaden kommen kann. Typischerweise treten diese Beschwerden ab dem mittleren Lebensalter auf. Andererseits ist der Lebensstil mit ursächlich, ob und wann es zu Problemen kommt. Mangelnde Muskulatur, schlechte Haltung, sitzende Lebensführung und Übergewicht erhöhen das Risiko einer Degeneration bzw. Schädigung des Bewegungsapparates mitsamt der Wirbelsäule und der umliegenden Bänder, Sehnen und Muskeln.

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Diagnose

Eine ausführliche klinische Untersuchung ist Voraussetzung einer korrekten Diagnose. Die klinische Untersuchung ist bei einem banalen Hexenschuss meist ausreichend, um zu einer Diagnose zu kommen. Weitere Abklärungen und Befunde sind in diesen Fällen in der Regel nicht nötig.

In manchen Fällen ist eine weitere Abklärung (auch mit Bildgebungsverfahren wie Magnetresonanz) nötig. Und zwar wenn

  • die Beschwerden nicht abklingen,
  • das Problem wiederkehrend auftritt,
  • eine Nervenwurzel komprimiert ist,
  • ein psychosoziales oder ein rheumatisches Problem zugrunde liegt.

Treten gar Lähmungserscheinungen auf, muss rasch gehandelt werden, um schwere Schäden zu vermeiden. Bei fortschreitenden Lähmungen wird in der Regel operativ eingegriffen.

Erste Anlaufstelle ist zumeist der Hausarzt oder ein Facharzt. „Bei chronischen Schmerzen sollte man ein multidisziplinäres Zentrum aufsuchen. Fehldiagnosen sind häufig. Wichtig ist es, dass man keine Schädigung von Nervenwurzeln übersieht“, sagt der Schmerzspezialist.

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Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Symptomen und Verlauf des vorliegenden Problems. Der Grundsatz lautet: Das richtige Maß zum richtigen Zeitpunkt. Nicht zu früh zuviel therapieren (nicht vorschnell operieren!), aber auch nicht zu lange untätig abwarten.

Liegt ein bloßer Hexenschuss zugrunde, wird eine Schmerztherapie eingeleitet. Die Beschwerden sind in der Regel nach 14 Tagen verschwunden oder zumindest deutlich reduziert. „Man sollte keine lange Bettruhe einhalten und nach Abklingen der Schmerzen möglichst aktiv werden. Die Einleitung einer konsequenten und qualifizierten Physiotherapie ist sinnvoll, auch Rückentraining und Sport haben eine wesentliche Bedeutung für die erfolgreiche Behandlung und Prophylaxe“, sagt Pauly.

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Ischias vs. Hexenschuss

Vom Hexenschuss zu unterscheiden ist die sogenannte Ischialgie (auch Ischias-Syndrom oder einfach Ischias genannt). Bei Ischias liegt eine radikuläre (von der Nervenwurzel ausgehende) Schmerzausstrahlung von der Lendenwirbelsäule in das Bein vor. Häufig ist der unterste Wirbelbereich L5/S1 betroffen. Im Unterschied dazu beschränken sich die Schmerzen bei Hexenschuss meist auf den unteren Rücken, ohne ins Bein auszustrahlen. Es gibt allerdings auch Übergangsformen zwischen Hexenschuss und Ischias.

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Ischias – Symptome

Ischias ist ebenso wie der Hexenschuss gekennzeichnet von heftigen Schmerzen. Diese ziehen meist von der Lendenwirbelsäule über das Gesäß und die Rückseite der Oberschenkel bis zum Knie, oder weiter bis in den Fuß – soweit der Nerv eben reicht. Häufig ist ein gereizter Nerv schuld an den Schmerzen. Auch Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle, Kribbeln bis hin zu Lähmungserscheinungen sind möglich.

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Ursachen

Der Ischiasnerv ist der längste und dickste Nervenstrang im menschlichen Körper. Ischiasschmerzen können durch einen Bandscheibenvorfall, durch chronisch-degenerative Veränderungen (z.B. Verengung des Wirbelkanals) oder durch muskuläre Verspannungen im unteren Rücken verursacht werden. Auch Entzündungsprozesse am Nerven und neurologische Erkrankungen können eine Rolle spielen.

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Diagnose und Therapie

Wie auch beim Hexenschuss ist Grundlage einer Ischias-Diagnose die körperliche Untersuchung. Es gibt verschiedene Tests, ein Teil dieser Untersuchung ist der sogennante Lasègue-Test. Dabei wird das gestreckte Bein langsam angehoben. Ist der Ischiasnerv Ursache der Probleme, tritt ein Dehnungsschmerz auf, der bis in die Füße ausstrahlt.

Röntgen, Computertomografie und Kernspintomographie können den Verdacht bestätigen oder andere Ursachen ausschließen.

Zumeist werden schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, Nervenblockaden, und eine Reihe physikalischer Maßnahmen und Physiotherapien eingesetzt. Die Erkrankung ist in 80 Prozent der Fälle ohne Operation erfolgreich behandelbar, die Beschwerden verschwinden zumeist nach mehreren Wochen. In seltenen schweren Fällen (vor allem bei Lähmungserscheinungen) kann auch eine Operation an der Wirbelsäule nötig werden. Bevor man diesen Schritt durchführt, sollte man den Rat eines zweiten Experten einholen, eine Operation sollte nur das letzte Mittel sein.

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Vorbeugung

Um Problemen mit dem Rücken vorzubeugen, ist eine aktive Lebensführung wichtig: Bewegung, Sport, gezieltes Muskeltraining und Muskeldehnung. Ebenso eine aufrechte Körperhaltung, anatomische (körpergerechte) Stühle verwenden, Normalgewicht anstreben.

Diese Maßnahmen gelten auch nach einer Ischias- oder Hexenschuss-Therapie, um den Rücken zu stabilisieren und um weitere Vorfälle zu verhindern. Auch die Absolvierung einer Rückenschulung ist sinnvoll.

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Problem Dauerschmerz

Tritt während der Schmerztherapie keine Besserung ein, folgt eine weitere Abklärung. In diesen Fällen gestaltet sich die Diagnose und Behandlung oft schwierig, vor allem wenn keine hinreichende Erklärung für die Beschwerden gefunden wird. „Das Problem sind die chronischen Schmerzpatienten. Menschen mit Dauerschmerzen büßen ihre Lebensqualität ein, werden oft berufsunfähig, Beziehungen und Familien zerbrechen daran“, so Pauly.

Rückenschmerzen verursachen, verglichen mit allen anderen Diagnosen, weltweit die höchsten medizinischen Kosten. Die Behandlung chronischer Rückenschmerzen ist sogar teurer als alle Tumorbehandlungen zusammen. Fünf Prozent der chronischen Schmerzpatienten verursachen 80 Prozent der Gesamtkosten im Bereich der Physikalischen Medizin. Da die Behandlungen oft keinen Erfolg bringen, setzt Doctor-Shopping ein, also das Laufen von einem Arzt zum nächsten.

Bei Rückenschmerzen ist es daher wichtig, die Symptome und die Ursachen möglichst schnell zu klären und zu behandeln, um eine Schmerz-Chronifizierung zu verhindern.


Dr. Thomas Hartl

Juli 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020