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Myome: Weiblichkeit erhalten

Frau krümmt sich und sitzt am BettMyome sind gutartige Tumoren und treten in der Gebärmutter sehr häufig auf. Bereiten sie Probleme, kann man sie in vielen Fällen schonend beseitigen. Eine Entfernung der Gebärmutter sollte die letztmögliche Alternative sein.

Die Gebärmutter ist ein wichtiges Geschlechtsorgan im weiblichen Körper. Ohne Gebärmutter ist es nicht möglich, Kinder zu bekommen. Neben dieser primären Aufgabe kommt ihr auch psychische Bedeutung zu, denn die Gebärmutter symbolisiert für viele Frauen nicht nur Mutterschaft, sondern Weiblichkeit schlechthin.

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Myome sehr häufig

Etwa die Hälfte aller Frauen entwickelt bis zum Beginn der Wechseljahre Myome. Vor allem Frauen um das 40. Lebensjahr sind betroffen. Myome sind gutartige, hormonell gesteuerte Wucherungen (Tumoren), die in der Muskelschicht der Gebärmutter wachsen. Die Diagnose lautet in diesen Fällen „Uterus myomatosus" – womit eine vergrößerte Gebärmutter infolge mehrerer Myome im Uterus gemeint ist. Solange sie keine Beschwerden verursachen, ist eine Behandlung nicht notwendig – auch nicht während einer Schwangerschaft.

In früheren Jahren wurde bei Myombefall meist die gesamte Gebärmutter entfernt (Fachbegriff: Hysterektomie). Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Es wurden schonendere und vor allem organerhaltende Verfahren entwickelt und auch zunehmend angewandt.

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Entfernung der Gebärmutter meist nicht nötig

„Es ist heute keineswegs mehr zwingend, die Gebärmutter bei durch Myome verursachten Beschwerden gänzlich oder zum Teil zu entfernen“, sagt Prim. Doz. Dr. Peter Waldenberger, Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Im Gegenteil setzt sich die Ansicht durch, dass eine Entfernung mehr die Ausnahme denn die Regel sein sollte.

Der Verlust der Gebärmutter ist nach wie vor eine reale Bedrohung für viele Frauen. „Leider ist die Hysterektomie immer noch der häufigste gynäkologische Eingriff. In nur zehn Prozent der Fälle ist ein lebensbedrohliches Krebsleiden der Grund für eine solche Operation. Die meisten Eingriffe erfolgen wegen der Beschwerden, die Uterusmyome verursachen. Diese Operationen wären in vielen Fällen jedoch nicht nötig“, erklärt Primar Waldenberger und spricht sich für schonendere Alternativen aus.

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Weiblichkeit erhalten

Wird die Gebärmutter entfernt, stellt sich oft eine innere Leere ein. „Es gibt dramatische Erfahrungsberichte, die zeigen, dass viele Frauen mit dem Verlust dieses bezeichnend weiblichen inneren Organs nicht zu recht kommen. Schock, Trauer und Wut stellen sich ein. Oft realisieren Frauen erst nach einer Operation ihren Verlust und wollen ihn nicht wahrhaben. Das Schreckgespenst ist nicht die Operation an sich, sondern das Gefühl des Verlusts eines wichtigen Organs, das Weiblichkeit symbolisiert. Man sollte daher, wenn möglich, ein organerhaltendes Verfahren zur Myomentfernung wählen“, erklärt Waldenberger.

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Verschiedne Behandlungsoptionen

Myome können auch dazu führen, dass eine Befruchtung und damit eine Schwangerschaft verhindert werden. Verursachen Myome Schmerzen, verstärkten Harndrang oder verstärkte Blutungen, gibt es je nach Größe, Lage und Anzahl der Myome verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

  • Medikamentöse Therapie,
  • nicht-operative, minimal-invasive Eingriffe: Myomembolisation,
  • fokussierter Ultraschall,
  • operative Eingriffe: Man unterscheidet minimal-invasive Eingriffe (hier wird Gebärmutter-erhaltend operiert) von Entfernungen der Gebärmutter (zum Teil oder zur Gänze). Je kleiner die Myome sind, umso eher kann minimal-invasiv operiert werden.

Im Vordergrund einer Behandlung steht im Falle eines (auch später möglichen) Kinderwunsches immer die Erhaltung der Gebärmutter.

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Medikamentöse Therapie an erster Stelle

„Das Mittel der ersten Wahl ist immer die medikamentöse Therapie. Nur wenn Medikamente nicht ansprechen, kommen andere Verfahren in Betracht“, sagt Waldenberger. Der in den Tabletten enthaltene Wirkstoff Ulipristalacetat soll dafür sorgen, dass das Hormon Progesteron, das für das Wachstum von Myomen sorgt, nicht weiter in die Myomzellen gelangt. Dadurch soll das Wachstum gestoppt und das Myom zum Schrumpfen gebracht werden. Gelingt dies, werden die Blutungen geringer und die Schmerzen nehmen ab. Die Tablettentherapie ist rezeptpflichtig und erfolgt durch einen Facharzt für Frauenheilkunde (Gynäkologen).

Bringt eine medikamentöse Behandlung keinen Erfolg oder ist sie nicht indiziert, dann kommen eine Embolisation oder ein anderes minimal-invasives Verfahren in Betracht.

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Embolisation

Seit einigen Jahren gilt die (organerhaltende) Embolisatation als patientenfreundlicher, kostengünstiger und wissenschaftlich gesicherter Eingriff, um Myome zu entfernen. Durch eine erfolgreiche Embolisation kann eine Entfernung der Gebärmutter verhindert werden. Eine Embolisation ist ein nicht-operativer Eingriff, der von einem Interventionellen Radiologen in Regional- oder Allgemeinanästhesie durchgeführt wird.

Bei einer Embolisation wird ein Katheter über die Leistenarterie bis in das zuleitende Gefäß des Myoms geschoben. Ist diese Arterie erreicht, werden kleine Plastikkugeln in das Blut zuführende Gefäß eingespritzt, welches dadurch verstopft wird (embolisieren, das heißt verschließen). Die Durchblutung der Myome wird dadurch gestoppt. Wird den stark durchbluteten Myomen die Blutzufuhr entzogen, schrumpfen sie und die Beschwerden gehen zurück.

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Ultraschall

Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung von Myomen bei bestehendem Kinderwunsch ist der so genannte fokussierte Ultraschall. Bei diesem Verfahren werden hochfrequente Schallwellen auf das Myom gelenkt, welche das Gewebe zum Absterben bringen. Das Verfahren dauert drei bis vier Stunden und wird in Analgosedierung (Kurzzeitbetäubung mit Schmerztherapie) durchgeführt.

„Fokussierter Ultraschall ist eine Kombination aus Ultraschall und Magnetresonanz, die Methode kommt nur bei kleineren Myomen in Frage“, sagt Waldenberger. Der Vorteil: Da es sich um keine Operation handelt, kann es zu keiner Narbenbildung an der Gebärmutter kommen. In Österreich steht jedoch nur ein Gerät (in Wien) zur Verfügung.

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Entfernung der Gebärmutter

In bestimmten Fällen ist nach wie vor die teilweise oder gänzliche Entfernung der Gebärmutter nötig. Dies ist der Fall, wenn der Abstrich auf Krebsverdacht hinweist. Aus den gutartigen Myomen können bösartige Formen entstehen. Dies ist jedoch nur äußerst selten der Fall. Eine Entfernung der Gebärmutter kann auch nötig sein, wenn das Myom sehr groß ist und dadurch massive Beschwerden verursacht. Denn Wucherungen können bis zu 20 Zentimeter anwachsen und zu schmerzhaften Blutungen, Krämpfen, Rücken- und Unterbauchschmerzen, Verstopfungen, Blähungen oder übermäßigem Harndrang führen.

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Information ist nötig

Auch heute noch werden an Frauen Gebärmutterentfernungen vorgenommen, ohne dass dies nötig wäre. Bei vielen von ihnen würde ein kleinerer Eingriff wie etwa eine Embolisation ausreichen. „Leider wird eine Entfernung von vielen Ärzten nach wie vor empfohlen. Frauen mit niedriger Bildung lassen den gravierenden Eingriff einer Gebärmutterentfernung doppelt so häufig durchführen wie Frauen mit hohem Bildungsgrad. Der Grund dafür ist, dass sich Frauen mit höherem Bildungsniveau selbst via Internet über mögliche Alternativen informieren und sich dann für eine Embolisation entscheiden“, sagt Waldenberger. Frauen sollten sich daher umfassend informieren und beraten lassen, welche Eingriffsmöglichkeiten bestehen, um Myome schonend und Organerhaltend zu entfernen.


Dr. Thomas Hartl

Juli 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020