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Gestationsdiabtes: Schwanger mit Zucker

Frau bei der Ultraschall-UntersuchungEr tritt meistens in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf, verschwindet nach der Geburt wieder, zeigt fast nie Symptome, wird aber trotzdem meistens entdeckt und ist sehr gut therapierbar. Unbehandelt allerdings kann Schwangerschaftsdiabetes schwere Folgen haben. 

Gestationsdiabetes, wie Mediziner diese Form der Zuckerkrankheit bezeichnen, tritt fast typischerweise in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf. „Insulin reguliert den Kohlenhydratstoffwechsel, indem es etwa den Blutzuckerspiegel senkt. Durch eine Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt der Frau. Das kann dazu führen, dass Insulin nicht mehr entsprechend wirkt“, erklärt Dr. Georg Obermayr, Oberarzt an der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe der Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz. 


Da er keine Symptome aufweist und auch keine Beschwerden verursacht, blieb Gestationsdiabetes früher oft unentdeckt und daher auch unbehandelt. Ist das der Fall, steigt die Glukose – also der Zucker – und geht über die Plazenta in das kindliche Blut über. Dr. Obermayr: „Das Ungeborene senkt den zu hohen Glukosespiegel mit Insulin und macht daraus Körperfett. Das ist der Grund, warum diese Babys groß und dick werden. Früher kam es auch vor, dass die Kinder aufgrund der Stoffwechselentgleisung entweder noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt starben.“


Zum Glück passiert das heute nicht mehr. Festgestellt wird Schwangerschaftsdiabetes mit dem sogenannten oralen Glukosetoleranztest, der seit ein paar Jahren auch Teil des Mutter-Kind-Passes ist. „Dabei wird der Blutzucker der Schwangeren untersucht: zuerst im nüchternen Zustand, dann eine Stunde nach der Einnahme von 75 Gramm Traubenzucker und nach einer weiteren Stunde noch einmal. Die Untersuchung des Zuckers im Harn ist leider zu ungenau“, so der Oberarzt. Hinweise auf „Zucker“ gibt auch eine Ultraschalluntersuchung, die zeigt, ob die Fruchtwassermenge oder das Ungeborene zu rasch zunimmt.


Ein bis zwei Prozent der werdenden Mamas in Österreich sind von dieser Stoffwechselstörung betroffen. „Therapiert wird mit einer individuell auf jede Frau abgestimmten Diät. Reicht das nicht aus, muss Insulin gespritzt werden. Dringend abzuraten ist von Tabletten zur Blutzuckersenkung, da es derzeit kein einziges für Schwangere zugelassenes Medikament gibt“, warnt der Experte. „Bis zur Geburt werden regelmäßige Harn- und Ultraschallkontrollen durchgeführt. Ist der Diabetes gut eingestellt, ist mit keinen Komplikationen zu rechnen. Die Entbindung sollte dennoch in einer Klinik mit einer Neugeborenenstation stattfinden.“

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Risikofaktoren

Grundsätzlich gilt: Ist das Baby da, ist der Schwangerschaftsdiabetes weg. Trotzdem sollten sich die Mütter auch nach der Geburt untersuchen lassen. „Sechs Wochen nach der Geburt und dann einmal im Jahr sollten die betroffenen Frauen zur Kontrolle. Das Risiko, später an einem manifesten Diabetes zu erkranken, ist doch erhöht“, sagt der Gynäkologe. „Die Gefahr, dass ihre Kinder organische Fehlbildungen haben, ist fast ausgeschlossen. Denn in der zweiten Schwangerschaftshälfte sind die Organe bereits ausgebildet. Gestationsdiabetes tritt fast nie früher auf.“


Kann eine Zuckerkrankheit während der Schwangerschaft verhindert werden? Dazu Dr. Obermayr: „Leider nein. Auch Frauen, die sich gesund ernähren, können daran erkranken. Allerdings gibt es Risikofaktoren. Dazu zählen etwa Mehrlingsschwangerschaften, ein Alter über 25 Jahre, enormes Übergewicht oder starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.“ Rund 90 Prozent der zuckerkranken Schwangeren haben Gestationsdiabetes, der Rest ist von Diabetes Typ 1 betroffen. Ihnen rät der Mediziner dringend, den Diabetes vor der Schwangerschaft einstellen zu lassen, um Folgen für das Kind zu vermeiden.


Cornelia Schobesberger

August 2014


Foto: shutterstock, privat


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Kommentar

Kommentarbild von Dr. Georg Obermayr zum Printartikel „Diabetikerinnen sollen in der Schwangerschaft entsprechend vorsichtig sein. Damit keine Komplikationen auftreten, sollen Kontrollen und Empfehlungen der Ärzte unbedingt eingehalten werden.“
Dr. Georg Obermayr

Oberarzt an der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe, Landes- Frauen- und Kinderklinik Linz 

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020