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Rheumatoide Arthritis

Alte HändeEin gesunder Lebensstil hilft Arthritis-Patienten, ihre Erkrankung positiv zu beeinflussen. Viel Bewegung und eine optimierte Ernährung helfen dabei, Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren.

 

Die rheumatoide Arthritis (Arthritis oder RA) ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Unbehandelt führt sie langfristig zur Zerstörung der betroffenen Gelenke. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Die RA verläuft meist chronisch-fortschreitend, in vielen Fällen begleitet von Schüben.

An der Entstehung der Erkrankung ist eine Vielzahl verschiedener Faktoren beteiligt. „Es gibt nicht das eine besondere Risiko. Wenn die Erkrankung ausbricht, liegt immer eine genetische Disposition vor, plus Umweltfaktoren und Lebensstilfaktoren, wie etwa falsche Ernährung, Übergewicht und wenig Bewegung. Und vor allem sollte man nicht rauchen. Rauchen ist zweifelsfrei ein Risikofaktor“, erklärt Prim. Dr. Daniela Gattringer, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz.


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Therapie und Lebensstil

 

Durch individuell angepasste medikamentöse Therapien gelingt es zunehmend, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder aufzuhalten. Die Therapie kann zusätzlich eine physikalische, physio- und ergotherapeutische, orthopädische und psychologische Betreuung umfassen.

Patienten können durch ihren Lebensstil auch selbst viel dazu beitragen, den Therapieverlauf zu beeinflussen. Bei Rheumapatienten besteht wegen der häufig auftretenden Schmerzen die Gefahr, dass sie sich zuwenig bewegen. Früher riet man Rheumapatienten oft zur körperlichen Schonung. Heute weiß man, dass Aktivität der Gesundheit wesentlich zuträglicher ist.

 

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Bewegung und Sport

 

Ideal für Rheumapatienten ist ein vielseitiges Bewegungs- und Sportprogramm. Folgende Trainingsarten stehen zur Verfügung: Ausdauer- und Krafttraining, Training der Koordination, meditative Bewegungsform wie Yoga oder Tai Chi oder auch die gelenksschonende Wassergymnastik. Anfänger sollten einen Leistungs-Check beim Sportmediziner machen, mit dem man auch die Auswahl der Sportarten bespricht. Idealerweise erlernt man danach bei einem Physiotherapeuten die richtige Ausführung der Bewegungen.

Bewegung und Sport sind deshalb so wichtig, weil durch ausdauernde Bewegung die Entzündungsparameter und damit auch die Schmerzen eingedämmt werden. Runde Bewegungsformen sind am Besten. Zum Beispiel Radfahren oder am Ergometer trainieren, Schwimmen, Nordic Walking auf weichem Boden. Weniger gut sind Sportarten mit stoßartigen Belastungen wie Fußball, Tennis oder Joggen.

Auch Krafttraining ist erwiesenermaßen sehr sinnvoll. Es stärkt das Muskel- und Skelettsystem nachhaltig. Gut trainierte Muskeln wiederum schützen die Gelenke. Krafttraining sollte gut dosiert durchgeführt werden. „Für Rheumapatienten bedeutet das: Training mit geringen Gewichten und vielen Wiederholungen“, erklärt die Fachärztin für Physikalische Medizin. Ziel jeder sportlichen Aktivität sollte ein regelmäßiges Training sein. Regelmäßig bedeutet, zwei- bis dreimal pro Woche je 45 bis 60 Minuten lang zu trainieren. Regelmäßiges Training ist gerade bei Rheumatikern ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Ziel sind keine sportlichen Höchstleistungen, sondern es gilt die Muskulatur auf schonende Weise zu kräftigen. Befindet man sich in einer Schub-Phase der Erkrankung, sollte man sich zunächst schonen und danach die Belastung wieder langsam steigern, das heißt angepasst trainieren, also das machen, was eben möglich ist.

Um eine begonnene Sportausübung nicht bald wieder zu beenden, ist es wichtig, eine Sportart zu wählen, die einem Freude bereitet. „Ansonsten ist die Motivation nur schwach oder gar nicht gegeben und es besteht die Gefahr, dass der Patient die sportliche Betätigung rasch wieder aufgibt“, so Gattringer.

 

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Keine Rheuma-Diäten

 

Es gilt als erwiesen, dass die Ernährung modulierend auf die Entstehung und die Intensität des Entzündungsprozesses wirkt. Die Ernährung beeinflusst den Verlauf der rheumatoiden Arthritis. Rheumatiker weisen aufgrund der chronischen Entzündung und der verabreichten Medikamente (z.B. Cortison) häufig einen Mangel an gewissen Vitaminen und Spurenelementen auf. Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährungsweise ist daher besonders wichtig. Vitamin A, C und E vermindern die Bildung von Entzündungsbotenstoffen. Selen, Kupfer und Zink greifen positiv in den Entzündungsprozess ein.

„Rheumapatienten sollten Wert auf eine Kost legen, die arm an Arachidonsäure ist. Denn aus Arachidonsäure bildet der Körper Entzündungsbotenstoffe, die Auslöser von entzündlichen Reaktionen sind“, sagt Gattringer. Arachidonsäure ist vorwiegend in tierischen Produkten enthalten. Betroffene sollten daher weitgehend Wurst und Fleischprodukte meiden, auch Eier und Milch sollte man nur in Maßen konsumieren. Es gibt zwar keine spezielle Rheumadiät, es können jedoch bestimmte Nahrungsmittel für Rheumapatienten empfohlen werden:

 

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Ernährungsempfehlungen bei RA

 

  • Abwechslungsreiche Kost mit Schwerpunkt auf pflanzlichen Lebensmitteln. Das heißt: Viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Dies verhindert Mangelernährung und wirkt entzündungshemmend.
  • Wenig Fleisch (maximal zweimal pro Woche). Kein fettes Fleisch, keine Wurstwaren, keine Innereien.
  • Mindestens zweimal pro Woche Fisch oder alternativ Fischöl in Kapseln zu sich nehmen.
  • Hochwertige Pflanzenöle wie Walnussöl, Leinöl, Rapsöl oder Sojaöl verwenden. „Am besten mischt man sich jeden Tag einen Löffel Leinöl in frisch gepressten Karottensaft“, rät Gattringer.
  • Milch- und Milchprodukte sollten in fettreduzierter Form zu sich genommen werden, so enthalten sie weniger Arachidonsäure.
  • Sojaprodukte enthalten hochwertiges pflanzliches Eiweiß und sind gute Alternativen zum tierischen Eiweiß. Sie enthalten keine Arachidonsäure und sind reich an Vitamin E.
  • Wenig Alkohol (Alkohol fördert die Bildung von Oxidanzien).
  • Wenig Zucker (keine Süßigkeiten, Softdrinks).
  • Viel Flüssigkeit zu sich nehmen. 2 bis 2,5 Liter Wasser, Mineralwasser oder ungesüßten Tee).
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 Mediterrane Ernährung

 

Laut wissenschaftlichen Studien scheint es sehr wahrscheinlich, dass die mediterrane Ernährungsweise in ihrer Gesamtheit eine günstige Wirkung auf den Krankheitsverlauf der RA hat. Die mediterrane Ernährung ist eine großteils auf Pflanzenbasis beruhende Ernährung aus frischem Obst und Gemüse, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten, frischen Kräutern und Gewürzen; Olivenöl und auch Rapsöl sind wichtige Fettquellen. Kaum Fleisch, jedoch viel Fisch steht bei dieser Ernährungsform auf dem Speiseplan.

 

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Normalgewicht

 

Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung helfen dabei, Übergewicht zu vermeiden. Normalgewicht dient der Prävention und beeinflusst den Krankheitsverlauf. Übergewicht, vor allem in Kombination mit Rauchen stellt ein hohes Risiko dar, dass bei vorliegender genetischer Prädisposition Rheuma auch tatsächlich ausbricht. Zusätzlich belastet Übergewicht die Gelenke.

 

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Fasten

 

Ein oder zwei Tage zu fasten kann helfen, Entzündungen einzudämmen und damit einen Schub zu mindern. Aber Vorsicht vor einem Mangel an Vitaminen und Spurenelementen. Längere Zeit fasten sollte man daher nur unter ärztlicher Aufsicht und Anleitung einer Diätologin. Fasten kann begleitend zur Therapie eingesetzt werden, es ersetzt aber nicht Medikamente.

 

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Entspannung statt Stress

 

Stress, Sorgen und ungelöste Probleme schwächen das Immunsystem. Bei einem Rheumapatienten kann dies dazu beitragen, einen Schub auslösen, das heißt die Gelenkschwellungen nehmen ebenso zu, wie Abgeschlagenheit, Bewegungs- und/oder Ruheschmerzen.

Gestresste Menschen greifen zudem häufig zu Alkohol und Zigaretten und verzichten auf gesunde Ernährung und Bewegung. „All das hat negative Auswirkungen auf das Immunsystem. Daher sollten Rheumapatienten Stress möglichst vermeiden“, empfiehlt Gattringer. Entspannend wirken dagegen meditative Bewegungsformen wie Yoga oder Tai Chi, Autogenes Training oder Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson.

 

Dr. Thomas Hartl

September 2014


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020