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Arteriosklerose: Wenn Blutgefäße dicht machen

Fuß wird massiertAblagerungen in den Arterien sind ein schleichender, langsam fortschreitender Prozess, der meist erst im fortgeschrittenen Stadium zu Beschwerden führt. Die Gefäßablagerungen können jedoch auch einen akuten Gefäßverschluss verursachen, der als Herzinfarkt oder Schlaganfall zur lebensbedrohlichen Erkrankung wird. Ein gesunder Lebensstil ist ein wichtiger Beitrag, sich vor einer frühzeitigen Entwicklung dieser Erkrankung zu schützen.

 

Die Arteriosklerose (ugs. Arterienverkalkung) zählt zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrieländern und ist Ursache vieler Folgeerkrankungen. Die bekanntesten und gefährlichsten sind Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Unter Arteriosklerose versteht man langsam und beständig fortschreitende Veränderungen an der Blutgefäßwand, die über Jahre hinweg entstehen. Dabei kommt es zu Ablagerungen an den Innenwänden von weicher Plaque (Fette), die mit der Zeit verkalken. Die ursprünglich elastischen und flexiblen Wände der Blutgefäße verhärten und verdicken sich. Ebenso langsam und unmerklich verringert sich dadurch der Durchmesser der betroffenen Arterie. Mit der Zeit wird der freie Durchfluss des Blutes beeinträchtigt. Es kann zu Durchblutungsstörungen und im Endstadium zu einem Gefäßverschluss kommen.

 

„Betroffen von Gefäßverschlüssen sind zwar vorwiegend ältere Menschen, doch arteriosklerotische Schäden in Form von Fettansammlungen in den Blutbahnen beginnen bei entsprechender Risikokonstellation bereits im mittleren Erwachsenenalter, arteriosklerotische Gefäßmanifestation in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter sind eine Rarität“, sagt OA Dr. Bernhard Hartenthaler, Leiter des Departments für Kardiologie und Intensivmedizin am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck.

 

Zu einem lebensgefährlichen Gefäßverschluss kann es auch dann kommen, wenn eine Verkalkung plötzlich aufreißt. Bei einem solchen Aufreißen der Plaque setzt der Körper eine sofortige Abwehrreaktion in Gang und dichtet das Leck ab. Die Blutgerinnung an der aufgerissenen Plaque wird aktiviert und sorgt dafür, dass sich am Riss Fibrin (ein Protein, ein „Klebstoff“ der Blutgerinnung) und Thrombozyten (Blutplättchen) anlagern und verkleben. Das wiederum kann dazu führen, dass das ohnehin schon verengte Blutgefäß nun gänzlich verschlossen wird. Ein solcher Gefäßverschluss führt binnen kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall).

 

Prinzipiell kann sich die Arteriosklerose in allen Bereichen des arteriellen Gefäßsystems entwickeln. Am meisten gefährdet sind jedoch Gefäßverzweigungen, weil dort durch die Pulswelle (Blutdruck steigt durch den Herzschlag) starke Belastungen und Verwirbelungen des Blutes auftreten.

 

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Risikofaktoren

 

Die meisten Risikofaktoren sind durch einen gesunden Lebensstil sehr gut zu beeinflussen. Die wichtigsten Faktoren sind:

  • Übergewicht: Normalgewicht kann durch bewusste Ernährung und durch Ausdauersport erreicht werden. „Dabei ist jede Bewegung wichtig, da wir immer weniger körperlich arbeiten. Man sollte die körperliche Betätigung in den persönlichen Alltag einbauen. Stiege statt Lift, Radfahren oder zu Fuß gehen anstatt mit dem Auto zu fahren“, rät Hartenthaler.
  • Rauchen: Erhöht den Blutdruck und führt zur Verengung der Blutgefäße und zu einer erhöhten Neigung zu Blutgerinnseln. Erhöhtes Kohlenmonoxid führt zu oxidativen Veränderungen, die Einlagerung von Fetten in der Gefäßwand wird erleichtert.
  • erhöhte Bluttfettwerte (hohes LDL, wenig HDL)
  • erhöhter Zucker, Diabetes
  • Bluthochdruck.
  • Bewegungsmangel

Nicht zu beeinflussende Risikofaktoren sind das Lebensalter und eine genetische Vorbelastung.

 

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Vorsorgeuntersuchung und Risikoprofil

 

Männer sind von Arteriosklerose früher betroffen als Frauen. Frauen sind bis zur Menopause durch das Hormon Östrogen relativ gut geschützt, zudem sind sie gesundheitsbewusster und konsultieren häufiger und frühzeitiger einen Arzt. Männer sind vor allem im Alter von 40 bis 50 Jahren wesentlich häufiger betroffen als Frauen. „Viele Männer glauben, weil sie mit 20 Jahren sportlich waren, dass sie als 50-jährige Nichtsportler immer noch gesund sind und gehen nicht zum Arzt. Bei Männern beginnt die Erkrankung jedoch früher als bei Frauen und zwar in einem langsamen, schleichenden Prozess. Erst nach den Wechseljahren gleichen sich die Zahl der betroffenen Frauen und Männer langsam an. Männer sollten ab dem 40. Lebensjahr Ihren gesundheitlichen Status erheben lassen und zum Arzt gehen. Frauen sollten das ab dem 50. Lebensjahr tun. Denn diese Zeiträume sind eine problematische Zeit, meist fühlt man sich noch gesund, ist es aber nicht mehr“, appelliert Hartenthaler.

 

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Keine ersten Anzeichen

 

Im Frühstadium der arteriosklerotischen Gefäßerkrankung gibt es keine „ersten Anzeichen“, keine Beschwerden, die ein Patient selbst erkennen könnte. Daher treten Symptome in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf.

In Abhängigkeit von den Organen, die von den erkrankten Gefäßen mit Blut (und damit Sauerstoff und Nährstoffen) versorgt werden, kommt es zu entsprechenden Funktionsstörungen (Nierenversagen, Schmerzen beim Gehen, wenn die Gefäße der Beine betroffen sind, Angina pectoris am Herzen, oder vorübergehende Lähmungserscheinungen bei Durchblutungsstörungen des Gehirnes.).

Viele dieser möglichen Folgen einer „Gefäßverkalkung“ lassen sich durch Vorsorge und effiziente Behandlung hintanhalten.

 

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Vorsorge und Diagnose

 

Basis jeder Vorsorgemaßnahme ist das ärztliche Gespräch und die Erhebung wichtiger persönlicher Risikofaktoren (Lebensstil, erbliches Risiko, Blutdruck, Cholesterinspiegel, Körpergewicht, Blutzucker). Der Arzt erfasst dabei das Risikoprofil des Patienten. Anhand dieser Fakten lässt sich feststellen, in welcher Risikophase sich ein Mensch befindet.

 

Das Risikoprofil setzt sich immer aus der Kombination sämtlicher Risikofaktoren zusammen. Je mehr Risikofaktoren ein Mensch in sich vereint, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Arteriosklerose mitsamt ihren Folgeerkrankungen. „Wenn z.B. ein 30-jähriger Nichtraucher etwas erhöhtes Cholesterin hat, ansonsten aber keine Risikofaktoren aufweist, ist das zwar nicht optimal, aber auch nicht dramatisch. Anderes gilt, wenn jemand neben dem Cholesterin zusätzlich raucht und hohen Blutdruck hat, das ist dann gefährlich und man muss die einzelnen Faktoren behandeln und oft auch Medikamente einsetzen. Der Cholesterinwert ist demnach nicht absolut zu sehen, sondern im Zusammenhang mit den anderen Faktoren. Ein Diabetiker sollte z.B. einen sehr tiefen Cholesterinwert erreichen, um sich vor Arteriosklerose zu schützen; ebenso ein Patient nach einem Herzinfarkt“, erklärt Hartenthaler.

 

Durch eine gezielte Untersuchung (bildgebende Verfahren: Messung der Halsschlagader, mögliche Verdickung der Gefäßinnenwand; Blutdruckmessung an Arm und Knöchel) lassen sich auch frühe Stadien einer Arteriosklerose erkennen. Gefäßkontrollen sind auch mittels Ultraschall möglich.

 

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Behandlungsmöglichkeiten

 

Medikamente, die Gefäßablagerungen verhindern oder abbauen, existieren bislang nicht. Man kann jedoch die einzelnen Risikofaktoren durch Lebensstilmaßnahmen beeinflussen und mit Medikamenten behandeln. Z.B. können bei hohen Cholesterinwerten blutfettsenkende Mittel verabreicht werden. Liegt eine andere Erkrankung ursächlich zugrunde, muss diese behandelt werden. Je nach Stadium der Arteriosklerose werden unterschiedliche Medikamente (z.B. zur Blutverdünnung, gegen Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Diabetes) eingesetzt. Arterien können auch mit einem Ballon gedehnt werden. In schweren fällen kann eine Gefäßoperation nötig werden.

 

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Lebensstil

 

Weil das Risiko einer Arteriosklerose durch vorbeugende Lebensstilmaßnahmen gesenkt werden kann, ist es für jeden Menschen ratsam, diese Risikofaktoren zu reduzieren, um so ein Entstehen oder Fortschreiten einer Gefäßverkalkung zu verhindern.

„Vor allem sollte man nicht rauchen, regelmäßiges Ausdauertraining betreiben und sich bewusst ernähren“, rät der Kardiologe. Ausdauersport wirkt sich auf sämtliche bekannte Risikofaktoren positiv aus.

 

Dr. Thomas Hartl

November 2014

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020