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Ebola: Die wichtigsten Informationen

Ebola SchutzanzügeDie Wiener Landessanitätsdirektion eine umfangreiche Faktenzusammenstellung zu Ebola an den Wiener Krankenanstaltenverbund, alle privaten Krankenanstalten, reisemedizinische Zentren und die Ärztekammer verschickt. Die Austria Presse Agentur (APA) nennt die wichtigsten Informationen.

 

Aktuell gelten folgende Länder beziehungsweise Teile von Ländern als betroffene Regionen:

  • Guinea
  • Sierra Leone
  • Liberia
  • Nigeria: die Bundesstaaten Lagos und Rivers (der letzte dort gemeldete Erkrankungsfall wurde am 31. August 2014 isoliert)
  • Demokratische Republik Kongo: die Provinz Equateur. Der dortige Ausbruch steht allerdings nicht in Verbindung mit dem Ausbruch in Westafrika (aktueller Stand nachzulesen auch auf der Homepage des EU-Zentrums für Krankheitskontrolle http://www.ecdc.europa.eu/en/Pages/home.aspx.

 

Für Fragen aus der Bevölkerung steht die bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) eingerichtete Ebola-Telefon-Hotline von Montag bis Freitag, 8.00 bis 17.00 Uhr, unter 050-555-555 zur Verfügung.

 

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Falldefinition

Die Falldefinition für einen Ebola-Verdacht, so die Landessanitätsdirektion:

 

Klinische Kriterien:

 

  • Fieber über 38,6 Grad Celsius

 

UND mindestens eines der folgenden Leitsymptome:

 

  • starke Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • unerklärbare Blutungen (z.B. Blutungen ohne vorheriges Trauma)
  • Multiorganversagen.

Zusätzlich müssen „epidemiologische Risikofaktoren“ in den drei Wochen vor Symptombeginn vorgelegen sein.

Mindestens einer der folgenden Punkte muss vorliegen:

Aufenthalt innerhalb der letzten 21 Tage vor Symptombeginn in einem der von der Epidemie betroffenen Ländern oder Kontakt mit einem wahrscheinlichen oder bestätigten Ebola-Fall. ODER es liegen ein „unerklärlicher Todesfall“ mit epidemiologischem Risiko oder vorangegangenen klinischen Kriterien UND einem epidemiologischen Risiko vor.

 

Bei einer „Hochrisikoexposition“ in den drei Wochen vor Beginn der Symptome gilt allerdings, dass bei den klinischen Kriterien Fieber jeder Höhe UND eines der Leitsymptome für eine Verdachtsdiagnose ausreichen.

 

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Hochrisikosituationen

Hochrisikosituationen sind zum Beispiel:

  • Enger Kontakt (weniger als ein Meter) ohne entsprechende Schutzmaßnahmen (Personal Protective Equipment - PPE inkl. Schutz der Augen und Schleimhäute) mit wahrscheinlichen oder bestätigten Ebola-Fällen, die husten, sich erbrechen, bluteten oder Durchfall haben. Ungeschützter sexueller Kontakt mit einer Person, die an Ebola erkrankt war, bis zu drei Monate nach Genesung.
  • Weiters natürlich auch direkter Kontakt mit Material, das mit Körperflüssigkeiten eines wahrscheinlichen oder bestätigten Falls kontaminiert ist.
  • Schließlich Verletzung mit Durchbrechen der Hautbarriere (z.B. Nadelstichverletzung) oder Schleimhautkontakt mit Körperflüssigkeiten, Gewebe oder Laborproben von wahrscheinlichen oder bestätigten Ebola-Fällen (Erkrankte/Tote).
  • Hinzu kommen die Teilnahme an Begräbnisritualen mit direktem Kontakt mit Leichen(teilen) in betroffenen Gebieten ohne entsprechende Schutzausrüstung, direkter Kontakt mit Fledermäusen, Nagetieren, Primaten (lebend oder tot) in oder von betroffenen Gebieten oder der Konsum oder der Kontakt von Buschfleisch.

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Bei Verdacht

Ein Verdachtsfall oder Erkrankungsfall ist sofort der Gesundheitsbehörde unter Bekanntgabe der Rückrufmöglichkeit gemäß Epidemiegesetz zu melden. Der zuständige Amtsarzt setzt sich dann mit der meldenden Stelle in Verbindung, bespricht die Verdachtsdiagnose, führt eine Situationsbeurteilung durch und veranlasst im begründeten Verdachtsfall die jeweiligen gesundheitsbehördlichen Maßnahmen, wozu auch die Organisation eines geschützten Krankentransportes (KT) in eine Infektionsabteilung gehört.

 

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Hygiene und Desinfektion

Medizinisches Personal, das Kontakt zur möglicherweise infizierten Person hatte, soll sofort Standardhygienemaßnahmen wie Händedesinfektion durchführen und Hygieneschutz (Handschuhe, Augen-, Nasen-, Mundschutz) bei weiteren Kontakt zum Patienten anlegen und einen Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten. Die möglicherweise infizierte Person soll bis zur Abholung durch den Krankentransport in einem eigenen Raum warten. Wenn möglich, soll eine Wischdesinfektion von Flächen, die möglicherweise mit Körperflüssigkeiten des Patienten in Kontakt gekommen sind, unter Verwendung von Schutzausrüstung erfolgen. Die gesonderte Entsorgung des kontaminierten Materials (Schutzkleidung, Desinfektionsutensilien, etc.) muss nach den Regeln einer ÖNORM erfolgen. Dies kann im Rahmen der Schlussdesinfektion durch die Gesundheitsbehörde durchgeführt werden.

 

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Erfassung

Schließlich erfolgt die Erfassung der Kontaktdaten (Name, Adresse und insbesondere telefonische Erreichbarkeit) aller möglicherweise in der Ordination mit dem Verdachtsfall in Kontakt gekommenen Personen und Vorinformation an diese, dass sich die Gesundheitsbehörde zur weiteren Abklärung in den nächsten Stunden melden wird. Diese kümmert sich dann auch um die gesundheitliche Beratung und Information der Kontaktpersonen. Ein Informationsblatt zur Ausgabe an die Kontaktpersonen kann vom Amtsarzt/Amtsärztin elektronisch übermittelt werden. Die zuständige Gesundheitsbehörde wird nach Abholung/Transport des Patienten in das Krankenhaus eine Desinfektion von Ordinationsräumlichkeiten etc. durchführen.

 

Mag. Christian Boukal / APA
November 2014

 

Foto: APA (Fohringer)

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020