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Patientin im Arztgespräch

Weniger Schmerzen durch neue Bruch-OP

Österreichweit werden jährlich 35.000 Leisten- und Bauchwandhernien operiert – am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz hat man ein eigenes "Fachzentrum" eingerichtet und zertifiziert.


Der Leistenbruch, auch "Leistenhernie" genannt, ist mit 80 Prozent die häufigste aller Bruchformen. Weniger häufig treten Nabel- und Narbenbrüche auf. Generell aber gilt: Ein Bruch, der sich einfach zurückschieben (reponieren) lässt, stellt keine unmittelbare Gefährdung dar. Kommt es jedoch zur Einklemmung von Bruchinhalt (Darmanteilen, Netzanteilen) mit Unterbrechung der Blutzufuhr, ist eine sofortige Operation unumgänglich. Starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind häufige Symptome. Brüche heilen nie von selbst. Mit der Zeit nehmen sie meist an Größe zu und führen vermehrt zu Schmerzen.

 

Österreichweit werden jedes Jahr 35.000 Leisten- und Bauchwandhernien operativ versorgt. Allein am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz sind es rund 500 Eingriffe pro Jahr – im Schnitt zwei Operationen pro Tag. Neben den sehr häufigen Leisten- und Nabelbrüchen treten Hernien sehr oft im Bereich von Narben und künstlichen Darmausgängen auf.

  

Ein komplizierter Eingriff

Die "Bruchoperation" wird vom Schwierigkeitsgrad her oft unterschätzt und gehört keineswegs zum kleinen Chirurgeneinmaleins. "Nur wenige Chirurgen beherrschen alle Techniken, sodass heutzutage ein spezialisiertes Zentrum sicher die optimale Lösung darstellt, um aus einer Vielzahl von Behandlungsmethoden die individuell richtige für jeden Patienten auszusuchen und korrekt durchzuführen. Keine Methode ist für alle Fälle gleich gut geeignet, weswegen wir für jeden Patienten ein für seinen konkreten Fall maßgeschneidertes Versorgungskonzept erstellen", erklärt Oberarzt Gernot Köhler. Er leitet im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz das österreichweit erste Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie.

 

"Weil wir viele solche Eingriffe durchführen, ist unsere Erfahrung auf diesem Gebiet ziemlich groß", sagt Primar Prof. Klaus Emmanuel, Leiter der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Bei den Bruchoperationen werden moderne Netzmaterialien zur Verstärkung der Bauchwand und Leistenregion verwendet, die sich gut in das körpereigene Gewebe integrieren lassen.

 

"Diese Materialien weisen neuerdings selbstfixierende Oberflächen auf oder werden mit speziellen Klebern angebracht, um keine Tacker oder Klammern verwenden zu müssen. Diese Fremdkörper waren manchmal Ursache chronischer Schmerzen der Patienten", sagt Primar Emmanuel.

 

Neue Operationstechnik

Zentrumsleiter Gernot Köhler hat sich außerdem auf die operative Versorgung von Brüchen im Bereich von künstlichen Darmausgängen spezialisiert und für betroffene Patienten eine neuartige Operationstechnik mit dreidimensionalen tunnelförmigen Netzen entwickelt. Auch sehr große und komplexe Bauchwanddefekte werden an diesem Zentrum seit vielen Jahren operiert.



Zeitungsrolle der OÖ Nachrichten(bar)
Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten
14. Januar 2015



Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020