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Vorhofflimmern: Risiko für Schlaganfall

Vorhofflimmern ist die häufigste dauerhafte Herzrhythmusstörung bei Erwachsenen weltweit. Diese Störung kann zur Bildung eines Blutgerinnsels führen, das sich seinen Weg zum Gehirn bahnen und dort einen Schlaganfall auslösen kann. Vorhofflimmern verfünffacht das Risiko eines Schlaganfalls.

In Europa werden jährlich fast zehn Millionen Menschen von einem Schlaganfall getroffen. 20 bis 25 Prozent aller Schlaganfälle werden durch die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern verursacht. Fünf bis zehn Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern erleiden pro Jahr einen Schlaganfall. Ein wesentlicher Grund für diese hohe Zahl ist, dass die Erkrankung oft erst spät erkannt wird und viele Patienten demnach lange Zeit ohne Therapie bleiben. 

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Blutgerinnsel als Gefahr

Bei Vorhofflimmern gerät das Herz aus dem Takt. Normalerweise ziehen sich die beiden Vorhöfe des Herzens in regelmäßigen Takt zusammen und pumpen dadurch das Blut in die Herzkammern, von wo aus es in den Blutkreislauf gelangt. Den elektrischen Impuls dafür liefern Herzmuskelzellen im rechten Vorhof. Treten fehlerhafte elektrische Signale auf, ziehen sich die Kammern in unregelmäßigen Rhythmus zusammen, die Vorhöfe stellen ihre mechanische Pumpfunktion ein und die Blutflussgeschwindigkeit nimmt in gewissen Bereichen der Vorhöfe stark ab.

Ein solcher Blutstau birgt die Gefahr in sich, dass das Blut gerinnt. Das heißt, dass es nicht mehr fließt und einen Pfropfen bildet. Bildet sich so ein Gerinnsel im Vorhof und wird es in die Gehirngefäße ausgeschwemmt, besteht die Gefahr, dass das Gerinnsel dort ein Gehirngefäß verstopft und dadurch einen Schlaganfall auslöst. „Ein von einem solchen Gerinnsel ausgelöster Schlaganfall ist oft besonders schwer, weil die Gerinnsel, die sich im Vorhof des Herzens bilden, meist sehr groß sind. Eine Größe von ein bis zwei Zentimetern ist keine Seltenheit. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 25 Prozent, noch im Krankenhaus zu versterben“, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Johann Auer vom Krankenhaus St. Josef in Braunau.

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Gefahr auch bei einmaliger Episode 

Vorhofflimmern sollte in keinem Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Das Schlaganfallrisiko ist auch bei nur einmaligem oder gelegentlichem Auftreten ähnlich hoch, wie bei dauerhaftem Vorhofflimmern. Wurde es auch nur ein einziges Mal diagnostiziert, gilt man betroffener Patient. „Oft ist es ja auch so, dass eine Episode zwar nur ein einziges Mal bemerkt wurde, aber zahlreiche weitere Episoden nicht erkannt wurden. Zudem wiederholen sich Episoden in der Regel, es bleibt zumeist nicht bei einem einzigen Vorfall“, so Auer. Er rät, möglich schnell eine Therapie zu beginnen.

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Risikofaktoren und Ursachen 

Die häufigsten Risikofaktoren für Vorhofflimmern sind Bluthochdruck, Arteriosklerose (Ablagerungen in den Arterien), rheumatisches Herzleiden, Herzklappenfehler (verengte Herzklappen). Seltener liegt eine Herzmuskelschwäche oder ein Schilddrüsenleiden zugrunde.

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Hohen Blutdruck behandeln 

Blutdruck gilt als behandlungsbedürftig, wenn er 140/90 mmHg übersteigt. Am aussagekräftigsten ist eine dauerhafte Messung über einen Zeitraum von 24 Stunden; oder man misst den Blutdruck 30 Mal verteilt über einen längeren Zeitraum. Liegt der Wert dabei siebenmal oder häufiger über 140/90 mmHg, dann liegt ein Bluthochdruck vor, den man behandeln sollte. Gelingt es nicht, diesen Wert durch einen gesunden Lebensstil zu senken, sollte man mit einem Arzt über die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie sprechen.

Mit einem gesunden Lebensstil lässt sich der Blutdruck in der Regel senken. Er setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Regelmäßige Bewegung
  • nicht rauchen
  • gesunde Ernährung
  • kein andauernder negativer Stress
  • Reduktion der Kochsalzzufuhr
  • Reduktion von Übergewicht

Ein ungesunder Lebensstil dagegen führt häufig zu Übergewicht und hohen Blutfettwerten und daraus resultierend zu Bluthochdruck und seinen Folgeerkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall usw.).

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Risikofaktor Alter

Menschen über 65 Jahre sind häufig von Vorhofflimmern betroffen (ab 65 sollte man selbst aktiv den Puls fühlen und darauf achten, ob er regelmäßig ist oder nicht). Das bedeutet aber nicht, dass jeder Mensch im Alter gefährdet wäre und nur wegen des Alters Blutverdünner einnehmen müsste. Diese Medikamente werden nur nach einem bereits diagnostizierten Vorhofflimmern verordnet.

Vorhofflimmern tritt meist deswegen im Alter auf, weil es mit Krankheiten einhergeht, die im Lauf der Jahre entstehen und das Herzmuskelgewebe verändern.

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Erbliche Vorbelastung

Die Erkrankung tritt in Familien gehäuft auf, es besteht also bei Mitgliedern solcher Familien ein erhöhtes genetisches Risiko. 20 bis 25 Prozent der Menschen sind genetisch disponiert, Vorhofflimmern zu bekommen, das heißt, dass sie die Anlage dazu haben. Die Erkrankung kann bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren auftreten, muss aber natürlich nicht. Tritt die Erkrankung in der Familie gehäuft auf, sollte man möglichst alle weiteren Risiken minimieren.

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Symptome 

Für ältere Menschen und Personen mit genetischem Risiko ist Früherkennung sehr wichtig. „Man sollte selbst den Puls fühlen oder ihn vom Arzt fühlen lassen. Man misst dabei nicht die Anzahl der Pulsschläge, sondern den Rhythmus, also die zeitlichen Abstände zwischen den Schlägen. Sind diese Abstände arrhythmisch, also nicht gleich lang, dann geht der Puls unregelmäßig und sollte man untersuchen lassen, ob ein Vorhofflimmern vorliegt“, rät Auer.

Auch der Blutdruck schwankt oft beträchtlich. Zudem kann es zu starkem Herzklopfen, Schmerzen in der Brust oder einem allgemeinen Unwohlsein kommen. Viele Betroffene klagen auch über Schwindelgefühle und Atembeschwerden, manchmal kommt es zu Bewusstlosigkeit.

Achtung: In vielen Fällen zeigen sich gar keine Symptome! Dadurch wird Vorhofflimmern oft erst dann erkannt, wenn eine Folgeerkrankung wie Herzprobleme, ein Blutgerinnsel oder ein Schlaganfall diagnostiziert werden.

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Diagnose 

Ob bereits Vorhofflimmern besteht, lässt sich mittels EKG zweifelsfrei feststellen. Zur individuellen Risikoeinschätzung werden in der Regel zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Anhand von sogenannten Score-Systemen lässt sich das persönliche Risiko objektivieren.

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Therapie 

Die Behandlung des Vorhofflimmerns ist ein komplexer Prozess. Ihr Erfolg hängt sowohl vom Alter des Patienten als auch vom Zustand seines Herzens ab. Einerseits wird versucht, das Flimmern zu behandeln, andererseits soll das Schlaganfallrisiko reduziert werden, das von den Vorhöfen ausgeht.

Vorhofflimmern lässt sich mit Medikamenten in der Regel gut behandeln. Medikamente wie Anti-Arrhythmika unterdrücken störende Erregungswellen der Vorhöfe und erhalten den Rhythmus. Betablocker oder Kalziumantagonisten regulieren und verlangsamen den Puls.

Zur Schlaganfallprävention sind Blutverdünner sehr wirkungsvoll. Zwei von drei Schlaganfällen bei Vorhofflimmer-Patienten können durch eine adäquate Behandlung (dauerhafte Blutgerinnungshemmung) vermieden werden. Gerinnungshemmer werden in der Regel so lange verordnet, wie die Risikofaktoren andauern. Das bedeutet in manchen Fällen eine lebenslange Einnahme.

Der Nachteil dieser Medikamente sind mögliche Nebenwirkungen, wie etwa ein erhöhtes Blutungsrisiko. „Neue Präparate sind einfacher anzuwenden, für viele Patienten geeignet und der Aufwand für Kontrollen ist gering. Es bestehen zudem weniger Wechselwirkungen mit Nahrungsmittel und anderen Medikamenten“, sagt Auer.

Wenn Medikamente die Symptome eines Patienten nicht kontrollieren können, besteht auch die Möglichkeit einer Operation, die sogenannte Ablation. Dabei verödet der Arzt über einen Herzkatheter im linken Vorhof jene Zellen, von denen das elektrische Chaos ausgeht. Eine Operation wird jedoch nur relativ selten notwendig „Wenn sie durchgeführt wird, dann um die Befindlichkeit des Patienten zu verbessern und seine Beschwerden zu verringern. Sie kann jedoch einen Schlaganfall nicht vorbeugen und dessen Risiko nicht beeinflussen“, erklärt Primar Auer.

Nicht nur das Vorhofflimmern selbst gilt es zu behandeln, sondern auch die Risikofaktoren und bestehende Erkrankungen. Diese Grunderkrankungen, vor allem Bluthochdruck, gilt es in den Griff zu bekommen, ansonsten wird nicht das Problem, sondern nur die Auswirkung behandelt.


Dr. Thomas Hartl

Februar 2015


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020