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Blutarmut: Ursachen klären

Wer unter ständiger Müdigkeit und Blässe leidet, sollte sein Blut kontrollieren lassen. Wird Blutarmut (Anämie) festgestellt, so gilt es die Ursache hierfür zu finden und behandeln zu lassen. Meistens wird Blutarmut durch Eisenmangel verursacht.

 

Blutarmut (Anämie) bezeichnet einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) oder rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin). Die roten Blutkörperchen sind verantwortlich für den Transport von Sauerstoff zu den Organen und Geweben und für den Abtransport von Kohlendioxid zur Lunge. „Unverzichtbar für diese Aufgabe ist ein Molekül namens Hämoglobin, das in den roten Blutkörperchen vorkommt und auch für die Farbe des Blutes sorgt. Blutarmut hat zur Folge, dass der so wichtige Sauerstofftransport beeinträchtigt wird. Betroffene fühlen sich dadurch abgeschlagen und schwach“, erklärt Prim. Dr. Ernst Rechberger, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und ärztlicher Direktor des LKH Schärding.

 

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Ursachen

Normalerweise befinden sich die Blutbildung und der Blutabbau im Körper im Gleichgewicht. Bei Vorliegen einer Anämie ist dieses Gleichgewicht gestört. Die Ursachen für eine Blutarmut können sowohl in einem vermehrten Blutverlust oder Blutabbau liegen sowie in einer gestörten Blutbildung. Konkrete Ursachen hierfür gibt es viele.

 

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Eisenmangel

Meistens wird Blutarmut durch Eisenmangel verursacht. Eisen ist für die Blutbildung unverzichtbar. Der tägliche Eisenbedarf liegt bei Männern bei 1 mg pro Tag, Frauen und Jugendliche benötigen 2 bis 3 mg pro Tag und Schwangere sogar 3 bis 4 mg.

 

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Anzeichen und Ursachen

Hinweise auf einen Eisenmangel sind:

 

  • Risse an den Mundwinkeln
  • Brüchige Fingernägel oder Rillen in den Fingernägeln
  • Haarausfall
  • schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut, Schmerzen beim Schlucken, brennende Zunge.

Die häufigste Ursache für eisenmangelbedingte Anämie ist die Monatsblutung der Frau. Weitere Ursachen können sein:

  • Akute oder chronische Blutungen; häufig liegen Blutungen im Magen-Darm-Trakt vor. Bei längeren oder stärkeren Blutungen können so große Blutmengen verloren gehen, dass der Körper die Verluste nicht mehr ausgleichen kann und eine Anämie entsteht. Beispiele dafür sind Magengeschwüre und Tumore. Mit steigendem Alter häufen sich vor allem Fälle von Dickdarm- und Magenkrebs.
  • Ernährung: Während Eisenmangel bei Mischkost nur sehr selten auftritt, weisen Vegetarier und Veganer häufig einen Mangel auf.
  • Mangelnde Resorptionsfähigkeit: Das bedeutet, dass der Körper das durch die Nahrung zugeführte Eisen nur schlecht aufnehmen kann. Bestimmte Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes können dafür verantwortlich sein (z.B. Zöliakie oder Morbus Crohn).
  • Infektionen und Parasitenbefall.

Es gibt aber auch noch andere Ursachen für Blutarmut, die nicht durch Eisenmangel hervorgerufen werden:

  • Nierenerkrankungen
  • Gestörte Bildung der roten Blutkörperchen oder des roten Blutfarbstoffes: Die roten Blutkörperchen leben nur rund vier Monate lang und werden deshalb im Knochenmark ständig neu produziert. Bei Erkrankungen des Knochenmarkes können die roten Blutkörperchen nicht ausreichend gebildet werden.
  • Mangel an Folsäure und Vitamin B12. Fehlt einer der beiden Stoffe, werden weniger rote Blutkörperchen gebildet. Folsäure ist vor allem in Hefe, Leber, Gemüse, Nüssen und Vollkorn enthalten. Vitamin B12 findet sich vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Milch und Eiern, aber auch in Sauerkraut.

 

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Symptome

Die Symptome einer Anämie sind meist sehr unspezifisch und können daher auch als Hinweise auf andere Störungen und Erkrankungen gedeutet werden. Mögliche Anzeichen einer Blutarmut sind Müdigkeit, Blässe, Leistungsschwäche, Konzentrationsschwäche, Schwindel, verstärktes Kältegefühl, Kurzatmigkeit, Rauschen oder Pochen in den Ohren und allgemeines Unwohlsein. Bei starker Anämie kann es zu einem beschleunigten Herzschlag (Herzrasen), zu Atemnot bis hin zur Ohnmacht kommen.

 

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Diagnose

Erste Hinweise auf das Vorliegen einer Blutarmut liefern die Beschwerden des Patienten. Weil eine Anämie auch als Folgeerscheinung anderer Erkrankungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten kann, sollte man den Arzt auch über die eingenommenen Arzneien informieren. Dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung (z.B. Haut, Schleimhäute, Bindehäute der Augen, Pulsmessung).

„Nachweisen lässt sich eine Anämie anhand von Laboruntersuchungen des Blutes. Beim Hausarzt kann man durch ein simples Blutbild feststellen lassen, ob eine Blutarmut hinter den Symptomen steckt“, so Rechberger. Das Blutbild gibt Auskunft über die Zahl der roten Blutkörperchen und über die Menge des roten Blutfarbstoffes, es kann auch Hinweise über den Ursprung der Störung liefern. Idealerweise bespricht man den Befund mit dem Arzt und legt das weitere Vorgehen fest. Sind die Ursachen klar ersichtlich (z.B. bei Frauen mit starker Monatsblutung) und liefert die Anamnese keine weiteren Anhaltspunkte einer Erkrankung, kann es in manchen Fällen ausreichen, Eisenpräparate einzunehmen. In den meisten Fällen jedoch empfiehlt sich eine genauere Abklärung der Ursachen.

 

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Ursachen abklären

Die Ursachen für Blutarmut sind vielfältig. Eine Therapie sollte auf keinen Fall in Eigenregie ohne Abklärung und Empfehlung des betreuenden Arztes erfolgen. Denn eine Behandlung, die bei einer Anämie-Form angebracht ist (z.B. Eisen einnehmen), kann bei einer anderen Art der Blutarmut auf Dauer sogar schädlich sein.

„Ich warne davor, eine festgestellte Blutarmut auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich empfehle die Ursache Ihrer Blutarmut unbedingt bei einem Facharzt abklären zu lassen. Wenn man der Ursache nicht nachgeht, kann man unter Umständen eine schwere oder gar lebensbedrohliche Erkrankung übersehen“, warnt der Experte.

Wurde beim Hausarzt eine Anämie festgestellt, sollte man demnach bei einem Facharzt die Ursachen erforschen lassen. Bei jungen Frauen wird die erste Anlaufstelle oft ein Frauenarzt sein, alle anderen Betroffenen sollten einen Internisten zur weiteren Abklärung aufsuchen.

Bei Verdacht einer Blutung wird der Arzt weitere Untersuchungen in die Wege leiten. So kann ein Test auf Blut im Stuhl oder eine Magen- oder Darmspiegelung sinnvoll sein.

 

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Therapie

Wurde eine Anämie festgestellt ist diese zu behandeln. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Blutarmut:

  • Eine Blutungsquelle sollte möglichst rasch beseitigt oder gestillt werden. Durch Methoden wie Darmspiegelung gelingt dies in vielen Fällen. Bei starkem Blutverlust kann eine Bluttransfusion notwendig sein.
  • Nahrungsumstellung: Eisen befindet sich vor allem in Fleisch, Milch, Eiern und Gemüse. Die Aufnahme von Eisen in den menschlichen Körper wird durch gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (aus der Nahrung oder Ergänzungsmittel) erleichtert.
  • Medikamente: Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus, kann Eisen in Form von Tabletten eingenommen werden.
  • Liegt die Ursache des Eisenmangels dagegen in einer Störung der Aufnahme des Spurenelements im Darm, wird Eisen direkt in die Blutgefäße injiziert.

Auch für die übrigen Arten der Anämie gibt es meist eine effiziente Behandlung, die sich nach der jeweiligen Ursache richtet (z.B. Gabe von Vitaminen, Hormonen).

 

Dr. Thomas Hartl

März 2015

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 12. März 2015