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Füße auf dem Kopfpolster

Restless Legs Syndrom stört den Schlaf

Es zuckt in den Beinen, unkontrolliert und oft sogar unwissentlich: Das sogenannte Syndrom der unruhigen Beine (Restless Legs Syndrom – RLS) macht sich vor allem in der Nacht bemerkbar. Helfen kann eine Ursachenforschung, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Wenn man es sich abends auf dem Sofa gemütlich machen oder ins Bett kuscheln will, entspannt sich der Körper in der Regel. Bei rund zehn Prozent der Bevölkerung ist das aber anders: Sobald sie sich ausruhen, bekommen sie Gefühlsstörungen in den Beinen und spüren einen unnatürlichen Bewegungsdrang. „Das Beschwerdebild, unter dem die Betroffenen leiden, nennt man Restless Legs Syndrom, was so viel wie Syndrom der unruhigen Beine heißt“, erklärt Lilo Habersack, die Vorsitzende der Deutschen Restless Legs Vereinigung.

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Altes Krankheitsbild

RLS sei ein relativ häufiges Krankheitsbild, das bereits vor über 300 Jahren erstmals beschrieben wurde, so Habersack. Lange galt es als bloße Befindlichkeitsstörung, weil es auf den ersten Blick nicht mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht. „1945 beschäftigte sich der schwedische Neurologe Karl-Axel Ekbom dann eingehender mit der Erkrankung und gab ihr ihren Namen“, erzählt Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der neurologischen Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel. Danach hat man sich verstärkt an dier Erforschung des RLS gemacht. Nach wie vor gibt es aber noch offene Fragen.

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Prägnante Symptome

Im Grunde sind die Symptome von RLS recht prägnant. Die Betroffenen leiden unter Missempfindungen in den Beinen, selten auch in den Armen. Diese sind neurologischer Art, treten stets in körperlicher Ruhe auf und treten besonders in den Abend- und Nachtstunden auf. „Meist ist von einem Unruhegefühl die Rede, wobei einige es als Kribbeln oder Zucken empfinden, während andere etwa von Ziehen, Jucken oder Brennen sprechen“, so Habersack. Zu diesen Gefühlsstörungen kommen teils stechende oder krampfartige Schmerzen. Außerdem spüren die Erkrankten einen Bewegungsdrang, denn die Beschwerden lassen sich durch Bewegung lindern.

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Es zuckt im Schlaf


Daneben seien bei Betroffenen auch oft Beinbewegungen in regelmäßigen Abständen zu beobachten, sagt Dipl. Psych. Werner Cassel vom Schlafmedizinischen Zentrum Marburg. „Das sind unwillkürliche Zuckungen, die alle 20 bis 40 Sekunden auftreten. Da das vor allem im Schlaf passiert, wissen die Betroffenen oft gar nichts davon.“ Jede Zuckung führt aber zu einer kleinen Weckreaktion (Arousal), die den Schlaf stört.

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Individuelle Symptome und Gefahren

Wie stark das Syndrom sich bemerkbar ist, ist von Person zu Person verschieden. Bei den meisten zeigt es sich erstmals zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Lebensjahr. Anfangs fallen die Symptome tendenziell leicht aus und treten in Schüben auf. „Im Großteil der Fälle nehmen die Beschwerden dann im Laufe der Zeit an Intensität zu und chronifizieren sich, bis sie schließlich bei vielen jede Nacht präsent sind“, erklärt der Neurologe Prof. Wolfgang Oertel, stv. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Das bedeutet nicht nur einen hohen Leidensdruck, sondern kann auch gefährlich werden. Denn die unruhigen Beine verursachen oft starke Schlafstörungen, die längerfristig die Gesundheit schädigen können. „Bei Schlafmangel kann der Organismus sich nicht ausreichend regenerieren, was zum Beispiel zu Depressionen führen und das Immunsystem schwächen kann“, sagt Cassel. Schlafmangel und Arousals können außerdem ein Risiko für das Herzkreislauf-System sein: Studien zufolge begünstigen sie Bluthochdruck und Herzschwäche.

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Diagnose und Therapie

Richtige Anlaufstelle beim Verdacht auf RLS ist ein Neurologe oder Schlafmediziner. Leidet der Betroffene tatsächlich unter RLS, hängt die Wahl der Therapie neben Ausmaß und Art der Beschwerden vor allem von ihrer Ursache ab. Nach aktuellem Forschungsstand entsteht RLS durch eine Störung in der Übertragung gewisser Botenstoffe – insbesondere des sogenannten Dopamins – in Gehirn und Rückenmark. „Diese kann genetisch bedingt sein oder durch Faktoren wie einen Eisenmangel, Nierenfunktionsstörungen oder Medikamente wie Antidepressiva ausgelöst werden“, erklärt Trenkwalder.
Wenn eine externe Ursache vorliegt – die unruhigen Beine zum Beispiel durch Medikamente ausgelöst wurden – verschwindet RLS wieder, sobald man den Faktor ausschaltet. Wo das nicht der Fall ist, kann nur symptomatisch behandelt werden. Möglich ist das etwa durch äußere Anwendungen wie Massagen oder kalte Fußbäder und bestimmte Bewegungsübungen. Außerdem kann es helfen, RLS-verstärkende Faktoren wie Kaffee oder Alkohol zu vermeiden.

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Medikamentöse Therapie


Patienten, die trotz dieser Maßnahmen stark unter ihrer Erkrankung leiden, sollten eine Medikamententherapie erwägen. Infrage kommen dafür etwa Dopamin-Ersatzstoffe, erklärt Oertel. Prinzipiell hätten sie eine gute Erfolgsquote und wenig Nebenwirkungen. Helfen sie nicht oder verstärken sich die Beschwerden und verlagern sich auf eine frühere Tageszeit, muss mitunter auf andere Wirkstoffe umgestellt werden, zum Beispiel auf Opioide. Mitunter bewirken sie, dass der Körper schließlich wieder dann entspannt, wenn der Kopf das möchte.

APA / Mag. Christian Boukal
April 2015


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020