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Wunderschöne graue Katze mit grünen Augen beißt in die Hand beim Spielen

Zoonose: Krankheitsübertragung durch Haustiere

Haustiere können Krankheiten übertragen – der Fachleute sprechen dann von „Zoonosen“. Speziell trifft es „Tierpfleger“, die immungeschwächt, rekonvaleszent oder chronisch krank sind. Allerdings überwiegen die Vorteile auf die Psyche der Menschen, die sich um Tiere kümmern. Maßnahmen, die getroffen werden können, damit Tierhaltung nicht zum Risiko wird, empfiehlt eine Studie aus den USA mit kanadischer Mitarbeit.

 

Tiere im Haus zu halten, kann eine positive gesundheitliche, emotionale und soziale Wirkung auf ihre Besitzer haben, erklärt Ass.-Prof. Jason W. Stull vom Department für präventive Tiermedizin der amerikanischen Ohio State Universität, Columbus. Die Studie ist Ende April 2015 im „Canadian Medical Association Journal“ erschienen.

Das Team um Stull verglich dafür mehr als 500 Studien, die sich mit dem Thema Krankheitsübertragung von Tier auf Mensch befassen, berichtet die amerikanische Wissenschaftsseite sciencedaily.com. Eine regionale amerikanische Studie stellte fest, dass in 75 Prozent der untersuchten Haushalte Haustiere gehalten wurden und ein enger Kontakt mit ihren Besitzern (Tiere schlafen im Bett, lecken die Gesichter der Besitzer) üblich ist, so Stull.

 

Mit dem Arzt besprechen

Weiterführende Studien fanden heraus, dass sich die Öffentlichkeit nicht bewusst darüber ist, welche Tiere ein hohes Risiko der Übertragung bergen und wie diese Risiken vermieden werden könnten. Als Beispiel führt Stull an: 77 Prozent der befragten Haushalte nahmen – nachdem ein Familienmitglied eine Krebs-Diagnose erhielt – ein „Hochrisiko-Tier“ in den Haushalt auf. Diese Statistik ist für Stull nicht überraschend, zeigten doch andere Untersuchungen, dass Mediziner in den USA ihre Patienten üblicherweise nicht über einen Kontakt zu Haustieren befragen. Oder mit ihnen die Möglichkeit diskutieren, dass Tiere Krankheiten übertragen können – ohne Rücksicht auf den Immunstatus ihrer Patienten.

 

Nach Tierrasse unterschiedlich

Die Studie untersuchte Infektionen, die von Haustieren übertragen werden, ihre Risikofaktoren und Möglichkeiten der Vorbeugung. Die Studie beschäftigte sich mit den typischen Haustieren, wie Hunde, Katzen, Fische, Vögel, Amphibien, Reptilien, Hasen und anderen Nagern. Sie hält fest, dass verschiedene Tiere verschieden Krankheiten übertragen können, deren Virulenz auch vom Alter des Tiers abhängig ist. Stull hält fest, dass wenige systematische Studien oder epidemiologische Untersuchungen zu diesem Thema existieren, weswegen die meisten Belege für ihre Ratschläge aus Richtlinien und best-practice-Beispielen für Hochrisiko-Gruppen stammen.

 

Übertragungswege

Zoonosen können auf verschiedenen Wegen Menschen erreichen, berichtet die Studie: Bisse, Kratzer oder anderen direkten Kontakt mit Speichel, Urin, Kot oder anderen Körperflüssigkeiten der Tiere. In Frage kommen auch die Inhalation von infektiösen Aerosolen oder keimtragende Tröpfchen sowie Bisse von Spinnentieren oder anderen Insekten. Durch all diese Wege sind die „tierischen Begleiter“ die potentielle Quelle von mehr als 70 verschiedenen Erkrankungen – eine Zahl, die wahrscheinlich unterschätzt ist, so die Studie.

 

Risiko trotz niedriger Inzidenz

Patientenumfragen und epidemiologische Studien legen nahe, dass die Haustier-assoziierten Erkrankungen im Allgemeinen doch recht niedrig sind. Allerdings sind auf Grund fehlender Daten die tatsächlichen Erkrankungsraten unbekannt. Die Zahl der Evidenzen kann wahrscheinlich als zu niedrig angesehen werden, so Stull.

Dennoch kann Haustier-Kontakt als Risikofaktor für viele Krankheiten angesehen werden. Starke Belege gibt es etwa für die Infektion mit Bakterien (Campylobacter jejuni, Salmonellen), Pilzen (Dermatophyten) und Parasiten (Toxoplasma gondii). Haustiere übertragen nicht typischerweise die Krankheiten, die aus Insekten stammen (Lyme-Borreliose), auf den Menschen. Aber sie schleppen die Erreger (Zecken, Flöhe) in die Nähe ihrer Menschen und erhöhen so das Übertragungsrisiko.

 

Risikofaktoren

Obwohl Haustiere also nur eine untergeordnete Rolle bei der Übertragung von Krankheiten spielen, ist das Ansteckungspotential nicht einheitlich. Entscheidende Faktoren dafür sind: Tierart (Rasse, Alter), Haltung und Patientenfaktoren (Alter, Vorerkrankung, Immunstatus).

Besonders Kleinkinder (unter fünf Jahren), alte Menschen (über 65 Jahren), Patienten mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere tragen ein erhöhtes Risiko für Zoonosen. Dazu gehören auch ein schwererer Krankheitsverlauf, ein längeres Andauern der Symptome oder verstärkte Komplikationen als bei anderen Patienten.

 

Vorbeugung

Zum Schutz sollten sich Tierhalter an die üblichen Hygieneregeln halten. Darüber hinaus gibt die Seite sciencedaily.com folgende Tipps:


  • Beim Reinigen des Käfigs oder Aquariums Handschuhe tragen
  • Hände nach dem Tierkontakt waschen – Gesicht Ablecken verhindern
  • Sandkisten und Spielplätze abdecken, wenn sie nicht verwendet werden
  • Exotische und hochriskante Tiere (Schlangen, Amphibien) meiden
  • Regelmäßige Desinfektion von Käfigen, Futtergeschirr und „Schlafkisterln“
  • Mistkübel nicht in der Nähe von Ess- oder Kochplatz aufstellen
  • Haustiere erst anschaffen, wenn sich der Immunstatus verbessert hat
  • Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen.


Mag. Christian Boukal

Mai 2015

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020