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Arzt sieht sich Röntgenbild an

Lungenkrebs – Früherkennung und Immuntherapie

Lungenkrebs ist eine in hohem Maße vermeidbare Erkrankung. Früherkennung ist besonders wichtig, da nur Patienten eine gute Prognose haben, bei denen der Tumor in einem sehr frühen Stadium diagnostiziert wird. Neue Ansatzpunkte in Diagnose und Therapie könnten künftig für bessere Überlebenschancen sorgen. 

Lungenkrebs ist in Europa die vierthäufigste Krebserkrankung, mit 353.000 Todesfällen pro Jahr aber die Krebsart, die die meisten Leben kostet. Männer sind fast 2,5 Mal so oft von Lungenkrebs betroffen wie Frauen, jedoch steigt die Anzahl der betroffenen Frauen (auch in Österreich) alarmierend an. 

Ursachen 

Rauchen und Passivrauchen verursacht Lungenkrebs. 85 Prozent der Betroffenen in Österreich sind Raucher oder ehemalige Raucher. Rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko um das 10 bis 30fache, je nachdem, wie viel und wie lange man geraucht hat. „Lungenkrebs ist weitgehend selbst verursacht, durch eine Droge, die unter staatlicher Aufsicht verkauft wird“, sagt OÄ Dr. Andrea Mohn-Staudner vom Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe in Wien.

Nichtraucher erkranken nur selten an Lungenkrebs. Als Erklärung möglicher Ursachen dienen hier eine angeborene Neigung und die Belastung durch Feinstaub und Umweltgifte wie z.B. Radon. 

Passivrauchen 

Eindeutig belegt ist auch, dass Passivrauchen das Lungenkrebs-Risiko erhöht. „Wer sich drei bis vier Stunden in einem geschlossenen, verrauchten Raum aufhält, wird so belastet, als hätte er selbst vier bis neun Zigaretten aktiv geraucht. Dabei spielen nicht nur die kanzerogenen Substanzen eine Rolle, sondern auch die erhebliche Feinstaubbelastung. Diese kann die Werte von Luftverschmutzung durch Straßenverkehr deutlich überschreiten“, sagt Mohn-Staudner. 

Vorbeugung 

Die einzig mögliche Vorbeugung ist nicht zu rauchen und sich nicht passiv dem Rauch auszusetzen. „Eine deutsche Studie zeigt, dass männliche Raucher ein 24 Mal höheres Lungenkrebsrisiko haben als Männer, die nie geraucht haben. Bei Raucherinnen ist das Risiko 9 Mal so hoch wie bei Nichtraucherinnen“, sagt die Lungenfachärztin. Eine Prävention durch bestimmte Lebensstilmaßnahmen (außer Nichtrauchen) ist wissenschaftlich nicht belegt. „Es gibt keine Nachweise, dass etwa eine Zufuhr von Vitaminsupplementen präventiv wirken würde“, so Mohn-Staudner. 

Rauchstopp 

Zahlen belegen, dass sich ein Rauschstopp auszahlt und sich das Risiko dadurch deutlich reduziert. „Hören Männer mit dem Rauchen auf, ist das Erkrankungsrisiko nach zwei Jahren nur noch 7,5 Mal so hoch wie bei lebenslangen Nichtrauchern. Gewöhnen sich Frauen das Rauchen ab, bleibt das Risiko nur noch doppelt so hoch wie bei Frauen, die nie geraucht haben“, so Mohn-Staudner.

Ein Ausstieg aus der Sucht bedarf einer Rauchentwöhnung. „Voraussetzung ist, dass man auch wirklich aufhören will. Meist schafft man den Ausstieg nicht beim ersten Versuch. Man sollte sich dadurch nicht entmutigen lassen und sich nicht unter Druck setzen. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben und es weiter zu versuchen, solange, bis man es geschafft hat“, rät die Fachärztin. 

Keine frühen Symptome 

Rauchen kann viele verschiedene Lungenerkrankungen auslösen. Raucher, die sich untersuchen lassen möchten, sollten einen Lungenfacharzt konsultieren. Bei Lungenkrebs kommt es erst spät zu Symptomen. Der Tumor wird daher bei den meisten Patienten erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Mögliche Symptome sind anhaltender Husten, deutliches Sinken der Leistungsfähigkeit, starker Gewichtsverlust. 

Früherkennung und Diagnose 

Bei Verdacht auf Lungenkrebs erfolgen mehrere Untersuchungen, um abzuklären, ob es sich um eine Atemwegserkrankung oder einen Tumor handelt. Mögliche Untersuchungen sind Lungenröntgen, CT vom Brustkorb und Bronchoskopie. Mitunter ist eine Biopsie nötig, um eine Diagnose erstellen zu können.

Lungenkrebs hat nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, die meisten Erkrankten sterben daran. Eine Ursache dafür ist, dass zwei Drittel erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt werden. „Ein entscheidender Fortschritt wäre es, wenn man bereits kleine Herde erkennen könnte. Bisher geschieht das nur zufällig. Denn ein Lungenröntgen ist zu ungenau, hier sieht man kleine Herde oft nicht. Daher macht es auch keinen Sinn, vorsorglich immer wieder Lungenröntgen durchzuführen. Auch Laborbefunde und Tumormarker bringen in Sachen Früherkennung nichts“, sagt die Lungenfachärztin. Aufschluss kann lediglich eine Computertomographie geben.

Früherkennung durch ein Screening (mittels CT) wie in den USA gibt es hierzulande noch nicht. In Europa läuft derzeit eine Reihe von Screening-Studien. Mohn-Staudner hofft auf die baldige Möglichkeit eines Screenings in Österreich: „Ein optimales Lungenkrebs-Screening soll aber keine großen Bevölkerungsgruppen umfassen, sondern nur bei Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko angewendet werden. Das betrifft also Raucher und ehemalige Raucher, die über 55 Jahre alt sind und viele Jahre geraucht haben.“

Als künftiger neuer Ansatzpunkt, um die Überlebenschancen von Lungenkrebspatienten zu erhöhen, gilt die molekulare Diagnostik. Dabei werden die molekularen Veränderungen in der Tumorzelle analysiert. Orientiert sich die Therapie an den Mutationen, sind die Aussichten größer, dass Patienten darauf ansprechen. Die molekulare Diagnostik bildet also die Basis für eine zunehmend individualisierte und damit wirksamere Therapie. 

Therapie 

Je nach Stadium der Erkrankung gibt es verschiedene Möglichkeiten. In der Regel erfolgt eine Operation, bei der versucht wird, das vom Krebs befallene Gewebe möglichst vollständig zu entfernen. Zudem wird zumeist eine Chemotherapie durchgeführt, sie ist sowohl vor als auch nach der Operation möglich. Zusätzlich kann eine Strahlentherapie durchgeführt werden.

Der Erfolg einer Behandlung hängt wesentlich vom Stadium der Erkrankung ab. Bei Therapie in einem Frühstadium bestehen Chancen auf Heilung. Bei fortgeschrittener Erkrankung bestehen die Therapiemöglichkeiten momentan lediglich in der Verbesserung der Symptome, Heilung ist noch keine möglich. Eine hierzulande ganz neue Möglichkeit – die Immuntherapie bei Lungenkrebs – ist der neue Hoffnungsträger. „Mit ihr werden wir ab sofort einen Schritt weiter kommen, denn metastierende Patienten haben dann die Möglichkeit, mehrere Jahre zu überleben. Laut Studien gelingt dies mit der Immuntherapie immerhin bei 20 Prozent dieser Patientengruppe. Wir betreten mit dieser Methode neues Terrain“, sagt die Ärztin. 

Schlusslicht Österreich 

Österreich nimmt in Sachen Tabakprävention die letzte Stelle in Europa ein. „Rauchfreie Lokale sind nur ein erster Schritt. Es braucht ein Bündel von Maßnahmen, um den Rauchausstieg zu fördern und um Nichtraucher vor Passivrauch zu schützen. International hat sich laut Mohn-Staudner gezeigt, dass folgende Punkte wirksam sind:

  • Rauchverbote im gesamten öffentlichen Raum
  • hohe Steuern auf Tabakprodukte
  • Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen
  • Warnhinweise und abschreckende Darstellungen auf Verpackungen
  • Werbe- und Marketingverbote
  • Und ganz wichtig: Konkrete und leistbare Entwöhnungsangebote für Raucher.


Dr. Thomas Hartl

Juli 2015


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020