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Osteoporose: Behandlung senkt Frakturrisiko

Osteoporose ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Sie erhöht das Risiko von Knochen- und Wirbelbrüchen. Eine Therapie kann den Knochenabbau deutlich verzögern und das Risiko eines Bruches verringern.

 

Osteoporose (im Volksmund auch Knochenschwund) ist eine Erkrankung, die sich durch keine Beschwerden bemerkbar macht und daher lange unbemerkt bleibt. Erst wenn ein Knochen aus geringem Anlass bricht oder wenn man aufgrund eines Wirbelbruchs plötzlich um Zentimeter kleiner geworden ist, wird Osteoporose offensichtlich. Etwa 16.000 Oberschenkelhalsbrüche gibt es pro Jahr in Österreich, ein großer Teil davon wird auf Osteoporose zurückgeführt.

Viele Betroffene wissen nicht, dass ihre Knochen in Gefahr sind. Von geschätzten 740.000 Erkrankten, befinden sich nur 120.000 in Behandlung. Frauen sind wesentlich häufiger von Osteoporose betroffen als Männer, in Österreich betrifft es jede dritte Frau über 50. Da Osteoporose fälschlicherweise häufig als Frauenkrankheit angesehen wird, wird sie bei Männern selten mitgedacht und daher oft übersehen oder spät erkannt. „Unserer Erfahrung nach sind Männer häufiger betroffen als gedacht, sie dürften bis zu einem Drittel der Erkrankungsfälle ausmachen“, erklärt Dr. Margit Hatzl, Nuklearmedizinerin am AKh der Stadt Linz und Leiterin der Osteoporose-Selbsthilfe in Linz.

 

Therapie

Osteoporose ist bislang nicht heilbar, jedoch kann das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verzögert werden.

Eine Osteoporose-Therapie besteht aus drei Säulen:

  • Körperliches Training
  • Einnahme von Vitamin D 3 und Kalzium
  • Einnahme von Medikamenten.

 

Körperliches Training

Körperliches Training – vor allem Krafttraining – ist sehr wichtig. „Es bringt sehr viel und hat keine Nebenwirkungen. Muskelmangel und der Verlust an Muskelmasse spielen eine große Rolle bei Osteoporose. Krafttraining bringt nicht nur ein Plus an Muskeln, es bringt auch Sicherheit in den Bewegungen und vor allem in Kombination mit einem Ausdauertraining auch ein Plus an Lebensfreude und damit an Bereitschaft, aktiv gegen die Erkrankung mitzuwirken“, sagt Hatzl.

Krafttraining eignet sich sowohl zur Vorbeugung als auch als Therapie nach einem Knochenbruch. Für Betroffene ganz wichtig ist etwa das Training der Rückenmuskeln. Trainieren kann man z.B. in einem gut betreuten Fitnessstudio oder im Rahmen einer Physiotherapie. „Leider ist das Angebot in Österreich noch sehr gering. Immerhin gibt es einige Fitnesscenter, die ihr Angebot speziell an älteren Menschen ausrichten“, sagt die Oberärztin.

Darüber hinaus sollte man seine Ausdauer und seine körperliche Geschicklichkeit trainieren. Dazu eigenen sich:

  • Gleichgewichtstraining und Sturzprohylaxe. Auch das Erlernen von Hebetechniken ist wichtig. „Wenn Betroffene schwere Sachen heben, bedeutet dies eine Gefahr für die Wirbel. Es ist daher wichtig, dass man lernt, wie man Dinge hochhebt und auch wieder gefahrlos abstellen kann“, so Hatzl.
  • Tai Chi: Diese Bewegungsschulung besteht aus einer genau festgesetzten Bewegungsabfolge, die nicht nur die Lebensenergie, sondern auch die Beweglichkeit, die Koordinationsfähigkeit und die Balance fördert. „Tai Chi wirkt sich bei Osteoporose-Patienten erwiesenermaßen positiv aus“, sagt die Expertin.
  • Tanzen: bedeutet Beweglichkeit und Gleichgewichtsschulung. „Vielen Patienten macht es Freude zu tanzen und der Spaß an der Sache ist sehr wichtig, ansonsten verliert man die Motivation an der Bewegung und beschränkt sich auf die Einnahme von Medikamenten. Diese sind zwar wichtig, aber sie sind nur ein Teil der Therapie“, so die Ärztin.

 

Vitamin D 3 und Kalzium

Basis jeder Osteoporose-Therapie ist die ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D 3. Für die Therapie wird eine Dosis von 500 bis 1.000 mg Kalzium täglich und eine Dosis von 400 bis 1.000 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D 3 täglich (entspricht 10–25 µg) verabreicht. Häufig werden Kombinationspräparate aus Kalzium und Vitamin D 3 verschrieben.

 

Medikamente

In der Regel wird eine Therapie dann eingeleitet, wenn die Messung der Knochendichte einen Wert (T-Score) unter Minus 2,5 ergibt. Kalzium und Vitamin D 3 werden in jedem Fall verabreicht, ob auch echte Osteoporose-Medikamente eingesetzt werden, hängt vom Einzelfall ab. Liegt der T-Score unterhalb Minus 3, werden Medikamente in jedem Fall verabreicht, bei einem Wert zwischen Minus 2,5 und Minus 3 wird im Einzelfall entschieden. Gab es bei einem Patienten in der Vergangenheit bereits osteoporosebedingte Knochenbrüche, wird in jedem Fall medikamentös behandelt.

„Zurzeit findet ein Umdenken statt. Galt früher der Wert von Minus 2,5 als unweigerlicher Startschuss einer medikamentösen Therapie, so wird dieser Wert zunehmend nur als Richtschnur gesehen und vermehrt auch Faktoren wie Grunderkrankungen, frühere und chronische Erkrankungen und die gesamte Lebenssituation des Patienten berücksichtigt. Es wird also zunehmend ein persönliches Risikoprofil erstellt und als Grundlage einer Therapie herangezogen“, erklärt Dr. Hatzl.

Die wichtigsten Medikamente, die zur Anwendung kommen, sind:

  • Bisphosphonate
  • Denosumab
  • Raloxifen
  • Strontiumranelat
  • Parathormon
  • Östrogen (weibliches Sexualhormon)
  • Anabolika.

 

Bisphosphonate

In über 90 Prozent aller Behandlungen kommen Bisphosphonate zum Einsatz, sie zählen zur Standardtherapie. Medikamente dieser Wirkungsgruppe verzögern den Knochenabbau und erhöhen die Knochendichte. Dadurch können die gefährlichen Brüche von Hüfte oder Oberschenkelhals oder Brüche von Lendenwirbeln oftmals verhindert werden. Die Therapiedauer beträgt in der Regel drei bis fünf Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit wird mit dem Patienten besprochen, ob die Medikamente abgesetzt werden. Länger als zehn Jahre dürfen Bisphosphonate keinesfalls eingenommen werden, ansonsten drohen Knochenschäden, da die Medikation sehr lange im Knochen verbleibt und sich daraus negative Effekte ergeben können. „Nach Ablauf von zehn Jahren gibt es jedenfalls keinen nachweisbar positiven Therapie-Effekt mehr. Zudem steigt das Risiko für sogenannte atypische Oberschenkelbrüche“, sagt Hatzl.

Bevor man Bisphosphonate einsetzt, sollten die Zähne saniert werden, da als mögliche Nebenwirkung ein (sehr geringes) Risiko einer Schädigung der Kieferknochen (Kiefernekrose) besteht. Vor Therapiebeginn sollten daher nicht erhaltungswürdige Zähne, Wurzelreste und teilretinierte (nicht vollständig durchgebrochene, verkapselte) Weisheitszähne entfernt werden.

 

Lebensstil

Die Beschaffenheit der Knochen ist zwar zu 80 Prozent genetisch festgelegt, 20 Prozent jedoch lassen sich mit dem Lebensstil modifizieren. Ein gesunder Lebensstil im Zusammenhang mit Osteoporose bedeutet neben Bewegung und Krafttraining auch:

  • Nicht rauchen, Alkohol und Cola nur in Maßen trinken.
  • Essen: gesunde Mischkost. Viel Gemüse, Milchprodukte und Mineralwasser konsumieren.

Diese Lebensstilmaßnahmen sollten nicht auf die Dauer der Medikamenteneinnahme begrenzt sein, sondern so lange aufrechterhalten werden, wie möglich.

 

Dr. Thomas Hartl

September 2015

 

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020