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Ärztin untersucht kleinen Jungen im Rachen

Kinderkrankheit Scharlach

Scharlach ist eine typische Kinderkrankheit, kann jedoch auch im Erwachsenenalter auftreten. Charakteristische Symptome sind eine Mandelentzündung, Fieber und ein kleinfleckiger Hautausschlag.

 

Scharlach ist eine durch Bakterien – sogenannte Streptokokken der Gruppe A – hervorgerufene Infektionskrankheit. Die Erreger werden durch Tröpfchen, wie sie beim Husten oder Niesen auftreten, übertragen. Seltener ist auch eine Übertragung durch verunreinigtes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder Gegenstände wie Spielzeug möglich. Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung beträgt durchschnittlich zwei bis vier Tage. 

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Beschwerdefreie Keimträger

Scharlach ist eine der häufigsten bakteriellen Erkrankungen im Kindesalter. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen zwei und zehn Jahren. Die Erkrankung kann aber in jedem Alter auftreten. „Viele Menschen tragen zudem die Erreger in sich, ohne Beschwerden zu zeigen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Volker Strenger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. Streptokokken können auch andere Erkrankungen, wie etwa eine Wundrose (Erysipel), auslösen. „Von Scharlach spricht man nur dann, wenn man zusätzlich zur lokalen Infektion – dabei handelt es sich meist um eine Angina – einen Ausschlag bekommt“, so der Mediziner. 

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Typische Symptome: Ausschlag und Angina

Scharlach beginnt zunächst mit einer Mandelentzündung: „Typisch dafür sind hohes Fieber, ein geröteter Rachen beziehungsweise gerötete, weiß belegte Mandeln, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und ein allgemeines Krankheitsgefühl“, sagt der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. Weitere Beschwerden sind geschwollene Lymphknoten am Hals. Außerdem kommt es zum typischen Hautausschlag, einem sogenannten Exanthem. Diese kleinfleckigen, nicht juckenden, ineinander übergehenden Papeln treten am ersten bis vierten Krankheitstag auf. Der Bereich um den Mund herum bleibt meist blass. Der Ausschlag breitet sich dann am Rumpf und am ganzen Körper aus, ausgenommen an den Handinnenflächen und Fußsohlen. „Typisch für den Scharlachausschlag ist, dass er sich sandpapierartig angreift. Die Flecken sind zudem ein wenig über dem Hautniveau erhaben“, so der Mediziner. Für Scharlach charakteristisch ist auch die sogenannte Himbeerzunge. Darunter versteht man eine zunächst weißlich belegte Zunge mit vergrößerten Zungenwärzchen (Papillen). Nach einigen Tagen nimmt die Zunge eine himbeerrote Farbe an. Das Exanthem geht nach sechs bis neun Tagen zurück. Es folgt eine Abschuppung der Haut, besonders an den Handinnenflächen und Fußsohlen. 

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Ausschlag als Warnsignal

Ausschläge treten bei Kinderkrankheiten häufig auf. Was unterscheidet nun Scharlach von Röteln oder Masern? „Wenn man nicht schwanger ist, sind Röteln harmlos. Der Ausschlag ist hier meist nur dezent und das allgemeine Krankheitsgefühl gering. Bei Masern hingegen ist man in der Regel vorher schon einige Tage krank. Der Ausschlag tritt also erst nach einigen Tagen auf. Die meisten sind zudem gegen Masern geimpft“, erklärt der Mediziner. Ob ein Exanthem bedrohlich ist, lässt sich folgendermaßen beurteilen. „Wenn man den Ausschlag wegdrücken kann, das Rötliche also auf Druck verschwindet und dann wiederkommt, ist er eher nicht akut bedrohlich. Diese Art des Ausschlages beobachtet man bei Scharlach, Röteln, Masern und vielen anderen Erkrankungen. Das sind zwar keine harmlosen Krankheiten, aber sie sind nicht akut bedrohlich und zeigen diesen wegdrückbaren Ausschlag. Lässt sich ein neu aufgetretener Ausschlag beim fiebernden Kind hingegen nicht wegdrücken, kann dies auf eine Hautblutung und somit auf eine akut bedrohliche, schwere bakterielle Infektion deuten. Somit ist der nicht-wegdrückbare Ausschlag mehr Warnsignal, weil er bei schweren bakteriellen Erkrankungen, wie einer Meningokokken-Sepsis, auftritt, die unbehandelt rasch bedrohlich werden können“, sagt Strenger. 

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Behandlung mit Penicillin

Zurück zum Scharlach. Dieser wird antibiotisch behandelt. „In erster Linie verabreicht man Penicillin über zehn Tage, da es gut wirkt und am wenigsten Nebenwirkungen zeigt. Wichtig dabei ist, das Antibiotikum während der gesamten verordneten Zeit einzunehmen, ansonsten besteht die Gefahr eines Rezidivs, also einer Wiedererkrankung. Zudem könnten Spätschäden auftreten“, sagt Strenger. Wird die Infektion nicht behandelt, sind Betroffene drei Wochen oder länger ansteckend. Greift die antibiotische Therapie, besteht nach 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Eine Impfung gegen die Erkrankung existiert nicht. Zudem gibt es bei den Erregern von Scharlach bestimmte Untergruppen. Jemand kann daher mehrmals erkranken, da er nur gegen die Untergruppe der bisher durchgemachten Infektion immun ist. Dennoch leiden Erwachsene sehr selten unter Scharlach. Strenger dazu: „Der Ausschlag ist bei Erwachsenen eher eine Ausnahme. Es handelt sich hier um ein immunologisches Phänomen, das nur bei der Ersterkrankung auftritt.“ 

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Seltene Komplikationen

Scharlach heilt bei entsprechender Therapie in den meisten Fällen folgenlos aus. Selten können Komplikationen, wie ein akutes rheumatisches Fieber, auftreten. Dabei kommt es zu Entzündungen, etwa des Herzmuskels oder der großen Gelenke und Nieren. Bleibende Schäden sind möglich. Eine weitere Komplikation ist die Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis), die zum Nierenversagen führen kann.

 

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger

Jänner 2016


Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020