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Frau mit weißer Bluse  bei der Arbeit und Männer und Frauen in Anzügen und Kostümen im Hintergrund

Social Freezing

Manchmal passt es einfach nicht mit dem Kinderkriegen. Der passende Partner fehlt oder die Karriere kommt zuerst. „Social Freezing“, die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen, könnte die biologische Uhr anhalten. Könnte, denn in Österreich ist diese Methode ohne medizinische Indikation verboten.  

Vor etwa sechs Jahren sorgten die ersten Meldungen über das Einfrieren unbefruchteter Eizellen für heftige Diskussionen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Entnehmen und Einfrieren von Eizellen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt künstlich zu befruchten, scheidet nach wie vor die Geister. Auf der einen Seite sind da junge Krebspatientinnen, die nach einer Chemotherapie nicht mehr schwanger werden können. Für sie ist die neue Methode – die Kryokonservierung und der Kryotransfer – oft die letzte Chance, noch ein Baby bekommen zu können.  

Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die in Sachen Familienplanung Druck rausnehmen, in Ruhe ihre Karriere angehen und trotzdem irgendwann später Kinder bekommen wollen. Frauen, die vielleicht später nicht mehr schwanger werden würden, weil mit zunehmendem Alter nicht nur die Wahrscheinlichkeit dafür sinkt, sondern auch die Gefahr genetischer Defekte steigt. Während die Methode für kranke Frauen unterstützt und kostenfrei angeboten wird, müssen sich gesunde Frauen, die ihre Eier einfrieren lassen möchten, zumindest in Österreich noch gedulden. Derzeit verbietet das Gesetz den Eingriff. Dazu kommen heftige Kritik und ethische Vorwürfe. Tenor: vermessener Eingriff in natürliche Abläufe.  

Seit der Entwicklung der sogenannten Vitrifikation, eines speziellen Gefrierverfahrens, ist es möglich, unbefruchtete Eizellen einzufrieren. Dabei wird den Zellen zuerst das Wasser entzogen, dann werden sie in flüssigem Stickstoff in Sekundenbruchteilen auf minus 196 Grad gekühlt und sind so lange haltbar, bis sie wieder aufgetaut werden. Wenn sie das Auftauen ohne Schaden überstehen, können sie im Reagenzglas befruchtet und der Frau eingesetzt werden. Inzwischen ist weitgehend gesichert, dass das Einfrieren die Qualität der Zellen nicht mindert.  

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Scharfe Kritik  

In Japan, den USA, Großbritannien und Deutschland wird diese Art der Fortpflanzungsvorsorge – auch „Social Freezing“ genannt – schon seit einigen Jahren praktiziert. Einige IT-Firmen in den USA bieten „Social Freezing“ sogar für ihre Mitarbeiterinnen an und wurden dafür auch scharf kritisiert. Priv.-Doz. Dr. Omar Josef Shebl, leitender Oberarzt am Kepler Universitätsklinikum in Linz, glaubt nicht, dass der Trend Österreich bald erreichen wird: „Nachfragen kommen hauptsächlich von Frauen über 40, denen der richtige Partner fehlt und die im Einfrieren der Eizellen eine der letzten Chancen auf Familiengründung sehen. Allerdings ist in diesem Alter die Qualität der Eizellen schon so reduziert, dass die Erfolgsquote niedrig ist. Jüngere Frauen denken hingegen kaum daran, ihre Eizellen zu konservieren, und sind auch kaum bereit, dafür 15.000 Euro und mehr zu bezahlen.“  

Ob sich mit dem Einfrieren von Eizellen tatsächlich neue Chancen und Möglichkeiten für Frauen auftun, die mehr Freiheit und Zeit für ihre persönliche Entwicklung und Lebensplanung haben möchten, ist und bleibt in Österreich also auch weiterhin ein umstrittenes Thema.

  

Mag. Cornelia Wernitznig

Juli 2016

  

Foto: shutterstock; privat

   

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Kommentar

Kommentarbild OA Priv.-Doz.Dr. Omar Josef Shebl, Abt. für Gynäkologie am Kepler Universitätsklinikum, Linz„Wir wenden die Methode an, um krebskranken Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen zu können, und haben damit gute Erfolge.“

OA Priv.-Doz. Dr. Omar Josef Shebl

Abt. für Gynäkologie am Kepler Universitätsklinikum, Linz

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020