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Kinder schreiben in der Klasse

Tipps zum Schulstart

Mit dem neuen Schuljahr beginnt für alle Schüler ihr „Arbeitsleben“. Der Umstieg von den Ferien hin zum frühen Aufstehen, Schule gehen und Hausaufgaben machen ist ebenso beschwerlich wie abrupt. Eltern können viel dafür tun, um ihrem Nachwuchs den Einstieg zu erleichtern. 

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Ausreichend Schlaf 

Genügend Schlaf ist Voraussetzung für gute schulische Leistungen. Wer in der Nacht nicht genug schläft, ist am Morgen unkonzentriert und hat spätestens am Nachmittag einen Energieeinbruch, Hausaufgaben und Lernen werden dann oft zur Qual. „Kinder und Jugendliche brauchen im Durchschnitt neun bis elf Stunden Schlaf, um wirklich fit und ausgeruht durch den Tag zu kommen. Die Realität sieht aber oft so aus: Am Abend wollen die Kinder so spät wie möglich schlafen gehen oder sie nehmen ihr Smartphone mit ins Bett. Das sollte man allerdings unbedingt unterbinden. Handy, Tablet, Laptop und Co haben nichts im Bett verloren, sie hindern die Kinder daran, müde zu werden. Wer sein Smartphone neben sich liegen hat, während er einschläft, wartet zumindest unbewusst auf Nachrichten seiner Freunde und schläft dann viel zu kurz und auch nicht tief“, sagt Mag. Marina Gottwald, Klinische Psychologin und Psychotherapeutin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Neuromed Campus der Kepler Universitätsklinik Linz. 

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Am Morgen kein Stress 

Eltern kennen die Situation: Sie müssen an Schultagen ihre Kinder früh am Morgen wecken. Zuerst kommen die „Kleinen“ nicht aus dem Bett, schon beim Schulsachen einpacken wird die Zeit knapp. Damit die Stunde nach dem Aufstehen nicht zum täglichen Stresshöhepunkt wird, sollte man folgendes beachten:

  • Das Kind am Abend frühzeitig ins Bett schicken, damit es zur Aufstehzeit im Idealfall zehn Stunden geschlafen hat.
  • Am Abend des Vortages die Schultasche packen und die Kleidung zurechtlegen.
  • Den kommenden Tag mit dem Kind abends gemeinsam durchgehen.
  • Wenn am nächsten Tag Herausforderungen (z.B. Prüfungen) anstehen, auch positive Ereignisse als Ausgleich schon am Vortag einbauen (z.B. gemeinsam Fußball spielen).
  • Morgenrituale einführen: Der morgendliche Ablauf sollte so gestaltet werden, dass es für das Kind eine logische und stets ähnliche Reihenfolge hat. Die geregelten Abläufe können so automatisiert und reibungsloser vom Kind immer selbstständiger durchgeführt werden.  
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Frühstück oder Jause 

„Beim Essen darf man den natürlichen Bedürfnissen eines Kindes vertrauen. Man sollte sie nicht zwingen, schon um sieben Uhr am Morgen zu essen. Das entspricht oft nicht dem Biorhythmus und ist für viele einfach zu früh“, sagt Gottwald. Wer noch nichts essen mag, dem sollte man eine zusätzliche Jause mitgeben. Am besten eine Jausenbox mit mundgerechtem Obst, Nüssen, Trockenfrüchten und Gemüse packen. Keinesfalls gezuckerte Getränke wie Cola, Eistee, Energydrinks oder Limonaden mitgeben. Getränke mit Koffein puschten für kurze Zeit auf, machen mittel- und langfristig aber müde, der Energielevel sinkt ziemlich rasch wieder ab und damit die Leistungsfähigkeit des Kindes. 

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Bewegung 

Man sollte täglich irgendeine Form von Bewegung in den Tagesablauf einbauen. Denn körperliche Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft des Gehirns. Bei Schulanfängern ist viel Bewegung oft sogar Voraussetzung, dass sie das ruhige Sitzen im Klassenzimmer aushalten. „Ich rate daher dazu, Kinder möglichst zu Fuß oder mit dem Rad, im Idealfall gemeinsam mit einem Freund, in die Schule zu schicken. Wenn es nicht anders möglich ist und man die Kinder mit dem Auto zur Schule bringen muss, sollte man sie zumindest 500 Meter vor der Schule aussteigen lassen, damit sie nicht dösend aus dem Auto direkt in die Schule gehen“, sagt die Kinder- und Jugendpsychologin. 

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Lernen bedeutet Arbeit 

Lernen bedeutet für das Gehirn oft Schwerstarbeit. Vor allem jüngere Kinder tun sich aufgrund der noch nicht ausgereiften Impulskontrolle oft schwer, still zu sitzen und aufmerksam zu sein, was zusätzlich Energie beansprucht. „Kinder sollen für die Leistungsbereitschaft gelobt werden und Anerkennung für ihre Bemühungen erhalten. Man erleichtert Kindern das Lernen, wenn man ihre natürliche Neugierde weckt, wenn sie Abwechslung erleben und möglichst viele Sinne miteinbezogen werden. Wenn man dagegen mit Angst (z.B. Strafandrohung, Enttäuschung) arbeitet, das Kind also unter Druck setzt, wird es schlechtere Erfolge erzielen, da das Gehirn unter Angst lerntechnisch nur schlecht funktioniert“, so Gottwald. 

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Erwartungen 

Man sollte die Erwartungen an das eigene Kind an dessen individuellen Leistungsfähigkeiten, Begabungen, persönlichen Interessen und Talenten orientieren. Auch ohne dass Eltern dem Kind direkt sagen, dass sie gute Leistungen erwarten, spürt das Kind die Erwartungshaltung der Eltern meist sehr deutlich. „Die Erwartungen der Eltern setzten ein Kind immer unter Druck. Eltern sollten sich stets selber fragen, ob die gesteckten Ziele realistisch sind und ob sie vom Kind selbst stammen oder ob sie von den Eltern gefordert werden, weil diese ein bestimmtes Berufsziel vor Augen haben“, sagt Gottwald. 

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Guten Kontakt zum Kind halten 

Sehr wichtig ist es, generell einen guten Kontakt zum Kind zu haben. Viel sprechen, ungeteilte Aufmerksamkeit, wertvolle Zeit, liebevolle Zuwendung und ehrliches Interesse für das Leben des Kindes ist eines der höchsten Güter und kann durch materielle Dinge nicht ersetzt werden. Dem Kind sollte klar sein, dass es jederzeit mit seinen Problemen zu Vater und Mutter kommen kann und soll. Hat das Kind Probleme in der Schule, sei es mit der Leistung oder durch Mobbing, so sollte es jemanden haben, mit dem es darüber sprechen kann, im Idealfall sind das Vater und Mutter. „Leider ist es oft so, dass gemobbte Kinder zuhause ihre Probleme verschweigen, weil sie ihre Eltern nicht belasten wollen oder sich vor den Konsequenzen fürchten“, sagt die Psychologin. 

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Sinn der Schule 

Viele Kinder und Jugendliche verstehen nicht, warum sie in die Schule gehen müssen und erkennen oft wenig Sinn darin. Ihnen sollte man vor Augen führen, dass Bildung ein Privileg ist, das, weltweit gesehen, vielen Kinder nicht zur Verfügung steht. Wenn sie verstehen, dass das Recht auf Bildung etwas Wertvolles ist und viele Türen zu einem erfüllten Leben öffnet, dann lehnen sie die Schule auch nicht kategorisch ab. Wichtig ist es, dass Eltern gemeinsam mit dem Kind attraktive Zukunftsperspektiven besprechen, die dem Kind ein Ziel, eine Motivation bieten. „Bei Jugendlichen in der Oberstufe eines Gymnasiums hilft oft ein Ferialjob im Sommer sehr gut, um ihnen vor Augen zu führen, dass es sich lohnt, eine gute Ausbildung auch abzuschließen, um nicht ein Leben lang gering bezahlte Aushilfsjobs wie diese machen zu müssen“, so die Psychologin. 

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Eltern sind Vorbild 

Ob ein Kind die Schule mit positiven Erwartungen oder mit Ängsten und Ablehnung besucht, hängt auch von den Eltern ab. Sie sind Vorbild und ihre Haltung zur Schule wird von den Kindern häufig übernommen. Vor allem bei jüngeren Kindern ist die Vorbildwirkung der Eltern sehr stark. Gottwald: „Will man, dass das Kind mit guten Gefühlen und ohne Ängste den Schulstart schafft, sollte man positiv über die Schule sprechen und nicht über Lehrer oder das Bildungssystem schimpfen.“

 

Dr. Thomas Hartl

September 2016


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020