DRUCKEN
Ragweed-Pollen Pflanze

Klimawandel löst neue Heuschnupfen-Welle aus

Der Klimawandel könnte für Allergiker eine neue Heuschnupfen-Welle bedeuten. Das zeigt ein aktueller Bericht des FP7-EU Projektes „Atopica“ unter maßgeblicher Mitarbeit der MedUni Wien, berichtet die Austria Presse Agentur (APA). Demnach könnte sich die Anzahl der Menschen, die aufgrund von Ragweed-Pollen an Heuschnupfen leiden, in nur 35 Jahren verdoppeln – von derzeit 33 auf 77 Millionen in ganz Europa. 

Die Forscher des FP7-Projekts (7. Rahmenprogramm der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration) „Atopica“ („Atopic diseases in changing climate, land use and air quality“ – Atypische Erkrankungen in verändertem Klima, Landnutzung und Luftqualität) nehmen an, dass der Klimawandel für zwei Drittel dieses Anstiegs verantwortlich ist. Höhere Ragweed-Pollen-Konzentrationen und eine längere Ragweed-Pollen-Saison können auch die Heftigkeit der Symptome verstärken. Mit dem Projekt befassen sich mehr als 10.000 Forscher in 39 Ländern inner- und außerhalb der EU. 

up

Allergischer Zustand 

Heuschnupfen ist ein allergischer Zustand, von dem bereits rund 40 Prozent der Europäer irgendwann einmal in ihrem Leben betroffen waren oder sind. Er wird durch Pollen ausgelöst – dazu gehört der Blütenstaub von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. „Pollenallergie ist weltweit ein großes Problem im öffentlichen Gesundheitswesen, und man weiß noch nicht genau, auf welche Art und Weise sich der Klimawandel hier auswirken wird“, fassen die Forscher zusammen.

„Dies ist die erste Studie, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Pollenallergie haben könnte. 

up

Ragweed 

Das Forschungsteam untersuchte potenzielle Auswirkungen auf die Verbreitung von Ragweed-Pflanzen, Pflanzenproduktivität, Pollenproduktion und -ausbreitung sowie die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Allergien in Europa. Ragweed ist eine Pflanze, die sich besonders rasch ausbreitet, ihre Pollen sind ein weitverbreitetes Allergen. Eine einzige Pflanze kann etwa eine Milliarde von Pollenkörnern pro Saison produzieren.

Das Forschungsteam hat Karten mit den geschätzten Ragweed-Pollenzählungen während der Pollensaison erstellt und sie mit Daten kombiniert, etwa wo Menschen wohnen und wie stark die Allergiebelastung in der Bevölkerung ist. Sie haben herausgefunden, dass sich die Anzahl der Menschen, die von Ragweed-Pollen betroffen sind, in Europa höchstwahrscheinlich von 33 auf 77 Millionen Menschen mehr als verdoppeln wird – und das schon bis ins Jahr 2050. 

up

In ganz Europa 

Dr. Michelle Epstein, Atopica-Koordinatorin der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Dermatologie, meint: „Die Ragweed-Pollenallergie wird zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit quer durch ganz Europa und breitet sich auch in Gegenden aus, wo dies derzeit noch selten der Fall ist. Das Problem wird sich in Ländern mit einem bereits existierenden Ragweed-Problem, wie in Ungarn und Kroatien, möglicherweise noch verstärken, aber auch in Deutschland, Polen und Frankreich.“ Höhere Pollen-Konzentrationen und eine längere Ragweed-Pollensaison können auch den Schweregrad der Symptome verstärken. Die aktuellen Prognosen weisen darauf hin, dass die Ragweed-Saison in den meisten Teilen Europas von Mitte September bis Mitte Oktober andauern wird. 

up

Allergie als wirtschaftliche Belastung 

Epstein: „Die jährliche, wirtschaftliche Belastung durch Allergie-Erkrankungen in der EU wird derzeit bereits auf 55 bis 151 Milliarden Euro geschätzt, eine immer höhere Pollenbelastung wird noch höhere Kosten verursachen.“ Das richtige „Management“ dieser invasiven Pflanze könnte die Anzahl der Menschen, die davon betroffen sind, auf etwa 52 Millionen senken, während ein Szenario mit einer sehr schnellen Pflanzeninvasion die Anzahl der betroffenen Menschen auf ungefähr 107 Millionen ansteigen ließe, so das Ergebnis der Studie. Die Kontrolle von Ragweed sei daher enorm wichtig für das öffentliche Gesundheitswesen und auch wesentlich als Anpassungsstrategie gegen die Auswirkungen des Klimawandels. 

„Man muss aber auch betonen, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels nicht auf Ragweed beschränken und dass eine ganze Reihe von anderen pollenproduzierenden Pflanzenarten möglicherweise auch davon betroffen ist. Unsere Methoden bieten einen Rahmen für andere Studien, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pollenallergie bei anderen Pflanzenarten untersuchen“, so Epstein.

 

Mag. Christian Boukal / APA

Oktober 2016

 

FOTO: Ragweed, APA (OTS/Follak)

Zuletzt aktualisiert am 11. Oktober 2016