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Frau wird mit CT untersucht

Osteoporose: Vermeiden, was die Knochen anknabbert

Unsere Lebenserwartung liegt derzeit für Frauen im Schnitt bei 84 und bei Männern knapp über 79 Jahren; Tendenz steigend. Damit die gesunden Jahre mehr werden, kann jeder seinen Teil beitragen. Ab 30 geht es mit der Knochendichte, ab 40 auch mit der Muskelmasse, langsam bergab. Regelmäßige Bewegung, kalziumreiche Kost und achtsamer Umgang mit bestimmten Medikamenten hilft, der Osteoporose vorzubeugen. 

Osteoporose ist, laut WHO, eine der zehn bedeutendsten schweren Erkrankungen. Diese systemische Erkrankung des Skelettapparats verursacht großes persönliches Leid und hohe Kosten im Gesundheitssystem. Neben den ausgeprägten Schmerzen sind Frakturen, Immobilität und darauffolgende soziale Isolation mit unbehandeltem Knochenschwund verbunden. „Die Osteoporose wird auch die Knochenbruch-Krankheit genannt, weil sie das Frakturrisiko erhöht. Vor allem Brüche von Wirbelkörper und Oberschekel bringen viel Leid mit Pflegebedürftigkeit mit sich“, sagt Prim. Univ.-Prof. Michael Gabriel, Leiter des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie im Kepleruniversitätsklinikum in Linz. 

Ab 70 sind beide Geschlechter gleich betroffen 

Ausdauersport hilft nicht nur Osteoporose hintanzuhalten, sondern auch Herzkrankheiten, Zuckererkrankung, Schlaganfall, Krebs und chronischen Lungenerkrankungen vorzubeugen sowie die Muskelkraft und -masse zu erhalten.

Jede dritte Frau nach dem Wechsel und jeder achte Mann ab 50 leiden an Osteoporose. Sie ist dadurch charakterisiert, dass die Abnahme der Knochenmasse die alters- und geschlechtsspezifischen Normwerte übersteigt. Durch die niedrige Knochendichte und den Verfall der Mikroarchitektur des Knochengewebes steigt das Bruchrisiko. Eine genetische Komponente, Rauchen, zu viel Alkohol, Mangelernährung, Bewegungsmangel, hormonelle Veränderung im Wechsel und die Langzeitgabe von bestimmten Medikamenten gelten als Risikofaktoren. Das Verhältnis zwischen betroffenen Frauen und Männern beträgt 3 zu 1. Ab 70 sind aber beide Geschlechter annähernd gleich betroffen. 

Knochenschwund ist untertherapiert 

Nur 20 Prozent der Erkrankten sind richtig diagnostiziert und nur die Hälfte wird korrekt behandelt. Von diesen brechen innerhalb eines Jahres 50 Prozent die Therapie ab. Kurzum: Die Osteoporose ist untertherapiert!

Ärzte raten jeder Frau während des Wechsels ihre Knochendichte mittels Osteodensiometrie bestimmen zu lassen, um einen Ausgangswert für spätere Untersuchungen zu haben.

Zu den Therapieoptionen gehören Medikamente wie Bisphosponate, Parathormine, Strontiumrenalat und Biologicals. Knochenstarke Ernährung mit Kalzium, Vitamin D und regelmäßige Bewegung sind Schutzfaktoren. Menschen, die längere Zeit liegen müssen oder nicht mehr viel an die frische Luft kommen, sollen Vitamin D-Präparate einnehmen. 

Medikamente, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen 

Zu den Risikopatienten für Osteoporose gehören auch Menschen, die über längere Zeit bestimmte Medikamente einnehmen müssen, die den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen. „Es soll niemand, der genannte Wirkstoffe verschrieben bekommt, in Panik geraten. Der behandelnde Arzt wird immer Risiko und Nutzen abwägen. Aber Bewusstseinsbildung ist auch bei den Patienten sinnvoll, damit sie selbstverantwortlich achtsam mit bestimmten Arzneien umgehen. Zum Beispiel wissen viele nicht, dass man Magenschutzpräparate nicht prophylaktisch zu jedem Medikament dazu nehmen soll“, sagt Nuklearmediziner OA Dr. Markus Klinger vom Kepler Universitätsklinikum.

  • Corticosteroide: Die längere Einnahme von solchen Präparaten ist zum Beispiel bei Neurodermitis oder Rheumaerkrankungen angezeigt. Wer eine Tagesdosis von mehr als 7,5 mg über mehr als drei Monate hindurch zuführt, muss mit einer negativen Wirkung auf die Knochendichte rechnen. Problematisch kann das für Patienten werden, deren Knochendichte schon verringert ist oder die knapp davor sind. Klinger: „Zu Beginn einer Hochdosistherapie mit Cortison ist es ratsam, die Knochendichte zu messen. Innerhalb eines Jahres kann diese vom Normbereich in den krankheitswertigen abfallen. Leider passiert der Knochenabbau drei- bis viermal schneller als der Knochenanbau.“ Alter, Rauchen, Alkoholgenuss sind zusätzliche Aspekte, die bei solchen Therapien mitbedacht werden müssen.


„In Fachkreisen wird diskutiert, ob auch die inhalative Cortisontherapie, die manchen chronisch Lungenkranken verordnet wird, systemische Auswirkung haben kann. Beweise gibt es noch keine“, sagt Klinger.

Je nach Ausgangswert kann es sinnvoll sein, eine Osteoporosetherapie zur Cortisonbehandlung einzuleiten. Die gute Nachricht ist, dass das Skelettsystem positiv beeinflussbar ist und eine Reparaturfunktion hat.

  • Hochdosierte Schilddrüsenhormone: Diese müssen nach der Entfernung der Schilddrüse nach einem Karzinom eingenommen werden. Auch unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion kann die Knochen schwächen.
  • Protonenpumpenhemmer (Magenschutzpräparate): Sie werden etwa bei einer Infektion mit Helicobacter-Bakterien oder bei der Gabe von Cortisontabletten verschrieben. Magenschoner stören die Aufnahme von Kalzium.
  • Marcoumar: Wenig bekannt ist, dass sich bei dazu veranlagten Patienten wie etwa Diabetikern, nach monate- oder jahrelanger Anwendung des Blutgerinnungsmittels (Antikoagulans) Marcoumar auch Knochenschwund entwickeln kann. Daher sollte die Knochendichte bei Dauereinnahme kontrolliert werden. Vitamin-K-Antagonisten, zu denen Marcoumar gehört, vermindern die Knochendichte, da Vitamin K für die Reifung der Knochenmatrix, sprich den Einbau von Kalzium in den Knochen notwendig ist.
  • Psychopharmaka: Lithium, das zum Beispiel bei akuten Depressionen, Psychosen und Cluster-Kopfschmerz verschrieben wird, kann zu erhöhten Parathormon-Spiegeln führen und die Osteoporose begünstigen.
  • Zytostatika: Patienten, die Chemotherapie erhalten, sollten ihre Knochendichte im Auge behalten.

 

Prostatakrebs, entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Alkoholkrankheit und Magersucht sind Erkrankungen, die eine Osteoporosegefahr bergen. 

Tipps für einen gesunden Knochenstoffwechsel 

Man kann in jedem Alter etwas für sein Skelettsystem tun:

  • Alkohol- und Tabakkonsum vermeiden
  • Ausreichender Aufenthalt im Freien
  • Regelmäßige Bewegung mit Kraft- und Ausdauerprogramm

Man soll die Muskeln kräftigen und dehnen, Koordination und Gleichgewicht verbessern. Moderates Krafttraining, Laufen, Wandern, Walken, aber auch Tanzen werden empfohlen.

  • Ernährung

Kalziumreiche Ernährung, wobei das Kalzium auf mehrere Mahlzeiten aufgeteilt wird, und ausreichende Vitamin-D-Versorgung sind nötig. Kalziumreich sind Milch und Milchprodukte, Gemüse, kalziumreiches Mineralwasser, Brombeeren, Himbeeren, Kiwis, Johannisbeeren, Trockenobst, Brokkoli, Sellerie, Kohl, Lauch etc. Ein Glas Milch oder Buttermilch plus ein Becher Joghurt und drei Blatt Käse decken den täglichen Kalziumbedarf ab.

Vitamin D ist für die Aufnahme des Kalziums aus dem Darm und dessen Einbau in den Knochen wichtig. Der Körper stellt dieses fettlösliche Vitamin zwar zum größten Anteil mithilfe von Sonneneinstrahlung selbst in der Haut her, aber auch eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung ist bedeutend. Es wird daher empfohlen, pro Woche zwei Fischmahlzeiten zu verzehren. Bevorzugen sollte man fetten Fisch wie Hering, Lachs, Makrele oder Thunfisch. Auch Leber, Eidotter und Margarine sind Vitamin D-Träger.

  • Untergewicht vermeiden

Vor allem Essstörungen wie Magersucht und Bulimie erhöhen das Risiko für Osteoporose. Durch das Hungern verbraucht der Körper Fettreserven und der Körper wird dabei übersäuert. Um diesem Vorgang entgegenzuwirken, wird viel Kalzium verbraucht. Der größte Kalziumspeicher sind die Knochen. Ihnen wird das Kalzium entzogen und das schwächt sie. Eine einseitige Diät bringt auch zusätzlich oft noch eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen, Kalzium und Vitamin D.

 

Mag. Christine Radmayr

Jänner 2017


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020