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Impfplan für Frauen

Impfplan für Frauen

Impfen ist eine wichtige Form der Prävention. Das gilt nicht nur Kinder, sondern auch für Erwachsene. Vielen ist das nicht ausreichend bewusst. Auch Frauen nicht, obwohl diese vor und während einer Schwangerschaft ganz besonders vor Infektionen geschützt werden sollten. Frauenärzten kommt somit eine Schlüsselrolle bei der Prävention von Infektionskrankheiten zu. 

Die ESIDOG (European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology) hat daher auf Basis des allgemeinen Impfplanes einen eigenen Impfplan für Frauen erstellt, um die bestehenden Impfempfehlungen auf die eigene Lebenssituation anzuwenden. Die Frauenärzte sollen dabei helfen. 

„Viele – vor allem junge – Frauen gehen nicht regelmäßig zum Arzt – außer zum Frauenarzt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Herbert Kiss, ärztlicher Direktor der Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus und Präsident der ESIDOG. „Somit ist er der ideale Ansprechpartner, um auch über Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen zu sprechen.“ Auch die WHO empfiehlt, dass jeder Arztbesuch dazu genutzt werden soll, den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls die notwendigen Impfungen aufzufrischen oder zu verabreichen. 

Kompakter Plan nur für Frauen 

Die ESIDOG, also jene gynäkologisch-wissenschaftliche Fachgruppe, die sich speziell mit Infektionen und deren Vorbeugung bei der Frau beschäftigt, hat nun gemeinsam mit dem Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller einen kompakten Impfplan nur für Frauen herausgebracht, der auf einen Blick zeigt, welche Impfungen gerade anstehen. Über Umwege soll dieser auch Männer zum Impfen bewegen. Experten erwarten nämlich, dass viele Frauen ihr – über den Frauenimpfplan erworbenes – Wissen rund um das Thema Impfen an Familie und Freunde weitergeben und so zur allgemeinen Aufklärung beitragen. 

Impfungen in und vor der Schwangerschaft 

Ganz besonders widmet sich der Frauenimpfplan den Impfungen in der Schwangerschaft. Während dieser gilt: Es sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig geimpft werden. „Eine werdende Mutter ist besonders anfällig für Infektionen, da das Immunsystem in dieser Zeit verändert wird“, erläutert Kiss. Noch dazu verlaufen Infektionen oft auch wesentlich schwerwiegender als bei nicht schwangeren Frauen. Ein weiterer wichtiger Grund für Impfungen während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist der sogenannte Nestschutz. Dieser kommt dadurch zustande, dass während der Schwangerschaft über den Mutterkuchen mütterliche Antikörper übertragen werden. Dadurch wird das Neugeborene mit-immunisiert und somit vor einer Infektion geschützt.

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten außerdem schon vorher alle notwendigen Impfungen auffrischen („prepare for pregnancy“), insbesondere Masern-Mumps-Röteln (MMR) und Varizellen (Feuchtblattern), da diese in der Schwangerschaft nicht empfohlen sind. 

Ausbaufähige Erfolgsgeschichte: Impfung gegen HPV 

Bei der HPV-Impfung (Humanes Papilloma-Virus) ist vor zwei Jahren ein großer Meilenstein erreicht worden. Ein 2015 zugelassener Impfstoff kann nun erstmals 90 Prozent aller durch das Virus verursachten Karzinome verhindern. Derzeit wird die Impfung allen Mädchen und Buben zwischen dem neunten und zwölften Geburtstag im Rahmen des Gratis-Kinderimpfprogrammes angeboten. Bis zum 15. Lebensjahr kann zu einem vergünstigten Preis nachgeimpft werden. „Aktuell liegt die Durchimpfungsrate bei Kindern bis elf Jahre trotz des guten Programmes bei nur knapp 60 Prozent. Eine 80-prozentige Durchimpfungsrate wäre allerdings notwendig, um das Virus flächendeckend zu eliminieren“, erzählt Univ. Prof. Dr. Elmar Joura von der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Universitätsklink für Frauenheilkunde in Wien und Mitentwickler des neuen Impfstoffes.

Frauen und Mädchen im sexuell aktiven Alter, die bisher nicht geimpft wurden, wird angeraten, das nachzuholen. Wünschenswert wäre, wenn alle Frauenärzte dies beim jährlichen Routine-Kontrollbesuch empfehlen würden. Denn: „Je breiter ein Catch-up-Programm angelegt ist, desto eher sieht man die Erfolge“, erläutert Joura.

Fortschritte hat es in den vergangenen Jahren nicht nur beim Impfstoff gegeben, sondern auch bei den Screening-Methoden. Daher sollte der bisherige „PAP-Test“ nun bei Frauen ab 30 durch einen wesentlich aussagekräftigeren primären HPV-Test ersetzt oder ergänzt werden. 

Gefährliche Impflücken bei Masern 

Ebenfalls erfolgreich, leider aber nicht in ausreichendem Maße, ist die Masernimpfung. „Die geforderte Durchimpfungsrate für die erste Masern-Mumps-Röteln-Teilimpfung (MMR) wird bei Kindern erst im Alter von etwa sechs Jahren erreicht, bei der zweiten gar nicht – sie liegt etwa 10 Prozentpunkte darunter. Auch bei Erwachsenen gibt es große Defizite in den Durchimpfungsraten“, erzählt Ing. Dr.in Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien. Um tatsächlich einen Herdenschutz zu erreichen, wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent in der Gesamtbevölkerung notwendig.

„Gerade vor einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen unbedingt darauf achten, gegen Masern geimpft zu sein“, betont die Virologin. „Denn in dieser Zeit ist ein besonders schwerer Verlauf der Erkrankung wahrscheinlicher als bei nicht schwangeren Frauen. Lungenentzündungen sind eine häufige Komplikation.“ Außerdem kann eine Infektion Fehlgeburten verursachen, in späteren Monaten Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht des Neugeborenen. Im letzten Trimenon kann es auch zu einer Ansteckung des Babys kommen. Nicht geimpfte Schwangere können ihrem Kind außerdem keinen Nestschutz verleihen.

 

Der Impfplan für Frauen ist online unter http://www.esidog.at/impfplan-fuer-frauen/ abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / ESIDOG

Dezember 2017

 

Foto: ESIDOG

 

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020