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Bauarbeiter

Beruf und früher Tod: Fabrikarbeiter und Reinigungskräfte

Ärzte, Lehrer und Manager gehören zu den Berufsgruppen, die das geringste Risiko für frühzeitigen Tod haben. Hilfsarbeiter im Rohbau, Reinigungskräfte und Fabrikarbeiter haben dagegen das höchste Risiko, frühzeitig zu sterben, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. 

Zu diesem Ergebnis kommt eine britische Studie, die Daten aus England, Wales und Schottland ausgewertet hatte. Sie wurde jetzt in der Fachzeitschrift Lancet Public Health veröffentlicht. „Je nach Beruf fallen die Sterberaten sehr unterschiedlich aus“, kommentiert Studienautor Dr. Srinivasa Vittal Katikireddi von der Social and Public Health Sciences Unit der University of Glasgow wenig erstaunlich. 

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Untersuchungszeitraum 

Katikireddi und seine Kollegen sichteten die Daten von Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren anhand von Volkszählungs- und Sterbeaufzeichnungen. Der ausgeübte Beruf wurde in der Volkszählung von 2001 in 63 Gruppen untergliedert, die Fortsetzung dauerte bis zum 31. Dezember 2011.

Ziel der Studie war, die berufsbedingte Sterblichkeit im Vereinigten Königreich, die Unterschiede zwischen England/Wales und Schottland und die Veränderungen im Laufe der Zeit in Schottland zu bewerten. Berechnet wurden die altersstandardisierten Sterberaten (pro 100.000 Personenjahre). 

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Gesundheitsberufe leben am längsten 

Unter den Männern in England und Wales wiesen Angehörige von Gesundheitsberufen – Ärzte, Zahnärzte, Psychologen, Pharmazeuten, Augenoptiker und Tierärzte – die niedrigste Sterberate auf (225 Todesfälle pro 100.000 Personenjahre). Aber auch Manager und Lehrer verzeichneten niedrige Raten.

Die höchsten Sterberaten wiesen Arbeiter im Rohbau auf (701 Todesfälle pro 100.000 Personenjahre), Arbeiter in der Hauswirtschaft (567), im Bekleidungshandel (569) und männliche Reinigungskräfte (592).

Vergleicht man Schottland mit England und Wales, dann waren die Sterberaten in den ohnehin gesundheitlich benachteiligten Berufsgruppen – also am Bau und bei den Reinigungskräften – in Schottland höher: Über Simulationsmodelle errechneten Katikireddi und seine Kollegen, dass es in Schottland dadurch zusätzlich zu 631 Todesfällen bei Männern und 273 Todesfällen bei Frauen kommt. 

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Art des Berufs beeinflusst Gesundheit 

„Mit der Analyse der berufsbedingten Sterblichkeit lenken die Forscher die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Aspekt: nämlich darauf, wie die Art unseres Berufs unsere Gesundheit beeinflusst“, schreibt Dr. Edmund Jessop, medizinischer Berater beim National Health Service (NHS) in London, in einem begleitenden Kommentar. Und fährt fort: „Die Analyse führt zu interessanten Ergebnissen und zeigt, dass das Risiko, frühzeitig zu sterben, je nach Beruf stark variiert. Die Analyse zeigt auch, dass sich das Risiko eines frühzeitigen Todes in vielen Berufsfeldern zwar deutlich verringert hat. Es gibt aber immer noch Berufsgruppen, in denen das Gegenteil der Fall ist.“

„Künftige Forschung sollte sich den spezifischen Todesursachen in den speziellen Berufsgruppen zuwenden. Das ist nicht nur im Hinblick auf die Folgen wichtig, die prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf die Gesundheit haben, sondern auch aufgrund der Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen in diesen Berufsgruppen zu verbessern“, bilanziert Katikireddi.

 

Der gesamte Artikel wurde am 8. November 2017 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

Jänner 2018


Bild: shutterstock 

Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2018