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Frau hat kalte Hände

Weiß und kalt

Wer bei Kälte oder Stress schneeweiße und gefühllose Finger bekommt, könnte das Raynaud-Syndrom haben – wenig charmant auch „Leichenfinger“ genannt. 

Seinen Namen hat das Syndrom vom französischen Arzt Maurice Raynaud, der dieses Phänomen erstmals entdeckt und erforscht hat. „Es ist eine nervöse Regulationsstörung“, erklärt Dr. Wolfgang Wandschneider, medizinischer Leiter der Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Klagenfurt. Dabei werden die Arterien der Endglieder von Händen, manchmal auch Füßen bei Kälte oder Stress nicht ausreichend mit Blut versorgt. Finger und Zehen werden in der Folge weiß und gefühllos. Beim „Auftauen“ können auch starke Schmerzen auftreten. 

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Berufskrankheit 

Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Raynaud-Syndrom. „Das primäre sehen wir in der Gefäßambulanz, das sekundäre meist bei Untersuchungen für Gutachten zur Berufsunfähigkeit“, sagt der Arzt. Ersteres ist äußerst selten – Wandschneider schätzt es auf unter ein Prozent der Bevölkerung. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt. Man weiß nur, dass der Sympathikus-Nerv auf gewisse Reize überreagiert und so die Verengung der Endarterien bewirkt. Aber warum er das macht, hat man noch nicht herausgefunden. 

Das primäre Raynaud-Syndrom ist prinzipiell harmlos. Betroffene – es trifft am ehesten Frauen zwischen Pubertät und jungem Erwachsenenalter – sollten in der kalten Jahreszeit als Prophylaxe die Extremitäten warm halten. Das heißt: weite, bequeme Schuhe, in die auch warme Socken passen, und dicke Fäustlinge anstelle von Fingerhandschuhen. Wer sich durch das primäre Raynaud-Syndrom sehr belastet fühlt, hat die Möglichkeit den Grenzstrang des Sympathikus durchschneiden zu lassen. Dieser Eingriff verspreche auch in der Anfangsphase des sekundären Typs Erfolg. „Allerdings werden dadurch die Hände warm und trocken“, schildert der Arzt. 

Das sekundäre Raynaud-Syndrom wird durch äußere Umstände verursacht. Das kann die Arbeit mit stark vibrierenden Maschinen wie einem Presslufthammer oder einer Rüttelplatte sein, daher ist dieses Phänomen auch eine anerkannte Berufskrankheit. Aber auch verschiedene chemische Stoffe oder ein Suchtmittelmissbrauch können ein sekundäres Raynaud-Syndrom auslösen.  

Zur Diagnose werden die betroffenen Körperteile Kältereizen ausgesetzt. Werden sie weiß, sieht man im Angiogramm jedoch eine völlig normale Durchblutung, handelt es sich um das primäre Raynaud-Syndrom. Während in diesem Fall auch meist alle Finger gleich reagieren, sind beim sekundären einzelne Glieder stärker in Mitleidenschaft gezogen und in der Angiographie deutliche Ablagerungen und verschlossene Arterien erkennbar. Auch kann man hier gut unterscheiden, ob es sich dabei um die oben zitierte Berufskrankheit oder die Begleiterscheinungen starken Rauchens handelt. Denn im ersten Fall haben nur die betroffenen Glieder Durchblutungsstörungen, im zweiten sind auch in anderen Arterien Schädigungen feststellbar. 

Die Therapie sei schwierig, meint Dr. Wolfgang Wandschneider. Voraussetzung sei das Ausschalten der Ursache, also der krankmachenden Tätigkeit. Auch auf das Rauchen sollte man verzichten, um das Krankheitsbild nicht weiter zu verschlechtern. Infusionen mit Prostaglandinen wirken stark gefäßerweiternd und bringen kurzzeitige Linderung. „Aber die Wirkung hält leider nicht lang an“, erklärt der Arzt. Die Schädigung bilde sich nicht zurück, man könne durch die genannten Maßnahmen allerdings ein Fortschreiten der Krankheit vermeiden.

 

Monika Unegg

Dezember 2018

 

Bild: shutterstock

 

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Kommentar

Weiß und kalt Kommentarbild Prim Dr. Wandschneider Wolfgang „Die Ursachen für das primäre Raynaud-Syndrom sind unbekannt. Die sekundäre Form ist eine anerkannte Berufskrankheit.“

Dr. Wolfgang Wandschneider MAS

Leiter der Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Klagenfurt

Zuletzt aktualisiert am 27. Dezember 2018