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Tarifsystem

Stand: 1.1.2019


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Aufbau des Tarifsystems

Das neue Tarifsystem ist modular gestaltet. Es setzt sich aus drei aufeinander aufbauenden Bestandteilen zusammen:

  • Beschäftigtengruppe (z. B. Arbeiter, Angestelltenlehrlinge)
  • Ergänzungen zur ­Beschäftigtengruppe (z. B. Nachtschwerarbeits-Beitrag)
  • Abschläge/Zuschläge (z. B. Auflösungsabgabe)


Die Beschäftigtengruppe bildet dabei die Basis des neuen Tarifsystems. Jeder Versicherte wird der jeweiligen Beschäftigtengruppe zugeordnet. Die Ergänzungen zur Beschäftigtengruppe und/oder die Abschläge/Zuschläge vermindern bzw. erhöhen bei Bedarf den der jeweiligen Beschäftigtengruppe zu Grunde liegenden Basisprozentsatz an zu entrichtenden Beiträgen. 

Im Zusammenspiel mit den unterschiedlichen in der Lohnverrechnungssoftware definierten Verrechnungsbasen (allgemeine Beitragsgrundlage, Sonderzahlung etc.) werden die jeweils zu entrichtenden Beiträge ermittelt. Dadurch wird dem Umstand Rechnung getragen, dass beispielsweise von Sonderzahlungen - anders als von der allgemeinen Beitragsgrundlage - kein Wohnbauförderungsbeitrag, keine Arbeiterkammerumlage und keine Landarbeiterkammerumlage (Ausnahme: Kärnten) zu leisten ist. Diese Systematik gelangt auch bei den Ab- und Zuschlägen zur Anwendung.

Info

Versicherte bei der BVA und der VAEB

Für die bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVA) und der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) versicherten Personen existieren gesonderte Beschäftigtengruppen samt den notwendigen Ergänzungen und Ab- sowie Zuschlägen.

Beschäftigtengruppe

Sämtliche aus melde-, versicherungs- und beitragsrechtlicher Sicht gleich zu behandelnden Versicherungsverhältnisse werden im neuen Tarifsystem zu einer Beschäftigtengruppe zusammengefasst. Entsprechende Beschäftigtengruppen existieren z. B. für Arbeiter, Angestellte, Angestelltenlehrlinge, geringfügig Beschäftigte  und für freie Dienstnehmer. 

Jede dieser Beschäftigtengruppen normiert für die von ihr umfassten Versicherten folgende Grundeigenschaften:

  • Umfang der Pflichtversicherung (Kranken-, Unfall-, Pensions- und/oder Arbeitslosenversicherung),
  • Zugehörigkeit zur Pensionsversicherung der Arbeiter oder Angestellten,
  • Zugehörigkeit zur Arbeiter- bzw. Landarbeiterkammer,
  • Beitragspflicht und Beitragssatz in der Kranken-, Unfall-, Pensions- und/oder Arbeitslosenversicherung sowie zur Arbeiter- bzw. Landarbeiterkammerumlage, zum Wohnbauförderungsbeitrag und/oder zum Zuschlag nach dem Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz.


Die Beschäftigtengruppe legt somit den Regelfall für die Beitragsabrechnung einer bestimmten Gruppe von Versicherten fest. Im Unterschied zu den bis 31.12.2018 gültigen Beitragsgruppen beinhaltet die Beschäftigtengruppe auch sämtliche sonstige für den Versicherten zu entrichtende Nebenbeiträge/Umlagen. Eine Beurteilung, ob bzw. welche sonstigen Beiträge anfallen, ist künftig nicht mehr erforderlich.

Der Beitrag für die Betriebliche Vorsorge als arbeitsrechtliche Besonderheit ist für Personen, die der öster­reichischen Sozialversicherungspflicht unterliegen, nicht in der Beschäftigtengruppe enthalten. Er wird in der mBGM grundsätzlich als eigene Verrechnungsposition mit eigener Verrechnungsbasis - es gilt bekanntlich weder die tägliche noch monatliche Höchstbeitragsgrundlage - berücksichtigt. 

Im Einzelfall bestehende Besonderheiten - es ist z. B. abweichend vom Regelfall zusätzlich der Beitrag nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz zu entrichten - werden durch die Ergänzungen zur Beschäftigtengruppe und/oder die Abschläge/Zuschläge berücksichtigt. Für die Mehrzahl der Versicherten wird allerdings die Angabe der jeweiligen Beschäftigtengruppe ausreichen.

Die Beschäftigtengruppen sind darüber hinaus so aufgebaut, dass sie branchenspezifisch zugeordnet ­werden können. So muss die Beschäftigtengruppe für Landarbeiter bei der Lohnverrechnung eines Gewerbebetriebes von vornherein nicht berücksichtigt werden. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich in der Lohnverrechnungssoftware nur jene Beschäftigtengruppen anzeigen zu lassen, denen tatsächlich für den jeweiligen Dienstgeber praktische Bedeutung zukommt. Ein übersichtliches und transparentes System wird dadurch gewährleistet.

Ergänzung zur Beschäftigtengruppe

Mit der Ergänzung zur Beschäftigtengruppe werden für bestimmte Versicherte versicherungs- und beitragsrechtliche Besonderheiten berücksichtigt. Sofern notwendig, ist mit der personenbezogenen mBGM zusätzlich zur Beschäftigtengruppe auch die jeweils in Frage kommende Ergänzung zu melden. Dies kann zu einer Erhöhung oder Verminderung der abzurechnenden Beiträge führen. 

Nachfolgend die in der Praxis wohl am häufigsten vorkommenden Situationen, die die Angabe einer Ergänzung zur Beschäftigtengruppe erfordern:

  • Der Nachtschwerarbeits-Beitrag ist zu entrichten.
  • Der Schlechtwetterentschädigungsbeitrag fällt an.

Abschläge/Zuschläge

Die Ab- und Zuschläge stellen die dritte Säule des neuen Tarifsystems dar. Sie ersetzen im Wesentlichen die bisherigen Verrechnungsgruppen. Je nach vorliegendem Sachverhalt sind pro Versichertem mehrere Ab- und Zuschläge möglich. Eine Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten ist dabei nicht notwendig. 

Die nachstehende Tabelle beinhaltet die häufigsten Ab- und Zuschläge. Besonderheiten, die nur für bestimmte Dienstgeber gelten (z. B. Institutionen, die Entwicklungshelfer beschäftigen) oder regionale Besonderheiten betreffen (z. B. Zuschlag Landarbeiterkammerumlage für Sonderzahlungen in Kärnten), sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht berücksichtigt.

Auswirkung Beschreibung des Ab- bzw. Zuschlages
Abschlag einkommensabhängige Minderung der Arbeitslosenversicherung um 1 % (A01)
Abschlag einkommensabhängige Minderung der Arbeitslosenversicherung um 2 % (A02)
Abschlag einkommensabhängige Minderung der Arbeitslosenversicherung um 3 % (A03)
Abschlag einkommensabhängige Minderung der Arbeitslosenversicherung um 1,20 % für Lehrlinge (A04)
Abschlag einkommensabhängige Minderung der Arbeitslosenversicherung um 0,20 % für Lehrlinge (A05)
Abschlag Entfall des Wohnbauförderungsbeitrages für Neugründer (A07)
Abschlag Entfall des Unfallversicherungsbeitrages für Neugründer (A08)
Abschlag Entfall des Unfallversicherungsbeitrages für Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben (A09)
Abschlag Entfall des Arbeitslosenversicherungsbeitrages und des Zuschlages nach dem Insolvenz-Entgelt­sicherungsgesetz1 (A10)
Abschlag Entfall des Arbeitslosenversicherungsbeitrages für Personen, die nicht dem Insolvenz-Entgelt­sicherungsgesetz unterliegen1 (A12)
Abschlag Bonussystem - Altfall bei Einstellung und Vollendung des 50. Lebensjahres vor dem 1.9.2009 (A11)
Abschlag Halbierung des Pensionsversicherungsbeitrages (A15)
Abschlag Reduktion der Schlechtwetterentschädigung (A21)
Abschlag Entfall des Arbeitslosenversicherungsbeitrages für Lehrlinge in bestimmten, nichtbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen ("Altfälle" A13, "Neufälle" A14)
Zuschlag Dienstgeberabgabe (Pensions- und Krankenversicherungsbeitrag, Z01)
Zuschlag Service-Entgelt (Z02)
Zuschlag Auflösungsabgabe (Z03)
Zuschlag jährliche Zahlung der Betrieblichen Vorsorge (Z04)
Zuschlag Weiterbildungsbeitrag nach dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (Z05)
Zuschlag Krankenversicherungsbeitrag für die Schlechtwetterentschädigung (Z06)
Zuschlag Krankenversicherungsbeitrag für die Schlechtwetterentschädigung für Lehrlinge (Z11)

 1 Bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen für bestimmte Pensionen bzw. spätestens nach Vollendung des 63. Lebensjahres.

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Wechsel vom Alt- zum Neusystem

Das neue Tarifsystem soll in die Lohnverrechnungsprogramme integriert werden. Dies ist in der Form geplant, dass in Abhängigkeit von der jeweiligen Branche nur die für den Betrieb tatsächlich relevanten Beschäftigtengruppen samt deren Ergänzungen sowie Ab- und Zuschlägen gefiltert abgerufen werden können.

Der Umstieg von den bis Ende 2018 gültigen Beitragsgruppen auf das neue Tarifsystem soll durch die jeweilige Lohnverrechnungssoftware automationsunterstützt erfolgen. Die Software-Anbieter werden dabei von der Sozialversicherung nachhaltig unterstützt. Wesentlich ist, dass ab 1.1.2019 jeder Versicherte auf das neue Tarifsystem umgestellt wird. Dies geschieht durch die Vorlage einer entsprechenden monatlichen Beitragsgrundlagenmeldung (mBGM). 

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Beispiele zum Tarifsystem

Die nachstehenden Beispiele verdeutlichen den Unterschied zwischen den Meldeverpflichtungen bis 31.12.2018 im Vergleich zum neuen Tarifsystem ab 1.1.2019.

Beispiel 1:
Ein 25-jähriger Arbeiter mit einem Entgelt in Höhe von € 2.000,00 wird beschäftigt.

Bis 31.12.2018 zu melden:

Ab 1.1.2019 zu melden:

Beitragsgruppe = A1

Arbeiterkammerumlage = ja

Wohnbauförderungsbeitrag = ja

Schlechtwetterentschädigungsbeitrag = nein

Zuschlag nach dem Insolvenz-Entgelt­sicherungsgesetz = ja

Nachtschwerarbeits-Beitrag = nein

Beschäftigtengruppe = Arbeiter


Beispiel 2: Ein 30-jähriger Arbeiter mit einem Entgelt von € 1.500,00 wird im November beschäftigt. Er verrichtet Nachtschwerarbeit.

Bis 31.12.2018 zu melden:

Ab 1.1.2019 zu melden:

Beitragsgruppe = A1

Arbeiterkammerumlage = ja

Wohnbauförderungsbeitrag = ja

Schlechtwetterentschädigungsbeitrag = nein

Zuschlag nach dem Insolvenz-Entgelt­sicherungsgesetz = ja

Nachtschwerarbeits-Beitrag = ja

Verrechnungsgruppe 1 = N25a

Verrechnungsgruppe 2 = N89

Beschäftigtengruppe = Arbeiter

Ergänzung = Nachtschwerarbeits-Beitrag

Abschlag = Verminderung des Arbeits­losenversicherungsbeitrages um 3 %

Zuschlag = Service-Entgelt

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Beitragsvorschreibeverfahren

Informationen zum Beitragsvorschreibeverfahren finden Sie unter dem Link in der Rubrik "Mehr zum Thema".

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Tarifrechner

Mittels dem neuen Tarifrechner können die ab 1.1.2019 gültigen Beschäftigtengruppen abgefragt werden. Der Tarifrechner steht Ihnen in der Rubrik "Online-Services" zur Verfügung.

Zuletzt aktualisiert am 18. Januar 2019