DRUCKEN

20 Jahre Arzneidialog in Oberösterreich

Eine erfolgreiche und beispielgebende Kooperation zur Gestaltung der Heilmittelversorgung


Mag. Gabriela WallDie Autorin:

Mag. Gabriela Wall
studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und ist Mitarbeiterin der Abteilung Behandlungsökonomie in der Österreichischen Gesundheitskasse, Landesstelle Oberösterreich.


Kurzfassung 

Die demografische Entwicklung in den Industriestaaten, medizintechnische und pharmakologische Neuentwicklungen stellen die Krankenversicherung vor finanzielle Herausforderungen. Darauf hat die Landesstelle Oberösterreich der ÖGK (vormals OÖGKK) reagiert und gemeinsam mit der OÖ Ärztekammer für im Jahr 1999 den Arzneidialog ins Leben gerufen. Ziel ist, bei gleichbleibender Behandlungsqualität, steigende Ausgaben im Heilmittelbereich einzudämmen, um die Heilmittelversorgung der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten.

 

Hintergrund für die Gründung des Arzneidialoges

Die Medikamentenkosten pro Verordnung der OÖ Landesstelle sind im Kalenderjahr 1998 gegenüber dem Kalenderjahr 1997 um 6,8 Prozent gestiegen. Die Steuerung, Regulierung und Festsetzung der Medikamentenpreise liegt beim Dachverband der Sozialversicherung. Die Abgabe der Medikamente und die Behandlungsqualität liegen im Einflussbereich des Verordners.

So wurde der Arzneidialog ins Leben gerufen, um Ärzte durch Information, Beratung, Motivation und Überzeugungsarbeit in ihrer täglichen Medikamentenverordnung zu unterstützen und Heilmittelkosten bei gleicher Behandlungsqualität zu dämpfen.

Zeitgleich wurden in der OÖGKK das Data Warehouse „FOKO“ (Folgekosten) entwickelt. Diese Datenbank ermöglicht eine umfassende Darstellung der Eigenleistungen von Ärzten sowie der von Ärzten ausgelösten Folgekosten, wie Heilmittelverordnungen, Zuweisungskosten zu anderen Ärzten, Transportkosten und Kennzahlen über Arbeitsunfähigkeiten und Krankengeld. Auf dieser Datenbasis können mit den Vertragspartnern Analysen erfolgen und Schlussfolgerungen für Maßnahmen getroffen werden.

 

Aktuelle Steuerungssysteme zur Heilmittelkostenentwicklung

Im Jahr 2005 wurde zwischen OÖGKK und ÄKOÖ eine Zielvereinbarung abgeschlossen, wonach ein Großteil der Arzneispezialitäten, die grundsätzlich der ärztlichen Bewilligung durch den kontrollärztlichen Dienst der SV unterliegen, von den Vertragsärzten ohne Einholung dieser Bewilligung verschrieben werden dürfen und erstattet werden.

Dies stellte einen Paradigmenwechsel im Bereich der Arzneimittelversorgung dar. Die Kasse bestimmt nicht vorweg selbst, ob die Kosten für ein Arzneimittel übernommen werden, sondern überträgt die Entscheidungskompetenz grundsätzlich den Vertragspartnern, wobei im Hinblick auf Qualität und Ökonomie klare Regeln zu befolgen sind. Die Zielvereinbarung hat heute größte Akzeptanz bei den Ärzten und ist nicht mehr wegzudenken. Sie gilt immer für die Dauer von zwei Jahren. Wird sie anschließend positiv evaluiert, erfolgt eine Weiterverlängerung. Die Zielvereinbarung hat nach wie vor ihre Gültigkeit und ist ein wichtiges Steuerungssystem, das neben der Steuerung der Heilmittelkosten Bürokratie verringert und Ärzte deutlich entlastet.

Die wesentlichen Eckpunkte sind dabei:

  • Kooperations-Balanced-Scorecard (BSC)
  • Heilmittelökonomie Vereinbarung mit OÖ Fondkrankenanstalten
  • Arzneidialoge, auch auf Bezirksebene
  • Individueller Servicebrief und Ökonomieberatung
  • Einführung von Honorarpositionen für Beratungsgespräche zu Medikamenten
  • Fachgruppengespräche
  • Fokusgruppen
  • Events zu Polypharmazie
  • Informationen für Ärzte und Patienten
  • Fortbildung für Ärzte und Behandlungsökonomie

 

Resümee und Ausblick

Der Arzneidialog in OÖ ist ein erfolgreiches Beispiel für eine Kooperation zwischen Krankenkasse und Ärztekammer. Die gemeinsame Analyse von Problemen, Daten und die Ausarbeitung wie Umsetzung von Lösungen gelingt unter Berücksichtigung der Interessen der einzelnen Partner. Kooperationen auf der Regionalebene werden sicher auch künftig eine wichtige Rolle einnehmen, um heilmittelkostendämpfende Maßnahmen bei gleichbleibender Behandlungsqualität für die Patienten bei den regionaltätigen Vertragspartnern sicher zu stellen.

Vor dem Hintergrund der Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen sollten Maßnahmen zum Austausch von Best-Practice-Beispielen im Bereich der Heilmittelkostendämpfung forciert werden, um weiterhin die Themenführerschaft innezuhaben. So könnte z.B. ein österreichweiter Arzneidialog für niedergelassene Vertragspartner und Krankenanstalten ins Leben gerufen werden.





Zuletzt aktualisiert am 10. Februar 2020