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Zwei Mädchen stehen vor dem Zentimeter

Zu klein? Zu groß?

Ist ein Kind immer das Kleinste oder deutlich größer als Gleichaltrige, liegt das meistens, aber nicht immer, an den Genen. 

Eine österreichische Frau misst heute im Schnitt 1,66 Meter, ein österreichischer Mann 1,78 Meter. Drei von hundert gesunden Kindern werden diese Werte als Erwachsene deutlich unter- oder überschreiten. Sie tendieren zu Klein- oder Großwuchs. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass sie an einer krankhaften Wachstumsstörung oder an einer genetischen Mutation leiden. Die meisten dieser Kinder liegen einfach knapp über oder unter der Norm. 

„In Sachen Größe ist es wichtig, die Wachstumsentwicklung eines Kindes zu verfolgen“, erklärt Primar Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Kinderund Jugendheilkunde: „Wenn das Kind aus dieser Wachstumsgeschwindigkeit, also aus seinem Wachstumsverlauf, ausschert durch erhöhtes oder meist weniger Wachstum, dann muss das unbedingt abgeklärt werden. Am einfachsten erkennt man Probleme, wenn beim regelmäßigen Arztbesuch das Längenwachstum und das Gewicht kontrolliert und in Verlaufskurven eingetragen werden. Ein Abweichen, ein Knicken aus dem Verlauf der Wachstumskurven, sei dann ein Grund für eine Abklärung.“ 

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Genetisch bedingt 

Der Endokrinologe für Kinder und Jugendliche kann beim Verdacht, dass ein Kind sehr klein- oder großwüchsig werden könnte, mit einem Handwurzelröntgen das künftige Wachstum und die zu erwartende Endgröße schätzen. Handlungsbedarf kann bei Großwuchs ab einer Körperlänge von zwei Metern bei Männern und 1,85 Metern bei Frauen bestehen. Ebenso bei Kleinwuchs, bei einer voraussichtlichen Endgröße unter 140 Zentimetern bei Frauen und unter 150 Zentimetern bei Männern. 

„Sogenannte konstitutionelle Wachstums- und Pubertätsverzögerungen sind häufig. Dabei wachsen Kinder sozusagen mit Verspätung, haben auch die Pubertät verzögert, erreichen aber dennoch die familiäre Zielgröße. Der endokrinologische Fachspezialist in der Kinder- und Jugendheilkunde kann mit dem Knochenalter und der Wachstumsgeschwindigkeit exakte Aussagen treffen“, so Dr. Sperl. 

Die Körpergröße ist vor allem genetisch bedingt. Die Größe der Eltern und oft auch die Größe von Oma und Opa sind ausschlaggebend für die Maße des Kindes. Eine einfache Formel zeigt, wie groß ein Kind voraussichtlich werden wird: Man addiert die Körperlänge der Eltern, teilt diese durch zwei. Anschließend rechnet man bei einem Buben sechs Zentimeter dazu, bei einem Mädchen zieht man diesen Wert ab.  

Doch nicht immer sind die Gene für ein über- oder unterdurchschnittliches Wachstum verantwortlich. Großwuchs liegt zwar meist in der Familie, kann aber selten auch durch Hormonstörungen oder einen Tumor ausgelöst werden. Ein Wachstumsstopp lässt sich mittels Hormongaben oder bei übermäßig langen Beinen durch einen chirurgischen Verschluss der Wachstumsfuge erreichen. 

Auch Kleinwuchs ist meist familiär bedingt. Daneben gibt es dafür aber mehr als 400 Ursachen, wie etwa einen Herzfehler, eine Zöliakie oder Nierenerkrankungen bis hin zum psychosozialen Kleinwuchs, bei dem das Kind sein Wachstum durch eine Konfliktsituation einstellt. Auch hormonelle Störungen, die mit einem Bluttest diagnostiziert werden, können Kleinwuchs verursachen. Die Therapie setzt immer bei der jeweiligen Grunderkrankung an. Eine Hormontherapie hilft nur einem Teil der Betroffenen.

 

Dr. Regina Sailer

Dezember 2020

 

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Kommentar 

Zu klein Zu groß Kommentarbild Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang SperlDer Fachspezialist kann mit dem Knochenalter und der Wachstumsgeschwindigkeit exakte Aussagen treffen.“

Primar Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl

Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde



Bilder: shutterstock/Sergey Novikov; privat


Zuletzt aktualisiert am 09. Dezember 2020