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Protonenpumpenhemmer: Zum richtigen Zeitpunkt hilfreich

Tipps zu den oft als "Magenschutz" bezeichneten Medikamenten

Mann liegt mit Bauchschmerzen auf der Couch / Africa-Studio/shutterstock.com

Sodbrennen oder Magendrücken kennt praktisch jeder. Besonders häufig sind diese Beschwerden, wenn viel gegessen oder getrunken wurde. Meist hilft es dann schon, etwas weniger zu essen und fette und süße Lebensmittel sowie Alkohol für einige Zeit zu meiden. Leiden Sie über längere Zeit immer wieder an Magenproblemen, sollten diese unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Keinesfalls sollten Sie aber ohne ärztliche Beratung Medikamente längerfristig einnehmen.

Das gilt insbesondere für die so genannten „Protonenpumpenhemmer“ oder „Protonenpumpeninhibitoren (kurz PPI). Diese werden häufig irreführend als „Magenschutz“ bezeichnet. Protonenpumpenhemmer sind hochwirksame Arzneimittel, mit denen sorgsam umgegangen werden soll. Sie sollen nur nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden.

So wirken Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer verringern die Säurebildung im Magen, sodass die dadurch bedingten Reizungen besser abheilen können bzw. erst gar nicht entstehen. Sie sind eine der am häufigsten verordneten Medikamentengruppen in Österreich. Es stehen verschiedene Wirkstoffe (Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Esomeprazol) zur Verfügung, die in ihrer Wirkung sehr ähnlich sind. Protonenpumpenhemmer werden sowohl zur Behandlung von Erkrankungen des Magens, der Speiseröhre und des Zwölffingerdarms als auch zur Vorbeugung spezieller Erkrankungen verschrieben.

Bei folgenden Krankheitsbildern kommen Protonenpumpenhemmer zum Einsatz:

  • Reflux: Darunter versteht man das wiederholte Aufsteigen von Mageninhalt in der Speiseröhre, manchmal bis in die Mundhöhle, wodurch die Speiseröhre gereizt wird. Es kommt zu brennenden Schmerzen, auch Husten kann durch Reflux ausgelöst werden.
  • Geschwüre im Magen oder im Zwölffingerdarm, auch gastroduodenale Ulzera genannt
  • Magen-Infektionen mit dem Keim Helicobacter pylori gemeinsam mit Antibiotika
  • Zollinger-Ellison-Syndrom: eine tumorbedingte Überproduktion des Hormons Gastrin, die mit Geschwürbildung einhergeht

Protonenpumpenhemmer zur Vorbeugung

Protonenpumpenhemmer können auch zur Vorbeugung von Magengeschwüren bei einer Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der sogenannten „nichtsteroidalen Antirheumatika“ (NSAR, wie z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) oder bei Einnahme von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung bei Risikopatientinnen und -patienten verwendet werden, wenn beispielsweise folgende Risikofaktoren vorliegen:

  • höheres Alter
  • Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre in der Krankengeschichte
  • hohe Dosierungen von NSAR
  • gleichzeitige Verwendung von bestimmten blutverdünnenden Medikamenten
  • gleichzeitige Einnahme von bestimmten Medikamenten gegen Depressionen (beispielsweise aus der Gruppe der „SSRI“, die gezielt die Serotonin-Konzentration erhöhen)
  • gleichzeitige Einnahme von Kortison

Nicht angezeigt ist die Anwendung von PPI als allgemeiner Magenschutz bei genereller Einnahme „vieler Medikamente“.

Protonenpumpenhemmer richtig einnehmen

Wichtig ist, das Medikament richtig einzunehmen und die je nach Erkrankung unterschiedliche Therapiedauer der Einnahme einzuhalten. Die beste Zeit für die Einnahme ist 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück. Treten die Beschwerden vor allem in der Nacht auf, kann das Medikament auch vor dem Schlafengehen genommen werden. Die Tablette/Kapsel darf dazu nicht zerkaut, gemörsert oder zerstoßen werden. Tabletten dürfen nur geteilt werden, wenn das im Beipackzettel angeführt ist. Kapseln können geöffnet werden, um die darin enthaltenen Pellets etwa mit Wasser einzunehmen. Auch diese dürfen nicht zerstoßen werden.

Medikation und Einnahmedauer mit Ärztin bzw. Arzt besprechen

Bei der Einnahme von PPI sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. Es kann zu Wirkverstärkungen, aber auch zu einer verminderten Wirkung anderer Arzneimittel kommen. Geben Sie daher Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die von Ihnen einzunehmenden Medikamente bekannt, sodass die bestmögliche Therapie für Ihren individuellen Fall verordnet werden kann.

Eine dauerhafte Einnahme von Protonenpumpenhemmern ist nur selten nötig. Zu bedenken ist, dass diese Medikamente bei längerer Anwendung durchaus unangenehme und auch riskante Nebenwirkungen aufweisen. Es gibt wissenschaftliche Hinweise für folgende Langzeitwirkungen:

  • erhöhtes Knochenbruchrisiko
  • erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen des Magen-Darm-Trakts
  • erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen
  • Entwicklung und Verstärkung von Nahrungsmittelallergien

Fragen Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt daher schon bei der Verschreibung, wie lange Sie das Medikament nehmen sollen. Je nach Erkrankung und Beschwerden ist die empfohlene Einnahmedauer unterschiedlich lange. Besprechen Sie nach dieser Zeit mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt, ob eine weitere Einnahme nötig ist. Keinesfalls sollten Sie die Einnahme ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt weiterführen.

Wichtig: Nach längerer Einnahme sollten Protonenpumpenhemmer nicht plötzlich abgesetzt werden, sondern die Dosis über mehrere Tage langsam verringert werden. Das verhindert eine erneute verstärkte Magensäurebildung, die wieder zu Beschwerden führen kann.

Bei allen Fragen zur Anwendung von Protonenpumpenhemmern wenden Sie sich bitte an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren behandelnden Arzt bzw. Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker.


Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2022