Das Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen: Die Bevölkerung wird älter, die Anforderungen an die Versorgung steigen und werden mit zunehmendem medizinischem Fortschritt komplexer. Patient*innennahe Angebote sind wesentlich, um die Versorgung der 7,6 Millionen Versicherten zu sichern. Die Stärkung der Primärversorgung ist ein entscheidender Faktor, der den Versicherten regional vor Ort medizinische Versorgung bietet, gleichzeitig schafft die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) für ihren Vertragspartnerinnen und Vertragspartnern damit eine flexible und familienfreundliche Arbeitsform.
Aktuell stehen in Österreich insgesamt 112 Primärversorgungseinheiten (PVE) als wohnortnahe erste Anlaufstellen zur Verfügung. Davon sind 14 speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ausgerichtet. Dieses moderne Versorgungsmodell ist mittlerweile in allen neun Bundesländern etabliert und bildet eine zentrale Säule unseres zukunftsorientierten Gesundheitssystems.
Für das Jahr 2026 sind zahlreiche weitere Neueröffnungen geplant. Einige davon werden bereits in den kommenden Wochen und Monaten umgesetzt, unter anderem in Niederösterreich (Waidhofen/Ybbs), Oberösterreich (Schwertberg), Salzburg (Bischofshofen) sowie in Wien (14. und 22. Bezirk). Damit wird das Angebot weiter verdichtet und die Versorgung noch näher zu den Menschen gebracht.
Breites Angebot in einer Praxis, ausgedehnte Öffnungszeiten
Primärversorgungseinheiten sind die erste Anlaufstelle für alle gesundheitlichen Anliegen. Sie bieten Diagnostik und Behandlung bei akuten und chronischen Erkrankungen ebenso wie Gesundheitsförderung, Prävention und psychosoziale Betreuung. Charakteristisch für Primärversorgungseinheiten ist ihre wohnortnahe, integrative und multiprofessionelle Struktur. Unterschiedliche Gesundheits- und Sozialberufe arbeiten eng zusammen und ermöglichen so eine koordinierte Betreuung aus einer Hand.
Ein gut ausgebautes Primärversorgungssystem verbessert den Gesundheitszustand der Bevölkerung und erhöht die Gesundheitschancen. Durch die enge interprofessionelle Zusammenarbeit wird eine qualitativ hochwertige, effiziente und koordinierte Versorgung sichergestellt, und das so nah wie möglich am Wohnort der Menschen.
Ein besonderer Vorteil für Patientinnen und Patienten sind die erweiterten Öffnungszeiten vieler Primärversorgungseinheiten. Diese reichen häufig von 7 bis 19 Uhr und erleichtern den Zugang zur medizinischen Versorgung deutlich.
Attraktives Arbeitsmodell für Ärztinnen und Ärzte
Primärversorgungseinheiten bieten gleichzeitig attraktive und zukunftsweisende Perspektiven für Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich. Die Arbeit im multiprofessionellen Team wird von der Ärzteschaft besonders geschätzt. Die enge Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen ermöglicht eine qualitativ hochwertige Versorgung und schafft ein unterstützendes Arbeitsumfeld im Alltag.
Zudem eröffnen PVE neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Organisation ärztlicher Tätigkeit. Flexible Arbeitszeitmodelle, familienfreundliche Rahmenbedingungen und die Aufteilung von Verantwortung im Team tragen wesentlich zur Attraktivität dieser Arbeitsform bei. Gleichzeitig können sich Ärztinnen und Ärzte stärker auf ihre medizinische Kernkompetenz konzentrieren, da organisatorische Aufgaben entweder extern vergeben oder innerhalb der Teamstruktur verteilt werden können.
Eigene Versorgung speziell für Kinder und Jugendliche
Ein besonderer Fokus liegt auf der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Seit August 2023 gibt es eigene Kinder-Primärversorgungseinheiten. Derzeit gibt es insgesamt 14 Kinder-PVE aufgeteilt auf fünf Bundesländer, das sind derzeit Niederösterreich, Oberösterreich, Wien, Vorarlberg und die Steiermark. Diese Einrichtungen sind speziell auf die Bedürfnisse von jungen Patientinnen und Patienten ausgerichtet und bieten eine umfassende Betreuung durch multiprofessionelle Teams aus Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, Kinderärztinnen und Kinderärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeit, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Diätologie, Psychologie, Psychotherapie sowie Hebammen.
Primärversorgungseinheiten werden entweder als Primärversorgungszentren (PVZ) oder als Primärversorgungsnetzwerke (PVN) organisiert. Das konkrete Leistungsangebot wird dabei an die regionalen Bedürfnisse angepasst, sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum.
Weitere Informationen über den Stand des Ausbaus finden Sie auf unserer Website unter ÖGK Insights .