DRUCKEN

Chronik


Am Anfang stand DDr. Oskar Meggeneder von der OÖ Gebietskrankenkasse. Er hielt bereits 1991 in einem Positionspapier fest, dass die Sozialversicherung sich mit einer Fülle an gespeicherten Daten im Hintergrund gut in gesundheitswissenschaftliche Forschungsprojekte einbringen könnte, für die universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen als Partner gewonnen werden sollten.


Das damalige (und auch heute gültige) Ziel war wissenschaftliche Entscheidungsunterstützung und Argumentation gegenüber der Öffentlichkeit und den Partnern im Gesundheitswesen. Schon damals wurde eine systematische Gesundheitsberichterstattung als eine wesentliche Ausprägung von Forschungsarbeit in der Sozialversicherung beschrieben. In jahrelanger beharrlicher Überzeugungsarbeit konnte Meggeneder Interessenten für diese Idee aus dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der damaligen Versicherungsanstalt des österreichischen Bergbaus und den Gebietskrankenkasse Tirol, Salzburg und Steiermark gewinnen. So liegt schließlich aus dem Jahr 1998 das erste Protokoll einer Arbeitsgruppe vor, die sich der Kooperation mit Forschung und Lehre verschrieben hatte.


In einem weiteren Protokoll dieser Arbeitsgruppe aus dem Februar 2000 ist ersichtlich, dass von der OÖ Gebietskrankenkasse bereits erste Diplomarbeiten zu gesundheitsrelevanten Themen vergeben worden waren, und die Tiroler Gebietskrankenkasse einen Forschungsauftrag an die Universität Innsbruck erteilt hatte. Ebenfalls im Jahr 2000 startete die Salzburger Gebietskrankenkasse gemeinsam mit der Universität Salzburg sogenannte „Praktikerseminare“, die sich rechtlichen Fragen der Gesundheitsversorgung widmeten. Dr. Walter Hengl von der Tiroler Gebietskrankenkasse wagte sich im Juni 2001 zum ersten Mal über die Veranstaltung einer größeren wissenschaftlichen Tagung: Die „Werkstatt Gesundheit & Soziale Sicherheit“ war geboren. Rund 80 TeilnehmerInnen vor allem aus der Sozialversicherung und aus der Wissenschaft tagten im Kongresszentrum Alpbach zum Thema „Der informierte Patient — Anspruch und Wirklichkeit“.


Nach dieser gelungenen Tagung nahm die Dynamik der Entwicklung zur „Kooperationsplattform Forschung & Lehre“ kräftig zu. Nachdem Anfang 2002 in der OÖ Gebietskrankenkasse ein eigenes Referat für Wissenschaftskooperation gegründet worden war und so auch eine Geschäftsstelle für die Versicherungsträger übergreifende Kooperationsplattform errichtet worden war, kam es am 10. Februar 2003 in Salzburg zur Gründung des Vereins „Kooperationsplattform Forschung & Lehre“. Zum ersten Obmann des Vereins wurde DDr. Meggeneder gewählt, als seine Stellvertreterin Mag. Roswitha Pettliczek-Koller vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger. In den Vereinsstatuten wurde unter anderem die „Werkstatt Gesundheit & Soziale Sicherheit“ als regelmäßige Tagung im zweijährigen Abstand festgelegt, und die Vergabe und Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen in enger persönlicher Kooperation mit Lehrenden an den Universitäten beschlossen.


Da vor allem in der Anfangsphase der Kooperation zwischen Sozialversicherung und Wissenschaft von einigen Seiten her skeptische Ablehnung gegen diese Initiative kommuniziert worden war, schlugen sich die Proponenten der Kooperationsplattform Forschung & Lehre auf die sichere Seite und trachteten - erfolgreich - danach, die Aktivitäten der Kooperationsplattform, vor allem die größeren Tagungen, kostenneutral zu gestalten: In oft mühsamer Akquisition und Verhandlung wurden Sponsoren aus der Wirtschaft für die Finanzierung gewonnen, und mit Stolz konnte damals festgestellt werden, dass „kein Schilling an Versichertengeldern“ für die Kooperation mit Forschung und Lehre herangezogen werden musste.


Werkstatt-Veranstaltungen im Jahr 2003 in Graz und 2005 in St. Pölten (hier bereits mit rund 150 TeilnehmerInnen), sowie die deutliche Ausweitung wissenschaftlicher Veranstaltungen in kleineren Formaten (vor allem die juristischen Praktikerseminare an der Universität Salzburg und über ganz Österreich verteilte ungefähr halbjährliche ExpertInnengespräche zu vorwiegend gesundheitsökonomischen und Gesundheitsförderungs-Themen) haben den Wissensaustausch zwischen MitarbeiterInnen der Sozialversicherung und Gesundheitswissenschaftern stark intensiviert. In der Zwischenzeit vergeben die meisten Versicherungsträger Forschungsthemen an DiplomandInnen und DissertantInnen, und kleinere Forschungsaufträge sowie Kooperationen zwischen universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Sozialversicherungsträgern sind keine Seltenheit mehr.

Nach und nach traten alle Gebietskrankenkassen sowie die „Sonderversicherungsträger“ und auch die Pensionsversicherungsanstalt dem Verein bei. Die ersten Proponenten der Kooperationsplattform, Meggeneder und Hengl, sind bereits im Ruhestand. Als Obmann der Kooperationsplattform Forschung & Lehre folgte Dr. Alfred Wurzer von der Kärntner Gebietskrankenkasse. Zur Koordinierung der mittlerweile zahlreichen Aktivitäten wurde ein Arbeitskreis Forschung & Lehre gegründet, den Mag. Michael Prantner von der SVA der Gewerblichen Wirtschaft leitet.


Als bislang letzten Meilenstein der Vereinsgeschichte muss man den 28.03.2007 erwähnen. An diesem Tag wurde in St. Pölten aus der bisherigen „Kooperationsplattform Forschung & Lehre“ der Verein „SV-Wissenschaft - Forschung & Lehre der österreichischen Sozialversicherung“. Mit dieser Maßnahme schaffte der Vorstand die Grundvoraussetzungen um mit einem völlig neuen Design ein einheitliches Auftreten in der Öffentlichkeit zu erleichtern, die Umsetzungskraft der Organisation weiter zu verstärken sowie eine erhöhte Nachhaltigkeit der wissenschaftlichen Projekten zu garantieren. Aus der Perspektive des Jahres 2007 kann festgehalten werden, dass Dank der Initiative von Einzelpersonen innerhalb der Sozialversicherung in einer Zeitspanne von rund 15 Jahren eine neue Kooperationsstruktur der Sozialversicherung organisch gewachsen ist, die heute nur mehr schwer wegzudenken ist.