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Borreliose: Gefährliche Infektion nach Zeckenbiss

Borreliose: Gefährliche Infektion nach Zeckenbiss Ein vermeintlich harmloser Zeckenbiss verursacht nach mehreren Tagen eine Rötung der Haut, die sich allmählich ausbreitet und schließlich die Form eines Kreises annehmen kann. Diese ersten Symptome sind kennzeichnend für eine Borreliose. Die Erkrankung kann im schlimmsten Fall zu einer akuten Hirnhautentzündung oder einer akuten Muskelentzündung führen, hält Prim. Franz Aichner aus Linz fest.

Neben der bekannten Erkrankung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) geht von Zecken noch eine weitere Gefahr aus: Sie können nämlich auch die Infektionskrankheit Borreliose verursachen, gegen die es – im Unterschied zu FSME – noch keine Impfung gibt. „Die Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung in Europa und so auch in Österreich“, erklärt Univ.-Prof. Prim. Dr. Franz Aichner, Leiter der neurologischen Abteilung der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz.

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Zecken sind einzige Überträger

Borreliose wird auch als Lyme-Krankheit bezeichnet. Der Name geht auf den Ort Lyme in den USA zurück, wo das Krankheitsbild zum ersten Mal beschrieben wurde. Borreliose wird durch Zecken übertragen: „Die Borrelien finden sich meist im Vormagen der Schildzecken. Dorthin gelangen sie über Nagetiere wie beispielsweise Eichhörnchen und können dann beim Biss auf den Menschen übergehen. Denn die Zecken müssen regelmäßig Mageninhalt durch den Stechrüssel in die Stichwunde injizieren, um die Ungerinnbarkeit des zu saugenden Blutes sicher zu stellen“, weiß der Mediziner und fügt hinzu: „Zecken sind die einzigen Überträger. Je nach geographischer Lage gibt es in Nordamerika, Europa und Asien verschiedene Zecken, die die Borreliose hervorrufen.“

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Unterschiedlichste Symptome

Die Symptome einer Infektion mit Borrelien sind unterschiedlich. Aichner bestätigt: „Die Borreliose kann klinisch ein äußerst buntes Bild hervorrufen, entsprechend dem Befall eines oder mehrerer Organe. Im frühen Stadium kann es lokalisiert oder auch disseminiert, das heißt über den Körper verstreut, zu einem Erythema migrans kommen, also einem großen roten Fleck. Es können aber auch Lymphknotenschwellungen, Gelenksentzündungen sowie Herzmuskelentzündungen auftreten.“ Die Rötung der Haut kann sich ausbreiten und schließlich in der Mitte verblassen, sodass ein roter Kreis zurückbleibt. Es kann jedoch auch vorkommen, dass der kreisrunde Fleck auf der Haut fehlt. Mögliche Begleitsymptome sind Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit.

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Nervensystem befallen

Wenn die Infektion das Nervensystem befällt, spricht man von einer so genannten akuten Neuroborreliose. „Im neurologischen Bereich können sich dann eine akute Hirnhautentzündung, Hirnnervenentzündung, Nervenwurzelentzündung, Gefäßentzündung oder eine akute Muskelentzündung manifestieren“, so der Leiter der neurologischen Abteilung. Während sich eine akute Hirnhautentzündung durch Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber oder Nackensteifigkeit äußert, können bei einem Befall eines Hirnnervens oder einer Nervenwurzel heftige, ausstrahlende Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen auftreten. Ein Muskelbefall kann sich durch Muskelschmerzen (Myalgien), Muskelschwellung oder Muskelsteifigkeit bemerkbar machen.

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Therapie mit Antibiotika

Standardtherapie der Neuroborreliose ist die Gabe von Antibiotika. Aichner: „Ziel der antibiotischen Therapie ist die frühe Ausbreitung und die assoziierten Symptome zu stoppen, bereits vorhandene Symptome zu bessern und Organmanifestationen zu vermeiden. Die antibiotische Therapie ist, abhängig vom Stadium der Erkrankung, zwei bis vier Wochen durchzuführen. Da häufig heftigste Schmerzen mit der Erkrankung verbunden sein können, ist eine entsprechende aggressive Schmerztherapie erforderlich. Allerdings verkürzen die Antibiotika die akuten, radikulitischen Schmerzen, die bei einer Entzündung der Nervenwurzeln auftreten, dramatisch und fördern die Erholung von motorischen und sensiblen Ausfällen.“ Ist die Erkrankung allerdings bereits fortgeschritten, kann eine stationäre Behandlung notwendig sein. Dabei erhalten Betroffene das Antibiotikum intravenös verabreicht.

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Bei Symptomen sofort einen Arzt aufsuchen

Betroffene sollten sofort zum Arzt, wenn nach einem Zeckenbiss Symptome wie Hautveränderungen, Gelenks- oder Kopfschmerzen oder eine Gesichtslähmung auftreten. Vermutet der Arzt eine Neuroborreliose, ist eine Lumbalpunktion (Kreuzstich) zur Diagnosestellung erforderlich.

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Noch kein Impfstoff in Europa

Derzeit gibt es in Europa noch keinen Impfstoff gegen Borreliose. „Der in den USA erfolgreiche Impfstoff bietet gegen europäische Borrelien nicht ausreichend Schutz“, so Aichner. Die beste Maßnahme ist deshalb, einen Zeckenbiss zu verhindern. Beim Aufenthalt in der Natur sollte man unbedingt lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen und den Körper immer gründlich auf Zecken hin untersuchen. Entdeckt man eine Zecke, gilt es, diese rasch zu entfernen und die Einstichstelle regelmäßig zu beobachten.

MMag. Birgit Koxeder
Juli 2011


Foto: Bilderbox

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015